
Wuppertal/Düsseldorf (dpa/lnw) – Nach zwei Wochen Stillstand im Bahnverkehr rund um Wuppertal hat auch der geplante Neustart nicht funktioniert: Zwar hat die Bahn ein defektes Stellwerk reparieren können – dafür ist fast zeitgleich ein anderes Stellwerk ausgefallen. «Alle Signale stehen auf Rot. Das heißt, es ist kein Zugverkehr möglich», sagte ein Bahnsprecher. Eine Prognose, wie schnell der Fehler behoben werden könne, gebe es nicht.
Der Bahnverkehr rund um Wuppertal stand am Donnerstag erneut komplett still: Regionalzüge und S-Bahnen fielen auf der Strecke von Düsseldorf über Wuppertal nach Hagen aus. Reisende mussten auf Ersatzbusse umsteigen. «Bisher haben wir leider keine Informationen zur Dauer der Beeinträchtigung», schreibt die Bahn auf ihrer Homepage.
Züge auf der Strecke sollten nach langer Pause wieder fahren
Dabei sollte der Zugverkehr nach zwei Wochen außerplanmäßigen Stillstands eigentlich wieder regulär laufen. Seit dem 18. Juni konnten zwischen Wuppertal und Düsseldorf mit einer kurzen Unterbrechung keine Züge fahren. Grund dafür war ein defektes Stellwerk im Wuppertaler Stadtteil Vohwinkel. Der Ausfall hatte Techniker vor ein großes Rätsel gestellt. Schließlich wurden Komponenten in einem Computersystem ausgewechselt und das Stellwerk wurde schrittweise wieder in Betrieb genommen.
Doch genau in dem Moment, in dem am Donnerstagmorgen der Zugverkehr wieder nach Plan fahren sollte, fielen plötzlich mehrere Signale aus. Bald war klar, dass ein anderes Stellwerk wenige Kilometer weiter defekt war.
Stellwerke sind in die Jahre gekommen
In einem Stellwerk sorgen die sogenannten Fahrdienstleiter dafür, dass Züge von A nach B kommen – etwa indem sie Weichen richtig stellen und die Signale auf Grün schalten, wenn ein Gleisabschnitt frei ist. Probleme mit alten Stellwerken führen immer wieder zu Verzögerungen im Bahnverkehr.
Viele Stellwerke rund um Wuppertal gelten als marode. Von acht Stellwerken in der Region sind nach früheren Angaben des Bundesverkehrsministeriums lediglich drei in gerade noch befriedigendem Zustand. Für drei weitere bewertete das Ministerium den Zustand im Januar mit Schulnoten zwischen 4,5 und 4,7. Zwei Stellwerke bekamen die Note 6,0 – also glatt ungenügend.
Doch nicht nur die alte Technik sorgt für Probleme: Denn das Stellwerk in Vohwinkel, das in den vergangenen zwei Wochen ausgefallen war, zählt zu den modernsten seiner Art. Es ist erst 2017 in Betrieb gegangen.
Generalsanierung soll pünktlich in einer Woche fertig sein
Ohnehin sind Bahnreisende in der Region rund um Wuppertal seit Monaten leidgeprüft. Denn die zweite wichtige Strecke in der Region von Wuppertal nach Köln ist bereits seit Anfang Februar für eine umfassende Sanierung voll gesperrt. Alle Fernzüge etwa von Köln nach Berlin und Hamburg werden weiter nördlich über das Ruhrgebiet umgeleitet. Für die Pendler in der Region fahren in Spitzenzeiten rund 200 Ersatzbusse.
Mit Blick auf dieses Projekt gab es am Mittwoch aber gute Nachrichten im Verkehrsausschuss des nordrhein-westfälischen Landtags: Die Bahn ist im Zeitplan und will die Generalsanierung nach gut fünf Monaten pünktlich abschließen. Man gehe davon aus, dass die 65 Kilometer lange Strecke am 10. Juli wie geplant freigegeben werden könne, sagte der Generalbevollmächtigte der Bahn, Jens Gräfer.
Die Stellwerke rund um Wuppertal werden allerdings auch dann noch nicht zuverlässiger funktionieren. Denn die Bahn hatte sie bei der Generalsanierung der Strecke komplett ausgeklammert und angekündigt, eine Erneuerung der in die Jahre gekommenen Technik sei erst «weit in den 2030er Jahren» geplant.
Generalsanierungen in Nordrhein-Westfalen gehen weiter
Ohnehin müssten sich Bahnreisende in Nordrhein-Westfalen auch in den kommenden Jahren noch auf eine Reihe von Einschränkungen durch Baustellen einstellen. «Aktuell ist die Infrastruktur zu alt, zu voll und zu störanfällig, das gilt insbesondere auch für Nordrhein-Westfalen», betonte Gräfer im Verkehrsausschuss.
Als Nächstes startet am 10. Juli die Generalsanierung der rechtsrheinischen Strecke zwischen Troisdorf und Wiesbaden. Auch dort fahren dann fünf Monate lang keine Züge. 2028 sollen die Strecken von Hagen über Unna nach Hamm sowie linksrheinisch von Köln über Bonn nach Koblenz grundlegend saniert werden. Weitere Strecken folgen in den Jahren danach – darunter auch die zentrale Bahnachse vom Ruhrgebiet über Düsseldorf nach Köln.
