
Dortmund (dpa) – Nur Schuhe und Stutzen: Für mehr Natürlichkeit in der Fußballwelt haben Hobbykicker im nordrhein-westfälischen Herne wieder blankgezogen. Zu ihrem bereits zur Tradition gewordenen Protestspiel gegen die überbordende Kommerzialisierung im Fußball lief die Mannschaft am Feiertag gänzlich unbekleidet auf.
Statt Shorts und Trikots trugen die mehr als 25 Nackten im Kader nur die mit Farbe aufgepinselten Rückennummern auf dem bloßen Rücken – und klare Protestbotschaften. Noch vor Anpfiff der Partie gegen die bekleideten Gegner – ebenfalls engagierte Laienkicker aus dem Ruhrpott – hatten die Nackten sich markige Slogans gegen den Weltverband FIFA und die anstehende Fußballweltmeisterschaft auf den Rücken malen lassen.
«Arschkarte» für FIFA und Funktionäre
Denn: «Die Nacktionalmannschaft ist auch eine Kunstaktion, ein Protest gegen den Kommerz im Fußball», sagt der Initiator und Erfinder der hüllenlosen Mannschaft, Gerrit Starczewski. Es gehe dieses Mal um eine Auseinandersetzung mit der anstehenden Weltmeisterschaft in den USA und den Machtstrukturen rund um das Turnier. Einer FIFA, die einem US-Präsidenten Trump einen Friedenspreis überreiche, wolle man damit «einfach mal die Arschkarte zeigen», erklärte Starczewski. «Da geht es doch nicht mehr um Fußball, sondern nur noch um Geld», so seine Kritik.
Nackt vor Rekordkulisse: 2.700 Tickets verkauft
Vor 11 Jahren hatte Starczewski erstmals eine nackte Mannschaft zusammengetrommelt, seither findet das hüllenlose Spektakel regelmäßig und möglichst zweimal im Jahr statt. Zuvor hatte der Fotograf und Künstler bereits auf Musikfestivals mit Gruppenfotos voll nackter Menschen Zeichen gegen falsche Schönheitsideale und Konsum setzen wollen. «Das wollte ich irgendwie mit meiner Fußballleidenschaft verbinden», erklärt der 39-jährige Fan des VfL Bochum, wie es zur Idee der nackten Fußballer kam.
Inzwischen ist der Protest-Kick zum 1. Mai auch beim Publikum der Renner: Die 2.700 Tickets für das Spiel im kleinen Stadion am Schloss Strünkede in Herne seien seit Wochen ausverkauft gewesen. «So viele Zuschauer hatten wir noch nie», sagt er.
