
Ratingen. Die Straßen voller Menschen, Musik an jeder Ecke und beste Stimmung trotz grauer Wolken: Tiefenbroich hat am Sonntag gezeigt, wie lebendig Dorftradition auch im Jahr 2026 noch sein kann. Anlässlich des 100-jährigen Bestehens der St. Sebastianus-Bruderschaft wurde beim großen Jubiläumsfestzug nicht nur gefeiert, der Stadtteil rückte auch spürbar zusammen.
Der Festzug startete am frühen Nachmittag am Bertramsweg und zog lautstark durch Tiefenbroichs Straßen. Uniformierte Schützen, Musikzüge, Pferde, Kutschen und zahlreiche Formationen bewegten sich durch den Stadtteil und sorgten entlang der Strecke für sichtbare Begeisterung. Viele Ratinger waren aus ihren Häusern gekommen, um den Zug zu verfolgen. „Das ist Dorfcharakter“, sagte Zuschauerin Roubini, die den Festzug am Alten Kirchweg verfolgte.
Der Alte Kirchweg entwickelte sich an diesem Nachmittag zu einem der lebendigsten Treffpunkte des Tages. Ein musikalisches Rahmenprogramm brachte dort zahlreiche Bürgerinnen und Bürger zusammen und lud zum Mitsingen, Schunkeln und Tanzen ein. Im Anschluss an den Festzug folgte dort die Parade, für die die Bruderschaft zum Jubiläum besonders groß aufgefahren hatte. Drei Züge mit uniformierten Schützen in insgesamt 18 Formationen, rund 100 Musiker sowie mehrere Kutschen gehörten zum Festgeschehen. Es war eine Parade mit Tiefenbroicher Flair und viel Herz, eigens zum 100-jährigen Bestehen noch einmal besonders herausgeputzt.
„Es paradiert hier gleich auf dem Alten Kirchweg, so wie es schon seit vielen, vielen Jahren Tradition ist. Egal ob Sie heute zum ersten Mal dabei sind oder ob Sie bereits zum Stammpublikum gehören, ich wünsche Ihnen viel Spaß mit den Sebastianern“, hieß es zuvor in der Moderation. Nach der Parade verlagerte sich das Programm weiter auf den Festplatz, wo bis in die Abendstunden gefeiert wurde.
Auch das neue Königshaus wurde im Jubiläumsjahr mit besonderer Aufmerksamkeit bedacht. Neuer Bruderschaftskönig für das Königsjahr 2026/2027 ist Tobias Hannappel. Dominik Steintge errang die Prinzenwürde, Julia Oehlers ist Kronprinzessin. Cornel Herbrand trägt den Titel des Traditionskönigs. Besonders stark präsentierte sich dabei die Jägerkompanie, die im neuen Königsjahr gleich mehrere zentrale Würdenträger stellt: die Stadtkronprinzessin, die Bruderschaftskronprinzessin und den Bruderschaftskönig.
Das Jubiläumswochenende machte zudem deutlich, dass die Schützentradition längst nicht nur von älteren Generationen getragen wird. Gerade viele junge Menschen prägten in diesem Jahr das Bild entlang der Straßen und auf dem Festplatz. Woher die Begeisterung der jüngeren Generation für das Schützenwesen kommt, erklärten junge Vertreter des Angermunder Schützenvereins ganz unkompliziert: „Na, es macht einfach Spaß“, sagten sie. Vor allem aber sei es „die Gemeinschaft“, die den Reiz ausmache.
Zum 100-jährigen Bestehen gab es darüber hinaus offizielle Glückwünsche und besondere Ehrungen. Lutz Hullermann vom Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften, Diözesanverband Köln, hielt eine Laudatio auf die Tiefenbroicher Bruderschaft. Michael Brüster wurde von ihm mit dem St.-Sebastianus-Ehrenkreuz ausgezeichnet. Das Silberne Verdienstkreuz erhielten Alina Ebert, Mathias-Michael Brüster und Nico-Noel Lopez-Lopez. Auch Dr. Jan Heinisch MdL, stellvertretender Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion und Staatssekretär a. D., gratulierte den Tiefenbroicher Schützen zum Jubiläum.
So wurde der Sonntag des Sebastianus-Schützenfestes mit Festzug, Parade, Königshaus und Ehrungen zu einem stimmungsvollen Höhepunkt für Jung und Alt. Selbst die dunklen Regenwolken, die immer wieder über Tiefenbroich hinwegzogen, konnten der ausgelassenen Stimmung nichts anhaben. Zwischen Musik, Gemeinschaft und gelebter Tradition zeigte der Ratinger Stadtteil eindrucksvoll, wie lebendig Dorfleben noch immer ist. Und als zum Abschluss der Appell „Lassen Sie das Dorf beben!“ über den Alten Kirchweg hallte, war längst klar: Genau das war den Tiefenbroicher Schützen an diesem Wochenende gelungen.
