
Wolfsburg (dpa) – Als der Karrieresprung zum VfL Wolfsburg perfekt war, konnte Tobias Strobl seine große Vorfreude nicht verbergen. «Als es dann geklappt hat, haben wir uns zu Hause schon ein Kaltgetränk aufgemacht», sagte der neue Coach des Erstliga-Absteigers bei seiner Vorstellung Anfang Juni. Vom kleinen SC Verl zum ungeachtet des Erstliga-Abstiegs immer noch vor allem finanziell großen VfL Wolfsburg. «Da hatte man schon ein Lächeln im Gesicht», sagte der neue Hoffnungsträger beim VW-Club.
In der völlig verkorksten und am Ende mit dem verdienten Abstieg zu Ende gegangenen letzten Saison hatte es der VfL mit drei unterschiedlichen Trainertypen versucht. Erst der völlig unerfahrene Paul Simonis aus den Niederlanden, der auch wegen seiner zu netten Art und seiner Sprachbarriere scheiterte. Dann der extrem selbstbewusste Daniel Bauer aus dem eigenen Nachwuchs, der auch wegen des wild zusammengewürfelten Kaders scheiterte.
Und schließlich Trainer-Veteran Dieter Hecking, der die Wolfsburger zwar noch in die Relegation führte, dort aber gegen Paderborn scheiterte. Der Abstieg konnte dem guten Ruf des Pokalsieger-Trainers von 2015 aber nichts anhaben, Hecking wurde zum Sport-Geschäftsführer befördert. Und entschied sich gemeinsam mit Sportdirektor Pirmin Schwegler für Strobl als seinen Nachfolger.
Strobl gibt die Richtung vor
Dass der Club mit der Verpflichtung des erst 38 Jahre alten Coaches vom Drittligisten SV Verl erneut ein Risiko eingeht, ist Hecking egal. «Man bekommt keine Garantie, egal ob alt oder jung. Man muss gut sein», sagte Hecking – und ist überzeugt davon, dass Strobl das ist. «Er weiß, wovon er spricht und er weiß, was er will.»
Das machte Strobl bereits in der Vorbereitung deutlich. Auch dank der unbekümmerten Art des neuen Chefcoaches herrscht rund um den VfL eine Aufbruchstimmung, die nicht jeder nach dem Niedergang der vergangenen Jahre erwartet hatte. Obwohl der Kader immer noch viel zu groß ist und weiter einige Altlasten aus der Ära des krachend gescheiterten Geschäftsführers Peter Christiansen beinhaltet, hat das neue Wolfsburger Team bereits klare Konturen.
Strobls neue Achse
Namhafte Neuzugänge wie Fabian Reese (Herta BSC), Hauke Wahl (FC St. Pauli) oder Robert Glatzel (Hamburger SV) bilden das neue Gerüst der Grün-Weißen, für die es in der an diesem Samstag (20.30 Uhr/RTL und Sky) mit einem Heimspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern beginnenden Zweitliga-Saison nur ein Ziel geben kann: die direkte Rückkehr in die Erste Liga.
Um dieses Ziel zu erreichen, schreckt Strobl auch vor harten Entscheidungen nicht zurück. Weil der Slowake Denis Vavro in den Planungen keine Rolle mehr spielt und dem Vernehmen nach recht lustlos das Trainingspensum abspulte, strich ihn Strobl kurzerhand aus dem Kader für das Testspiel gegen den SC Telstar vor einer Woche.
Klare Spielidee
Auch von der Art und Weise, wie der neue VfL Fußball spielen soll, hat der Wolfsburger Coach klare Vorstellungen. «Ich bin ein Ballbesitztrainer», sagte Strobl über sich selbst. Allerdings wolle er keinen «toten Ballbesitz» sehen, «sondern Ballbesitz mit hohem Tempo, mit hoher Intensität, immer Richtung gegnerisches Tor». Mit dieser Art von Vollgas-Fußball entwickelte er den SC Verl zur Überraschungsmannschaft der vergangenen Drittliga-Saison – nun will er so eine Etage höher erfolgreich sein.
Gelingt das, werden schnell auch wieder jene Vergleiche kommen, die schon bei seiner Verpflichtung die Runde machten. Er ähnle Julian Nagelsmann oder Jürgen Klopp, also dem alten und dem neuen Bundestrainer. «Der erste Impuls ist schon: geil. Aber der zweite Impuls, die Realität, ist nein. Da bin ich meilenweit von entfernt», sagte Strobl. «Ich will meine beste Version sein.» Schafft er das, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass der VfL Wolfsburg nur ein Jahr in der Zweiten Liga verweilen muss.
