Ratingen | Fußball ist nicht alles. Während wenige Kilometer weiter bei Fortuna Düsseldorf nach dem bitteren Absturz in die 3. Liga Katerstimmung herrscht, schreibt der TuS 08 Lintorf eine dieser Sportgeschichten, die man im Lokalen besonders gern erzählt: mit voller Halle, großer Mannschaftsleistung, ehrlicher Freude und einem Aufstieg, der nicht vom Himmel fiel, sondern über eine ganze Saison erarbeitet wurde.
Am Samstagabend setzte die erste Herrenmannschaft des TuS 08 Lintorf dem eigenen Meisterstück die passende Krone auf. Im letzten Saisonspiel gegen den MTV Rheinwacht Dinslaken zeigte das Team von Trainer Andre Fink vor mehr als 350 Zuschauern in der Halle am Breitscheider Weg noch einmal eine echte Galavorstellung. Mit 43:26, zur Halbzeit hatte es 17:12 gestanden, wurde der Gegner deutlich bezwungen. Damit ist der TuS Lintorf nach 26 Spielen mit 803:653 Toren und 44:8 Punkten Tabellenerster der Oberliga Männer Gruppe 3.
Schon vor dem letzten Spiel war klar, dass Lintorf nicht mehr von Platz eins verdrängt werden konnte. Möglich wurde das, weil der Zweitplatzierte Handball Oppum gegen Adler Königshof verloren hatte. Damit stand der Aufstieg bereits zwei Spieltage vor Schluss fest. Doch wer geglaubt hatte, die Lintorfer würden die Saison gemütlich ausklingen lassen, wurde eindrucksvoll eines Besseren belehrt. Gegen Dinslaken spielte die Mannschaft, als müsse sie den Aufstieg erst noch beweisen.
Besonders schön: Am Ende durfte sich jeder Feldspieler in die Torschützenliste eintragen. Das passte zu dieser Saison, in der Lintorf nicht von einzelnen Momenten lebte, sondern von Geschlossenheit, Tempo, Breite im Kader und einer spürbaren Lust auf gemeinsamen Erfolg. Gefeiert wurden auch die beiden Treffer des 41-jährigen Christoph Lesch, der sich noch einmal eigens für dieses Spiel zur Verfügung gestellt hatte. Es waren Tore mit Symbolwert: Erfahrung, Verbundenheit und Vereinsgeist trafen an diesem Abend mitten ins Herz der Lintorfer Handballfamilie.
Mit 44:8 Punkten und einer Tordifferenz von plus 150 war der TuS am Ende das beste Team der Liga. Umso bemerkenswerter ist diese Bilanz, weil das Spiel gegen den Absteiger Grefrath vom Gast abgesagt wurde und deshalb nicht in die Torwertung einfloss. Der Aufstieg in die Regionalliga Nordrhein ist damit kein glücklicher Schlusspunkt, sondern die logische Folge einer außergewöhnlich konstanten Saison. Die Handballabteilung selbst bezeichnet ihn als den größten Erfolg in der langen Lintorfer Handballgeschichte.
Dass dieser Erfolg in Lintorf besonders viel bedeutet, liegt auch an der Struktur des Vereins. Der TuS 08 Lintorf ist längst mehr als eine Adresse für Wettkampfsport. Der Gesamtverein meldete Ende 2024 mit 4.024 Mitgliedern einen neuen Höchststand und gehört zu den tragenden Säulen des sportlichen und gesellschaftlichen Lebens im Stadtteil. Die Handballabteilung tritt mit zahlreichen Mannschaften im Spielbetrieb an und bildet damit ein breites Fundament für den Erfolg der ersten Herren.
Nach dem Abpfiff wurde deshalb nicht nur ein Ergebnis gefeiert, sondern ein Stück Vereinsgeschichte. Erst vor der Halle, später in der Altstadt, durfte Lintorf diesen Abend genießen. Und während im Fußball gerade wieder einmal über Krisen, Abstiege und große Namen gesprochen wird, hat der TuS 08 Lintorf gezeigt, wo Sport mindestens genauso schön sein kann: in einer vollen Halle, in einem starken Stadtteilverein, mit einer Mannschaft, die sich ihren Aufstieg verdient hat.

