Human hand over wooden background and credit score text concept, Bild: VZ NRW adpic
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Ratingen | Den Vorgarten pflegen, die Wäsche waschen, das Auto regelmäßig durch die Waschanlage fahren, all das gehört für viele Menschen zur Routine. Weniger sichtbar, aber inzwischen fast genauso wichtig, ist etwas anderes: die Pflege der eigenen Daten. Denn wer heute einen Kredit, einen Mobilfunkvertrag, einen Mietvertrag oder einen Rechnungskauf abschließen will, merkt schnell, dass ein digitaler Fleck auf der weißen Weste oft hartnäckiger ist als jeder Ölfleck auf dem Hemd.


Zum 17. März stellt die Schufa ihren Bonitätsscore um. Künftig soll ein zentraler Punktwert auf einer Skala von 100 bis 999 mehr Transparenz schaffen. Statt wie bisher mit einer schwer nachvollziehbaren Vielzahl von Faktoren zu arbeiten, will die Schufa den Wert nun anhand von zwölf Kriterien erklären. Die Verbraucherzentrale NRW sieht darin zwar einen Fortschritt, warnt aber zugleich: Auch das neue System bleibt fehleranfällig und benachteiligt weiterhin bestimmte Gruppen.

Der Hintergrund ist brisant. Der Europäische Gerichtshof hat Auskunfteien und Unternehmen in den vergangenen Jahren deutlich gemacht, dass sie sich beim Scoring nicht einfach hinter Geschäftsgeheimnissen verstecken können. Die Verfahren müssen transparenter werden, und Betroffene haben stärkere Rechte, wenn automatisierte Bewertungen über Vertragschancen mitentscheiden.

Für Verbraucher klingt das zunächst nach Entlastung. Doch die eigentliche Lehre ist eine andere: Datenhygiene wird zur Alltagsaufgabe. Denn ein Score lebt nicht nur vom Zahlungsverhalten. Nach Angaben von Schufa und Verbraucherzentrale fließen unter anderem Zahlungsstörungen, das Alter bestehender Konten oder Kreditkarten, Bonitätsanfragen, laufende Kredite und auch die Dauer an der aktuellen Adresse in die Bewertung ein. Genau dort beginnt das Problem. Wer jung ist, häufiger umzieht, Verträge vergleicht oder moderne Zahlungsmodelle wie „Buy now, pay later“ nutzt, kann Nachteile haben, obwohl er seine Rechnungen pünktlich bezahlt.

Noch heikler wird es, wenn die Datengrundlage falsch ist. Die Verbraucherzentrale NRW weist ausdrücklich darauf hin, dass unberechtigte Inkassomeldungen oder fehlerhafte Einträge immer wieder vorkommen. Dann ist nicht die eigene Zahlungsmoral das Problem, sondern ein Datensatz, der den Verbraucher in ein schlechtes Licht rückt. Und genau dieser Makel kann weitreichende Folgen haben, von schlechteren Vertragskonditionen bis zur kompletten Ablehnung eines Geschäfts.

Deshalb gilt heute: Wer seine Bonität dem Zufall überlässt, handelt fahrlässig. Verbraucher sollten ihre Daten regelmäßig kontrollieren, so wie sie auch Kontoauszüge prüfen oder wichtige Unterlagen abheften. Die kostenlose „Datenkopie nach Art. 15 DSGVO“ kann direkt bei der Schufa angefordert werden; die Verbraucherzentrale warnt zugleich davor, für diesen eigentlich kostenlosen Vorgang teure Drittanbieter zu nutzen. Wer Fehler entdeckt, kann Berichtigung, Löschung oder Einschränkung der Verarbeitung verlangen, sowohl bei der Auskunftei als auch bei dem Unternehmen, das die Daten gemeldet hat.

Die neue Transparenz ist also eine gute Nachricht, aber keine Entwarnung. Im Gegenteil: Gerade weil der Score im Alltag so viel Gewicht haben kann, wird die Pflege der eigenen Daten zur modernen Form der Vorsorge. Früher achtete man darauf, dass die weiße Weste sauber blieb. Heute muss man zusätzlich darauf achten, dass nicht im Datenkeller ein Fleck entsteht, den man Jahre später kaum noch herausbekommt.