Photovoltaik spielt bei der energetischen Sanierung meist ein Rolle. Foto: Mathias Kehren
Photovoltaik spielt bei der energetischen Sanierung meist eine Rolle. Foto: Mathias Kehren

Velbert. Die Bürger-Solarberatung Velbert hat einen offenen Brief an die örtlichen Bundestagsabgeordneten Kerstin Gries (SPD) und Peter Beyer (CDU) verfasst, in dem sie ausdrücklich die Fortführung der Einspeisevergütung für kleinere Photovoltaikanlagen fordert. Für die Ehrenamtlichen in der Solarberatung setzt die Bundesregierung falsche Impulse für Investitionen in erneuerbare Energien.


Im Schatten des zu Ende gehenden Hitzesommers wendet sich die Bürger-Solarberatung Velbert an die beiden örtlichen Bundestagsabgeordneten. Es geht um den geplanten Wegfall der Einspeisevergütung, die derzeit noch bei etwa 6,6 bis 7,7 Cent je Kilowatt liegt und für 20 Jahre garantiert wird, um die Investition in Neuanlagen kalkulierbar zu machen.

Statt Einschnitten bei der Einspeisevergütung – insbesondere von kleineren Anlagen wie sie auf privaten Dächern üblich sind – sollten lieber Systeme gefördert werden, die die erzeugte Energie besser nutzbar machten. Dabei sehen die Experten „Energiemanagement-Systemen zur Integration von Speicherbatterien, Wallbox und Wärmepumpe“ als wichtigen Baustein an.

Der Ausbau der Photovoltaik auf Ein- und Mehrfamilienhäusern böte erhebliches Potenzial für die Energiewende, so die Solarexperten. Sie fordern die Abgeordneten auf, den „Abwärtstrend in der Klimapolitik“ umzukehren.

Hier der Brief im Wortlaut:

Sehr geehrte Frau Abgeordnete Griese,
sehr geehrter Herr Abgeordneter Beyer,

Dürre, Waldbrände, Wasserknappheit, extreme Hitzeperioden mit Todesfällen sowie
wirtschaftliche Schäden in Landwirtschaft und Verkehr – das sind keine zufälligen oder
einmaligen Ereignisse. Sie sind konkrete Folgen des fortschreitenden menschengemachten
Klimawandels.

Wir müssen deshalb unsere Anstrengungen beim Klimaschutz deutlich verstärken. Nach unserer Einschätzung ist jedoch derzeit das Gegenteil der Fall.

Ein Rückschritt droht mit den geplanten Reformen des EEG 2027 und dem Netzanschlusspaket, die dem Bundestag in Kürze zur Beratung und Verabschiedung  vorgelegt werden sollen.

Neben zahlreichen komplexen und aus unserer Sicht problematisch bewerteten Regelungen ist für uns als „BürgerSolarBeratung Velbert“, eine ehrenamtliche und unabhängige  Initiative zur lokalen Förderung des Umstiegs auf erneuerbare Energieerzeugung, insbesondere der geplante Wegfall beziehungsweise die Einschränkung der Einspeisevergütung von großer Bedeutung. Die vorgesehene Direktvermarktung mindert für kleinere und auch mittlere Photovoltaikanlagen die wirtschaftliche Attraktivität und schafft damit ein kontraproduktives Investitionsumfeld für private Anleger.

Bereits mit dem Solarspitzengesetz 2025 wurden die Einspeisebedingungen für PV-Anlagen für einen netzdienlicheren Ausbau nachjustiert. Statt nun die Investitionsanreize weiter zu
verschlechtern, wäre aus unserer Sicht eine gezielte Förderung der Sektorenkopplung (z.B. von Energiemanagementsystemen zur Integration von Speicherbatterien, Wallbox und
Wärmepumpe) hierfür zielführender und wünschenswert.

Wir befürchten deshalb, dass der Ausbau von Photovoltaikanlagen auf Dächern und an
Fassaden deutlich an Dynamik verlieren könnte. Damit wäre nicht nur der Klimaschutz
betroffen, sondern auch die lokale und regionale Wertschöpfung durch Planung, Installation
und Betrieb der Anlagen.

Gerade der Ausbau der Photovoltaik auf Gebäuden, mit noch erheblichem Potenzial bei Ein- und Zweifamilienhäusern, ist aus unserer Sicht ein entscheidender Baustein, um die Ziele der Klimastrategie Velbert zu erreichen. Die für das Jahr 2025 gesetzten Zwischenziele beim Ausbau der regenerativen Energieerzeugung wurden bereits deutlich verfehlt. Die derzeitige Ausbaugeschwindigkeit reicht bei Weitem nicht aus, um die zukünftigen Ziele zu erreichen.

In vielen anderen Kommunen wird die Situation ähnlich sein.

Mit einer Politik, die den Ausbau der Photovoltaik zusätzlich erschwert, geraten auch die
bundesweiten Klimazwischenziele für 2030 und die europäischen Zwischenziele für 2040
zunehmend in Gefahr.

Wir bitten Sie daher nachdrücklich, sich mit allen Ihnen zur Verfügung stehenden politischen Möglichkeiten dafür einzusetzen, diesen Abwärtstrend in der Klimapolitik zu verhindern. Der Erhalt einer verlässlichen Einspeisevergütung oder die Einführung einer wirtschaftlich attraktiven und mit geringem administrativem Aufwand verbundenen Alternative wäre dafür ein wichtiges und konkretes Signal.

Der weitere Ausbau der Photovoltaik darf nicht ausgebremst werden – gerade dort, wo er
besonders sinnvoll ist: auf den bereits vorhandenen Dächern und Fassaden unserer Gebäude.

Mit sonnigen Grüßen aus Velbert
gez. Siegfried Rüttger,
Sprecher der „BürgerSolarBeratung Velbert“