Ratingen. Ein Geruch von Knochenleim und Farbe liegt in der Luft. Eine geschweißte Metallkonstruktion steht mitten in der Halle, an der eine Frau in Arbeitskleidung geformten Draht anbringt. Die Wagenbauhalle der Lampisten an der Wedauer Straße in Lintorf wirkt wie ein aus der Zeit gefallener Ort. Eine ehemalige Industriehalle mit sichtbaren Spuren ihrer Vergangenheit wird am 9. und 10. Mai zum offenen Atelier und zur Installationsfläche.
Im Rahmen der neanderland TATORTE öffnen Künstlerinnen und Künstler im Kreis Mettmann ihre Arbeitsräume für die Öffentlichkeit. Auch die Lampisten beteiligen sich an dem Format und geben Einblicke in einen Bereich, der sonst nur hinter verschlossenen Toren stattfindet.
Die Halle selbst blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Ursprünglich als Bootsbauhalle an der damaligen Lintorfer Bahnhofstraße errichtet, wurde sie später von unterschiedlichen Handwerksbetrieben genutzt. Heute ist sie Werkstatt der Lampisten, die hier Figuren und Wagen für den Karneval bauen. Der Name des Vereins geht auf eine alte Berufsbezeichnung zurück, den sogenannten Lampisten, der in seiner Lampisterie Lampen reparierte. In Lintorf arbeiten die rund 20 Mitglieder heute mit Draht, Leim, Holz und leichten Materialien an ihrem eigenen „Narrenschiff“ in der sogenannten Düsseldorfer Leichtbauweise. Das ist eine Methode aus dem Karnevals- und Figurenbau, bei der große Figuren und Aufbauten mit möglichst geringem Gewicht konstruiert werden.
„Viele sehen nur das fertige Ergebnis im Karnevalszug“, sagt die Vorsitzende Melanie Meyer, die so etwas wie der kreative Kopf des Vereins ist. Sie entwirft die Motive für die Mottowagen. Im Moment baut sie an einem überdimensionalen „Ratinger Löwen“, der im kommenden Jahr als eine Art Gallionsfigur ein weiterer Hingucker in den beiden Karnevalsumzügen sein soll. „Wie viel Konstruktion und handwerkliche Arbeit dahintersteckt, bleibt meist unsichtbar. Genau das möchten wir zeigen.“
An beiden Tagen ist die Werkstatt ab 12 Uhr geöffnet. Besucher können sich frei durch die Halle bewegen und den Entstehungsprozess der Figuren nachvollziehen. Ergänzt wird das Angebot durch einen Figuren-Workshop, der jeweils zwischen 16 und 18 Uhr stattfindet. Gegen einen Unkostenbeitrag von zehn Euro erhalten Teilnehmer eine Einführung in die Grundlagen des Figurenbaus und lernen, wie große Objekte in Düsseldorfer Leichtbauweise konstruiert werden. Der Verein bittet um eine Anmeldung unter info@lampisten.de. „Uns geht es darum, die Schwelle niedrig zu halten“, sagt der zweite Vorsitzende Niklas Golz. „Man kann einfach vorbeikommen, schauen, Fragen stellen oder selbst etwas ausprobieren.“
Auch das Umfeld ist bewusst offen gestaltet. Kaffee und Waffeln stehen bereit. Wer möchte, kann den Besuch bei einem Getränk ausklingen lassen. Die Werkhalle wird so nicht nur zum Ausstellungsraum, sondern auch zum Treffpunkt im Stadtteil für alle Altersklassen..
Am Samstagabend wandelt sich der Ort zusätzlich. Unter dem Titel „Lampion und Beats“ wird die Halle ab 19 Uhr zur temporären Installationsfläche mit Lichtprojektionen und einem DJ-Set. „Wir bringen im wahrsten Sinn Licht ins Dunkle“, sagt Geschäftsführer Andreas Kaufmann, der gemeinsam mit Daniel Georg und Sascha Peters die Abendveranstaltung organisiert. Cocktails und Speisen vom Grill runden den geselligen Abend ab.
Mit ihrer Teilnahme an den neanderland TATORTE zeigen die Lampisten eine ungewöhnliche Facette der regionalen Kunst- und Kulturszene. Zwischen Industriegeschichte und kreativem Handwerk entsteht ein Ort, der sonst verborgen bleibt. Für Besucher bietet sich damit eine seltene Gelegenheit, hinter die Kulissen des Wagenbaus zu blicken.

