Blick in aufgestapelte Rohrleitungen. Foto: Pixabay
Blick in aufgestapelte Rohrleitungen. Foto: Pixabay

Kreis Mettmann. Die Open Grid Europe GmbH (OGE) informiert am Montag, 24. August 2026, über die Planungen für eine CO₂-Leitung (Delta Rhine Corridor), deren vorgesehener Verlauf unter anderem auch das Gebiet des Kreises Mettmann tangiert. Darauf weist die Stadt Heiligenhaus hin.


Eine leistungsfähige CO₂-Transportinfrastruktur soll insbesondere dazu beitragen, CO₂-Emissionen aus Industrieprozessen zu reduzieren, bei denen eine vollständige Vermeidung derzeit nur schwer oder nicht möglich ist. Abgeschiedenes CO₂ kann über entsprechende Leitungen zu geeigneten Speicherstätten oder zu Standorten transportiert werden, an denen es weiterverwendet wird. Die geplante Infrastruktur kann damit einen Beitrag zur Dekarbonisierung der Industrie und zum Erreichen der Klimaziele leisten.

Die Informationsveranstaltung findet von 16 bis 19 Uhr in der Schützenhalle Langenfeld-Richrath, Kaiserstraße 60, 40764 Langenfeld, statt. Interessierte Bürgerinnen und Bürger haben dort die Möglichkeit, sich über das Vorhaben zu informieren und mit Mitarbeitenden der OGE ins Gespräch zu kommen. Diese stehen während der gesamten Veranstaltung für Fragen und Anliegen zur Verfügung.

Worum geht es bei der geplanten CO2-Pipline Delta Rhine Corridor

Es geht um das Projekt „Delta Rhine Corridor“, bei dem mittels Carbon Capture and Storage (CCS) Treibhausgase industrieller Prozesse abgespalten und unterirdisch in der Nordsee gelagert werden sollen. Damit will die Industrie weiterhin Produkte wie Stahl oder Chemie herstellen, ohne teure Emissionszertifikate zu kaufen, während die Politik dies als zentrales Instrument der Energiewende begreift.

Betroffen sind vor allem große Emittenten aus der Chemie-, Zement- und Stahlindustrie sowie Gaskraftwerke. Da die geplante Pipeline laut den Recherchen von CORRECTIV und WDR teilweise durch dicht besiedeltes Gebiet führen soll, sind auch zahlreiche Kommunen potenziell involviert, wenngleich der genaue Verlauf noch nicht feststeht.

Rund 450 Kilometer Pipeline sind dafür laut BUND auf deutscher Seite geplant. Laut den Plänen des Firmen-Konsortiums um die Open Grid Europe GmbH (OGE) soll die Pipeline auch durch das dicht besiedelte Ruhrgebiet führen, etwa von Köln-Wesseling über Kempen nach Gelsenkirchen-Scholven. Am Ende soll das grenzüberschreitende Pipeline-Netz bis zum niederländischen Rotterdam reichen, um CO2 zu den Speichern in der Nordsee zu transportieren.

Ein zentrales technisches Risiko besteht in der geplanten Vermischung verschiedener Gasströme aus diversen Industrien, was zu Korrosion und Rissen in der Pipeline führen könnte. Zudem kritisieren Experten und Organisationen wie der BUND, dass die Industrie bei der Festlegung von Sicherheitsstandards für das Projekt selbst mitwirkt, was fachliche Neutralität vermissen lässt.

Die Chance des Projekts sehen Politik und Industrie darin, Emissionen, die sich industriell kaum vermeiden lassen, effektiv zu dekarbonisieren. Demgegenüber stehen jedoch hohe finanzielle Risiken, die im Zweifel den Steuerzahler belasten könnten, sowie die grundsätzliche Kritik von Umweltschutzorganisationen, dass CCS lediglich eine teure Illusion sei, die von effizienteren Alternativen wie dem Ausbau erneuerbarer Energien ablenkt.