Ratingen | Wer am Sonntag, 22.3. , in der Stadthalle beim Jahreskonzert des Ratinger Akkordeonorchesters dabei war, bekam keinen Abend für Freunde enger Musikschubladen geboten, sondern ein Programm mit Spannweite, Charakter und klar erkennbarer künstlerischer Handschrift. Das Konzert am 22. März war bewusst abwechslungsreich aufgebaut, von Dvořáks „Serenade in E“ über Saint-Saëns’ „Danse Macabre“ bis hin zu Queens „Innuendo“, Filmmusik, Tango und Chanson. Auch das Quartett UWAGA! setzte dem Abend einen besonderen Akzent.
Schon der Blick in den Konzertablauf zeigte, wie sorgfältig der Abend dramaturgisch angelegt war. Im ersten Teil standen zwei sehr unterschiedliche Serenaden und die düstere Klangwelt der „Danse Macabre“ nebeneinander. Nach der Pause folgte mit „Innuendo“ ein kraftvoller Einstieg, ehe Stücke wie „Karneval“, „Rhapsodia“, ein Édith-Piaf-Medley, „ARTango“, „Baby Elephant Walk“ und ein „Forrest Gump“-Medley den Bogen weiter spannten. Als Zugaben gab es „Ghostbusters“ und Musik aus dem „Dschungelbuch“.
Besonders bemerkenswert war dabei die Person, die über diesem Konzertabend stand: Petra Willeke. Seit nunmehr 40 Jahren ist sie Dirigentin und musikalische Leiterin des Ratinger Akkordeonorchesters. Ihr wird zugeschrieben, das Ensemble über Jahrzehnte kontinuierlich auf ein beachtliches und weithin anerkanntes Niveau geführt zu haben.
Gerade dieser Langzeitblick war im aktuellen Konzert offenbar bewusst angelegt. Teile des Programms stammten aus früheren Konzerten, also aus Werken, die Petra Willeke besonders am Herzen liegen. Das verlieh dem Abend eine zusätzliche Ebene. Er war nicht nur Frühlingskonzert, sondern auch ein persönlicher musikalischer Rückblick einer Dirigentin, die das Orchester seit Jahrzehnten prägt. Durch den Abend führte Dirk Wittmer.
In einer kurzen Laudatio erinnerte Silke Hirschmann, Vorsitzende des Vereins daran, dass Petra Willeke in 40 Jahren mehr als 2.800 Stunden mit dem Orchester neue Arrangements und Musikstücke erarbeitet habe, immer mit dem Blick in die Partitur und dem Ohr für die einzelnen Stimmen. Sie würdigte ihre Fähigkeit, Jahr für Jahr ein abwechslungsreiches Programm zusammenzustellen, ihre tiefe Kenntnis der Akkordeonszene und ihr Netzwerk, das dem Ensemble auch in schwierigen Situationen helfe. Besonders hob Frau Hirschmann hervor, dass sich das Orchester unter ihrem Dirigat stetig weiterentwickelt habe, 2012 Landesmeister geworden sei und bei internationalen Wertungsspielen hervorragende Bewertungen erhalten habe. Am Ende brachte sie den Dank des Orchesters auf den Punkt: „Wir freuen uns auf viele weitere Jahre mit dir. Wir, dein Orchester, sagen Danke.“
Mehr noch: Petra Willeke ist keine reine Taktgeberin im Hintergrund. Ihre Spuren reichen über das Orchester hinaus in die Akkordeonszene hinein. Dass das Ensemble unter ihrer Leitung musikalisch gewachsen ist, lässt sich nicht nur hören, sondern auch an Erfolgen ablesen. Seit 1991 nimmt das Ratinger Akkordeonorchester regelmäßig an nationalen und internationalen Wertungsspielen teil und errang dabei zahlreiche Spitzenplatzierungen und Pokale. In einem Vereinsrückblick wird unter Petra Willeke-Siepmann unter anderem ein erster Preis mit der Bestnote „Hervorragend“ beim Landesmusikfest des Deutschen Harmonika-Verbandes NRW genannt.
So wurde dieses Konzert zu weit mehr als einem gelungenen Jahresauftakt. Es zeigte, warum das Ratinger Akkordeonorchester seit Jahrzehnten fester Bestandteil des kulturellen Lebens der Stadt ist: rund 20 Musizierende, stilistische Offenheit, programmatische Neugier und eine Dirigentin, die für Kontinuität und Qualität steht. Das ergibt eine Mischung, die weit über das hinausgeht, was manche beim Wort Akkordeon noch immer vorschnell vermuten.

