
Ratingen | Wer in diesem Jahr auf dem Weg zum Volkardey-Festival den Theo-Leuchten-Weg entlanggelaufen ist, hatte Gelegenheit, ein bezeichnendes Bild städtischer Untätigkeit zu beobachten – nicht auf der Festivalbühne, sondern an der Brücke im Grünzug Ratingen-West. Dort wird seit Jahren nicht gebaut oder repariert, sondern vor allem abgesperrt. Und das mit einer Ausdauer, die man fast bewundern könnte, wäre sie nicht so frustrierend.
Jedes Jahr kommt offenbar eine neue Absperrmaßnahme dazu: ein weiterer Zaun, ein neues Hinweisschild, eine weitere provisorische Sicherung. Die Zahl der Absperrungen wächst stetig, das eigentliche Problem bleibt ungelöst. Was einmal eine beschädigte Brücke war, ist inzwischen zum Symbol geworden – für den schleichenden Verfall einer viel genutzten Verbindung in einem der beliebtesten Naherholungsgebiete der Stadt.
Besonders unangenehm fällt der Vergleich mit der Innenstadt auf. Dort wurde die Jubiläumsbrücke zügig geplant, angekündigt und erneuert. In Ratingen-West hingegen entsteht der Eindruck, man feiere gerade das Jubiläum des Nichtstuns. Natürlich sind Bauprojekte in Grünanlagen, Gewässerschutz und Vergabeverfahren keine einfachen Angelegenheiten. Doch irgendwann drängt sich die schlichte Frage auf, die Spaziergänger, Radfahrer und Festivalbesucher schon lange stellen: Warum tut sich dort eigentlich nichts?
Klare Worte findet Hans Rau, früher Ratsmitglied für Ratingen-West. Das Geld, das durch wiederholte Neuplanungen verbrannt worden sei, hätte man teilweise sinnvoller einsetzen können, sagt er. Der ganze Vorgang um die Brücke lasse einen resigniert zurück. Das ist eine deutliche Aussage – aber sie trifft den Kern. Wer jahrelang nur neue Planungsvarianten und Absperrungen sieht, verliert irgendwann das Vertrauen darin, dass aus Zuständigkeit auch Handeln folgt.
Ausgerechnet im Jubiläumsjahr, in dem Ratingen sich gerne als lebendige und zukunftsorientierte Stadt präsentiert, fällt diese Stelle besonders unangenehm auf. Der Grünzug West ist kein abgelegener Randbereich, sondern ein stark genutzter Erholungsraum. Wer ihn ernstnimmt, sollte auch seine Infrastruktur ernstnehmen. Eine Brücke muss nicht repräsentativ sein, um wichtig zu sein – manchmal genügt es schlicht, wenn sie wieder vollumfänglich Nutzbar ist.

