Ratingen | Die Elternbeiträge für die Offene Ganztagsschule werden in Ratingen ab dem Schuljahr 2026/2027 erhöht. Der Rat der Stadt hat die neue Gebührensatzung am 19. Mai einstimmig beschlossen. Hinter der Entscheidung steht ein längerer politischer Beratungsprozess, in dem Verwaltung und Fraktionen um einen Kompromiss zwischen steigenden Kosten, verlässlicher Betreuung und sozialer Entlastung gerungen haben.
Aus Sicht der Stadt ist die Anpassung notwendig. Die bisherigen Beiträge waren seit sechs Jahren unverändert geblieben, während Personal-, Betriebs- und Investitionskosten deutlich gestiegen sind. Hinzu kommt der ab dem Schuljahr 2026/2027 stufenweise greifende Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in der Grundschule. Ratingen rechnet langfristig mit einer besonders hohen Nachfrage von mehr als 95 Prozent der Grundschulplätze. Praktisch bedeutet das, dass die Stadt nahezu für jedes Grundschulkind einen OGS-Platz vorhalten muss. Dafür werden zusätzliche Räume, Ausstattung und Personal benötigt. Auch die Ferienbetreuung wird ausgeweitet, weil Einrichtungen künftig höchstens vier Wochen im Jahr schließen dürfen.
Trotz der Erhöhung soll die neue Satzung sozial ausgewogen sein. Familien mit einem Bruttoeinkommen zwischen 30.000 und 40.000 Euro werden künftig vollständig von OGS-Beiträgen befreit. Bislang galt die Beitragsfreiheit nur bis 30.000 Euro. Die höchste Beitragsstufe beginnt künftig bei einem Einkommen von mehr als 130.000 Euro. Für die erweiterte Ferienbetreuung wird ebenfalls ein nach Einkommen gestaffelter Wochenbeitrag erhoben.
Ein wichtiger Punkt ist die neue Geschwisterregelung. Für das zweite Kind in der OGS werden künftig nur 30 Prozent des regulären Beitrags fällig. Diese Regel gilt auch, wenn ein Kind eine beitragspflichtige U3-Betreuung in der Kita besucht und ein weiteres Kind in der OGS ist. Ab dem dritten Kind werden keine Beiträge mehr erhoben. Pflegekinder sind künftig vollständig beitragsfrei.
Die Bürger-Union hebt vor allem hervor, dass zentrale soziale Verbesserungen in die Satzung aufgenommen wurden, insbesondere die 30-Prozent-Regel statt eines ursprünglich diskutierten höheren Geschwisterbeitrags. Die Grünen betonen den Ausgleich zwischen Qualitätssicherung und Familienentlastung. Sie verweisen außerdem darauf, dass durch die höhere Einkommensgrenze etwa 50 weitere Kinder beitragsfrei werden. Zudem soll künftig jährlich ausgewertet werden, wie sich die Nutzung der OGATA auf die Einkommensgruppen verteilt.
Die SPD bewertet die Einigung als wichtiges Signal für Familien, Schulen, Träger und Haushalt. Zugleich verweist sie auf die grundsätzliche Finanzierungsfrage: Kommunen müssten immer neue Rechtsansprüche erfüllen, würden dafür aber nicht ausreichend ausgestattet. Langfristig spricht sich die SPD für gebührenfreie Kita- und OGS-Angebote aus.
Eine öffentlich auffindbare Stellungnahme der CDU zur aktuellen Beitragssatzung liegt bisher nicht vor. Inhaltlich hatte sich die CDU in der Vergangenheit aber mehrfach für Ausbau und finanzielle Absicherung des Offenen Ganztags ausgesprochen.
Der einstimmige Beschluss zeigt: Ratingen versucht, steigende Kosten und wachsende Betreuungsansprüche mit sozialer Staffelung abzufedern. Für viele Familien bleibt die Beitragserhöhung dennoch spürbar. Der Offene Ganztag wird damit endgültig zu einer zentralen Aufgabe kommunaler Bildungs- und Familienpolitik.

