Die Fotoausstellung macht Menschen mit Behinderung und ihre Perspektiven im öffentlichen Raum sichtbar. Fotos: Svenja Kowalzick und Holger Heydt

Velbert. Ab Freitag, 21. August, wird die Ausstellung „Gesichter der Teilhabe“ in den Schaufenstern von ehemals Saalmann, zuletzt Betten Richwien, in der Velberter Fußgängerzone gezeigt. Die Ausstellung ist jederzeit von außen einsehbar.


Was bedeutet Teilhabe eigentlich? Und wie selbstverständlich ist sie für Menschen mit Behinderung wirklich? Diesen Fragen widmet sich die Ausstellung „Gesichter der Teilhabe“. Aus einem Kunstprojekt der Lebenshilfe Kreisvereinigung Mettmann und des Fotografentrios „DeinFoto-NRW“ sind großformatige Schwarz-Weiß-Porträts entstanden, die nun in den großflächigen Schaufenstern des ehemaligen Schreibwaren-Saalmann-Gebäudes präsentiert werden.

Nach der ersten Präsentation im Frühjahr in der Kundenhalle der Sparkasse bekommen die Fotografien nun einen besonderen Ausstellungsort: Unmittelbar im öffentlichen Raum und mitten im alltäglichen Geschehen der Innenstadt. Dort wo Passanten entlangschlendern und den eindrücklichen Bildern begegnen. Für die beteiligten Künstlerinnen und Künstler ist dieser Schritt ein wichtiger Teil der Aussage: Teilhabe soll nicht nur thematisiert, sondern auch dort sichtbar werden, wo gesellschaftliches Leben stattfindet.

Die Fotografien haben Svenja Kowalzick und Holger Heydt aufgenommen. Sie zeigen allesamt Menschen mit Behinderung aus den Wohnhäusern der Lebenshilfe. Dabei wurde die Persönlichkeit, Individualität und der Charakter der Personen besonders in den Fokus genommen und in zurückhaltenden Schwarz-Weiß-Drucken auf Papier gebracht.

Das Projekt verfolgt ein crossmediales Konzept: Zu den Porträts hat Jonathan Heydt Videos produziert, in denen die Beteiligten ihre eigenen Vorstellungen von Teilhabe formulieren. Über QR-Codes können Interessierte zu den Videos gelangen und sich so die Geschichten hinter den Porträts anschauen.

Das Projekt stellt auch unbequeme Fragen. So hat sich gezeigt, dass Teilhabe für viele Menschen mit Behinderung keineswegs selbstverständlich ist. Ob es nun darum geht, einen Kaffee trinken zu gehen, bei einem Fest dabei zu sein oder den eigenen Geburtstag zu feiern – vieles kann besondere Unterstützung erfordern. „Teilhabe“ ist längst nicht so selbstverständlich, wie es die häufige Verwendung des Begriffs vermuten lässt, ist eine Erkenntnis des Projekts. Dabei sollen keine konkreten Antworten oder Vorschläge unterbreitet werden, es geht vielmehr darum, zum Nachdenken anzuregen und den Blick auf Fragen der Teilhabe zu richten.

Mit der Präsentation in den Schaufenstern werden die Porträts nun Teil des Stadtbildes und begegnen den Menschen dort, wo sie ihren Alltag verbringen. Der Leerstand wird für eine Zeit zu einer sichtbaren Fläche für Begegnung, Fragen und gesellschaftliche Auseinandersetzung, so die Idee hinter der erneuten Ausstellung. Diese wird ermöglicht von der Initiative der Fotografen Holger Heydt und Svenja Kowalzick mit Unterstützung von Saalmann.