"The Roxies" setzen den Schlusspunkt unter dem Festival-Nachmittag im Waldmeister. Fotorechte: Band

Solingen. Am Sonntag, 13. September, um 15 Uhr startet im „Waldmeister“ in Solingen das „Scheißgefühle Festival“. Die Vereine Cobra Club, Cow Club und „Waldmeister Raum für Kultur“ möchten ein Zeichen setzen „für Demokratie, Diversität und eine klare Haltung gegen Rassismus, Homophobie und Antisemitismus.“ Anlass ist das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt und die Ausladung der Band „Alphaville“ vom Namenspendant „Glücksgefühle Festival“ wegen der Ansage politischer Kommentare.


Das „Scheißgefühle Festival“ ist eine direkte Antwort auf zwei Ereignisse der Vorwoche, die bei vielen Menschen in Solingen und darüber hinaus ein Gefühl von Sprachlosigkeit und Wut hinterlassen haben, erklären die Veranstalter zur Entstehung des Festivals. Zum einen ist da der AfD-Wahlsieg in Sachsen-Anhalt, wo der dortige Landesverband, der schon seit 2023 vom Ministerium für Inneres des Landes Sachsen-Anhalt als „rechtsextremistische Bestrebung“ eingestuft wird, fast 44 Prozent der Wahlberechtigten von sich überzeugen konnte. Zum anderen der Eklat um die Band Alphaville, die vom „Glücksgefühle Festival“ ausgeladen wurde, weil sich Frontmann Marian Gold weigerte, auf politische Ansagen gegen Rechts beim Auftritt zu verzichten.

Der Veranstalter (u.a. Ex-Fußballprofi Lukas Podolski und der Musikmanager Markus Krampe) begründete dies mit dem Wunsch nach einer „komplett unpolitischen“ Bühne. „Einfach eine gute Zeit haben können“ – sollte das Credo beim Festival sein. Die Ausladung löste in der Musikszene eine breite Debatte darüber aus, ob Kunst und Rock ’n‘ Roll unpolitisch sein können – oder sein dürfen. Unterstützung für Alphaville gab es unter anderem von Campino von den „Toten Hosen“. Er nannte es „extrem fragwürdig und absurd, jemanden auszuladen, der stabil ist für die Demokratie“.

Mit dem „Scheißgefühle Festival“ soll ein klares Zeichen „für Demokratie, Diversität und gegen Rassismus, Homophobie und Antisemitismus“ gesetzt werden, so die Intention der Veranstalter. Außerdem soll „Kunst als politischen Raum reklamiert“ werden: „Rockmusik in all ihrer Bandbreite ist nicht unpolitisch und will es auch nicht sein!“ Zudem sollen lokale Künstlerinnen und Künstler eine Bühne bekommen, um sich mit einem kurzen Beitrag und einer klaren Ansage zu positionieren.

„Es geht uns nicht um die Größe des Festivals. Der Waldmeister fasst 199 Menschen – das ist überschaubar und das ist gut so. Es geht uns darum, dass wir etwas machen. Dass wir aktiv werden, statt zu schweigen. Dass wir miteinander ins Gespräch kommen, uns austauschen und gemeinsam ein Zeichen setzen“, informieren die Veranstalter.

Der Zeitplan ist wie folgt (Einlass 15 Uhr):

  • 16 Uhr Start des Festivals – Begrüßung & Eröffnungsstatement
  • 16 bis ca. 19:45 Uhr: 16 Slots à 15 Minuten für lokale und regionale Acts (mit kurzen Wechselpausen)
    Laufend Einspielung von Videobotschaften (max. 90 Sek.) von Künstlerinnen und Künstlern, die nicht vor Ort sein können
  • 20 Uhr Abschlusskonzert: The Roxies (Berlin) – Garagepunk/Powerpop mit explizit politischen Texten