Schafe gehen an einer gelben Tonne vorbei, die bei niedrigem Wasserstand auf dem Rhein trockengefallen am Ufer liegt. (Archivbild)
Schafe gehen an einer gelben Tonne vorbei, die bei niedrigem Wasserstand auf dem Rhein trockengefallen am Ufer liegt. (Archivbild) Foto: Federico Gambarini/dpa

Düsseldorf (dpa/lnw) – Der Plan zum Fluten der riesigen Tagebaulöcher Hambach und Garzweiler mit Wassermassen aus dem Rhein wird nach Ansicht der Umweltorganisation NABU von Folgen des Klimawandels durchkreuzt.


Bei extremen Niedrigwassern wie in diesem Sommer würde eine Entnahme die ökologische Krisensituation und die Engpässe für die Schifffahrt verschärfen, sagte Klaus Markgraf-Maué vom NABU-Rheinbüro des Landesverbandes.

Tendenziell sei immer weniger Gletscherabfluss aus den Alpen zu erwarten, der bisher die Wassermenge des Rheins im Sommer stabilisiert hatte. Dies könne nicht durch noch höhere Entnahmen zu anderen Zeiten ausgeglichen werden. Dagegen spreche schon allein die Kapazität der geplanten Rohrleitung.

 

Längere Befüllung erwartet

Der NABU sieht deshalb den Plan zunehmend infrage gestellt. «Die Befüllung der Tagebau-Restlöcher wird sich absehbar sehr erheblich verlängern, die mit der Entnahme verbundene zusätzlich Belastung des Rheins entsprechend.»

Mit der rückläufigen Wassermenge nehme die Konzentration von Schadstoffen im Rheinwasser zu. Eine mangelnde Qualität des Rheinwassers insbesondere bei Niedrigwasser sei eines der noch ungeklärten Probleme des Konzeptes.

Der NABU NRW fordert, in den Planungen und weiteren Genehmigungen müssten die Folgen des Klimawandels für den Rhein berücksichtigt werden. Bei einem auf viele Jahrzehnte ausgelegten Programm sei eine regelmäßige Überprüfung der Bewertungen und der Genehmigungen erforderlich.

Bei einem höheren Abfluss des Rheins dürften nach den bisherigen Genehmigungen bis zu 18 Kubikmeter pro Sekunde entnommen werden, erläuterte Markgraf-Maué. Bei Niedrigwasser sei es nur ein Zehntel dessen.

Auch die Umweltschutzorganisation BUND NRW ist skeptisch, ob die Entnahme aus dem Rhein in erforderlicher Höhe ohne ökologische Beeinträchtigungen gewährleistet werden kann. «Sehr wahrscheinlich ist, dass sich die Region darauf einstellen muss, dass die Befüllung der Tagebaurestlöcher länger dauern wird als gewünscht», erklärte der BUND schon vor dem trockenen Sommer.

 

Was ist geplant?

Wasser aus dem Rhein soll die Tagebaue Hambach und Garzweiler füllen: Mitte März wurde für die rund 45 Kilometer lange Transportleitung der symbolische erste Spatenstich gesetzt. Im Jahr 2030 soll die Leitung fertig sein. Zunächst soll das Wasser in den Tagebau Hambach fließen, von 2036 an dann auch in den Tagebau Garzweiler. Etwa 2070 soll die Befüllung abgeschlossen sein.

Der Tagebau Inden soll mit Wasser aus der Rur gefüllt werden – ebenfalls von 2030 an. Dies soll 25 bis 30 Jahre dauern. Die drei Seen sollen zusammen das «Rheinische Seenland» bilden mit Indesee, Garzweiler See und Hambacher See.

 

«Wir schaffen neue Seen, sorgen für einen ausgeglichenen, sich selbst tragenden Wasserhaushalt im Rheinischen Revier und sichern den Erhalt der Feuchtgebiete im Norden von Garzweiler», erklärte RWE-Braunkohlechef Lars Kulik im März. Rund um die neuen Seen entstünden Lebensräume für Natur und Artenvielfalt sowie neue Chancen für Erholung, Tourismus und Arbeitsplätze.