Will hoch hinaus: Football-Talent Marlin Klein.
Will hoch hinaus: Football-Talent Marlin Klein. Foto: -/U-M Photography/dpa

Pittsburgh (dpa) – Gleißendes Bühnenlicht, ein Meer aus unterschiedlichen Trikots und flirrende Vorfreude – die Talenteziehung der NFL wird einmal mehr zum großen Spektakel. Diesmal hofft beim sogenannten Draft auch der deutsche Football-Spieler Marlin Klein auf den Start in eine große Profi-Karriere.


Auf den 23-Jährigen warten aus sportlicher Sicht die größten Tage seiner noch jungen Laufbahn. «Jeden Morgen freue ich mich, dass der Draft näherrückt. Die Aufregung steigt immer mehr», sagte Klein der Deutschen Presse-Agentur vor der Talenteauswahl in Pittsburgh. Von Donnerstag (Ortszeit) an dürfen sich die Teams in einer festgelegten Reihenfolge die Rechte an den besten Nachwuchsspielern sichern.

Erfolgreich im College als Captain

Klein spielte bislang College-Football bei den Michigan Wolverines und wurde dort auch zum Kapitän ernannt. «Ich bin nicht rausgewachsen, aber ich habe auf dem College alles erreicht, was ich erreichen wollte. Ich wollte mein Studium fertigmachen, ich habe alle Championships gewonnen. Es war jetzt nicht mehr viel, was mein Team und ich hätten erreichen können», begründete der Tight End seine Entscheidung, schon jetzt den Sprung in die NFL anzuvisieren. «Das nächste Ziel ist der große Ring. Das ist der einzige Ring, den ich noch brauche.»

 

Bislang gab es in Sebastian Vollmer nur einen deutschen Spieler, der den Super Bowl gewinnen konnte. Der RTL-Experte hob in einem Podcast das Potenzial seines jungen Landsmanns hervor. Auch Draft-Experte Daniel Jeremiah erklärte kürzlich, was Klein so besonders mache. Für seine Position habe der gebürtige Rheinländer «den idealen Körperbau», sagte Jeremiah, der von einer Wahl Kleins am zweiten Tag spät oder am dritten Tag ausgeht. «Am besten ist er, wenn er mit Tempo arbeiten kann.»

Mit allen Teams gesprochen

Klein selbst erklärte, er habe sich mit allen NFL-Teams getroffen. Nun wartet er auf die Entscheidung – wie Millionen Fans weltweit. Denn der Draft gilt als eines der wichtigsten Ereignisse im Kalender der NFL. In der spielfreien Zeit lenkt er die Aufmerksamkeit auf die Liga und ihre Zukunft. Vor allem der erste Pick zieht traditionell großes Interesse auf sich – als Symbol für Hoffnung, Neubeginn und den möglichen nächsten Superstar.

Ein Wunschziel oder einen Lieblingsverein hat Klein nicht. «Ich bin in Köln aufgewachsen, da gab es die Cologne Crocodiles. Natürlich habe ich Tom Brady und die New England Patriots gesehen», sagte er. «Aber ich bin allein hierhergezogen, ich habe immer auf neue Herausforderungen geschaut. Deshalb freue ich mich darauf – egal, wohin ich gehen werde. Es war kein Team dabei, wo ich sage, da würde ich lieber nicht hingehen.»

Deutsche Spieler in der NFL gibt es nicht viele. Bei den Detroit Lions würde er etwa auf den deutschen Star Amon-Ra St. Brown treffen, der in der vergangenen Saison beinahe wöchentlich auf sich aufmerksam machen konnte. In Pittsburgh könnte er wieder mit seinem ehemaligen Uni-Kollegen Julius Welschof zusammenspielen. Auch der Spieler der Steelers ist überzeugt davon, dass Kleins Herangehensweise und Werdegang «genau richtig gewesen» seien.

Klein will zur Football-Begeisterung beitragen

In den nächsten Tagen soll der Traum des 1,98 Meter großen und 113 Kilogramm schweren Musterathleten in Erfüllung gehen. Unterstützt wird er von bis zu 35 Familienmitgliedern und Freunden. «Es geht mir nicht ums Geld oder um den Fame. Es geht mir darum, von einer Organisation gedraftet zu werden, die mich will», sagte Klein, der aber auch ein Zeichen an Football-Deutschland senden möchte.

Denn in der Heimat ist die Begeisterung in den vergangenen Jahren auch dank größerer Medienpräsenz zunehmend gewachsen. «Das Wichtigste ist für mich, kleinen Kindern zu zeigen, Du kannst es schaffen – egal, wo Du herkommst, egal, wer Du bist, wie Du heißt, wie Du aussiehst», sagte Klein. «Ich will ein Mensch sein, der das fördern und den Sport weiter und größer rausbringen kann.»