Ingo Perpeet und Carmen Tiemann haben im Beisein von den drei ersten Praktikums-Schülerinnen bei Perpeet und Beteiligten aus dem Lehrerkollegium den Vertrag unterzeichnet. Foto: Mathias Kehren

Heiligenhaus. Die Gesamtschule Heiligenhaus hat einen Kooperationsvertrag mit dem zahntechnischen Meisterbetrieb Perpeet geschlossen. Ziel der Vereinbarung ist es, Schülerinnen und Schülern frühzeitig authentische Einblicke in die Arbeitswelt zu ermöglichen.


Zustande gekommen war die Vereinbarung durch eine ehemalige Schülerin und deren frühere Lehrerin, die gemeinsam die Idee entwickelten und den Vertragsabschluss vorbereiteten. „Für uns als Gesamtschule ist es ein großes Anliegen, unsere Schülerinnen und Schüler bestmöglich bei der Berufswahl zu unterstützen”, sagt Schulleiterin Carmen Tiemann. In diesem Zusammenhang käme den verschiedene Kooperationen, wie sie unter anderem bereits mit der Firma Fuhr, dem Helios-Klinikum oder der Spedition Weiss gepflegt werden, eine hohe Bedeutung zu.

Wichtig für die Berufswahlentscheidung seien authentische Erlebnisse und praktische Erfahrungen, ergänzt Christine Häberle, Abteilungsleiterin der Jahrgangsstufen 8 bis 10. In den Betrieben erhielten die Schülerinnen und Schüler eine Perspektive aus der Arbeitswelt. Zugleich würden Begegnung und Austausch gefördert. „Erfahrungen stehen eben in keinem Buch“, fasst Häberle die Praktika-Idee in einem Satz zusammen.

Geschäftsführer Ingo Perpeet, der seinen Betrieb vom Ein-Mann-Unternehmen zu einem Betrieb mit rund 30 Mitarbeitenden aufgebaut hat, bewertet die Zusammenarbeit als sehr vorteilhaft. „Früher waren immer drei bis vier Auszubildende pro Jahr in meinem Betrieb, das ist schon lange nicht mehr der Fall“, sagt Perpeet zum Strukturwandel in seiner Branche. Leute zu gewinnen, sei schwer geworden, daher sei der direkte Kontakt zur Schule und zu potenziellen Auszubildenden umso wertvoller.

Ganz ohne Vereinbarung haben bereits drei Schülerinnen aus dem neunten Jahrgang Praktika bei Perpeet absolviert oder auf Aushilfsbasis Erfahrungen gesammelt. Eine von ihnen ist Emily, die nach ihren ersten Schritten im Betrieb überzeugt ist: „Das handwerkliche Arbeiten macht mir großen Spaß.“ Bei der Anfertigung einer Schiene konnte sie bereits ihr Geschick unter Beweis stellen – zur Freude des Chefs, der die engagierte Schülerin am liebsten direkt halten möchte: „Die geben wir nicht mehr her“, so der Zahntechnikermeister mit einem Augenzwinkern.

Tatsächlich sei die Zahntechnik ein typischer Beruf, in dem Frauen durch filigranes, exaktes Arbeiten ihre Stärken einbringen könnten, berichtet Perpeet. Anders als in vielen anderen Berufen verdienten Frauen in der Zahntechnik auch nicht weniger als ihre männlichen Kollegen, weiß der Geschäftsführer. Generell sieht er im Handwerk sehr gute Karrierechancen. Gerade junge Leute, die sich auch an komplexere Aufgaben trauten, seien in den Betrieben seht gefragt.