Anklage nach Anschlag in ICE erhoben. (Archivbild)
Anklage nach Anschlag in ICE erhoben. (Archivbild) Foto: Marius Fuhrmann/dpa

Düsseldorf (dpa) – Nach dem Anschlag in einem ICE-Schnellzug bei Siegburg mit zehn Verletzten ist ein 20-jähriger Aachener wegen versuchten Mordes angeklagt worden. Er soll am 2. April mit einer Sturmhaube maskiert zwei Softair-Granaten in einen mit zahlreichen Passagieren besetzten Wagen geworfen haben. Anschließend soll er versucht haben, mehrere Fahrgäste mit einem Messer anzugreifen, wie die Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf mitteilte.


Die Detonationen hätten Plastikkugeln im Wagen verteilt und zehn Menschen leicht verletzt. Auf der Zugtoilette habe der Mann einen Rucksack, einen Helm und ein Messer griffbereit deponiert. Die Granaten hätten, so das Ergebnis der Ermittlungen, der Ablenkung dienen sollen, um eine frühzeitige Entdeckung des geplanten Messerangriffs zu verhindern.

Der Plan schlug demnach fehl: Ein Fahrgast und ein Bahnmitarbeiter konnten den Deutschen bis zum Eintreffen der Bundespolizei in der Zugtoilette festsetzen, in dem sie die Tür zuhielten. Der Verdacht einer politisch motivierten Tat habe sich im Zuge der Ermittlungen nicht bestätigt. Zugleich sei der 20-Jährige laut psychiatrischem Gutachter voll schuldfähig.

«Wir haben unterschiedliche Dokumente zu unterschiedlichen Ideologien bei ihm gefunden», hatte eine Sprecherin der Generalstaatsanwaltschaft nach dem Anschlag gesagt.

Manifest verschickt

Kurz bevor der Mann die Sprengsätze gezündet haben soll, habe er aus dem Zug ein umfangreiches Manifest an mehrere Medienhäuser geschickt, so die Staatsanwältin. Darin habe er einen Messeranschlag angekündigt und seine Absicht kundgetan, Menschen zu töten.

Darin habe er sich auch der Zugehörigkeit zu einer «nationalistischen Organisation» bezichtigt. In seinen späteren Vernehmungen habe er sich aber von der rechten Szene distanziert. Das Manifest schließe mit «Heil Euch, Adolf Hitler, der Untergang.»

Der junge Mann ist für die Polizei kein Unbekannter. Er soll als Jugendlicher allgemeine kriminelle Delikte begangen haben. Als Teil der rechtsextremen Szene sei er nicht bekannt gewesen, wohl aber durch eine einschlägige Äußerung aufgefallen, hieß es aus Polizeikreisen.

Bis zu 15 Jahre Haft drohen

Der Deutsche soll in Aachen an Bord des ICE gegangen sein und nach einem Zwischenstopp in Köln-Deutz die Sprengsätze gezündet haben. 127 Fahrgäste seien zu dem Zeitpunkt an Bord gewesen. Der ICE stoppte außerplanmäßig in Siegburg. Die Ermittler werten die Tat als vollendeten Anschlag. Der Aachener muss nun als Heranwachsender mit bis zu 15 Jahren Haft rechnen.

Der Verdächtige war bereits polizeibekannt wegen kleinerer Delikte, aber auch wegen Störung des öffentlichen Friedens durch Androhen von Straftaten. Als potenzieller Amokläufer war er ins Programm «Periskop» aufgenommen worden.

Bei den Ermittlungen fand man ebenso Nazi-Literatur wie auch religiöse Schriften oder wirre Manifeste aus dem Internet. Er befindet sich in Untersuchungshaft. Das Landgericht Aachen muss nun über die Zulassung der Anklage zur Hauptverhandlung entscheiden.