
NRW. Der Handelsverband Nordrhein-Westfalen (HV NRW) berichtet, dass die Menschen ihre Innenstädte schätzen und dabei der Handel eine zentrale Rolle spielt. Die Ladenbetreiber kämpfen indes mit steigenden Kosten, ausufernder Bürokratie und auch mit einer gewissen Kaufzurückhaltung. Hier sieht der Verband Handlungsbedarf.
Auf der Landesdelegiertenversammlung des Handelsverbandes NRW stehen wie jedes Jahr die wirtschaftliche Situation der Branche, die Zukunft der Innenstädte und die verbandspolitischen Weichenstellungen im Mittelpunkt. Die wirtschaftliche Lage des Einzelhandels in Nordrhein-Westfalen bleibt angespannt. Hohe Kosten, eine zurückhaltende Konsumstimmung und zunehmende Belastungen für die Unternehmen bremsen die Entwicklung. Gleichzeitig zeigen aktuelle Zahlen des Handelsverbandes Deutschland (HDE), dass es auch positive Signale gibt – insbesondere bei der Entwicklung der Innenstädte, auch in NRW.
„Die Lage im Einzelhandel bleibt schwierig. Viele Unternehmen kämpfen mit hohen Kosten und einer weiterhin spürbaren Kaufzurückhaltung. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an die Unternehmen weiter“, sagt Michael Radau, Präsident des Handelsverbandes NRW. „Gerade jetzt brauchen wir verlässliche und bessere Rahmenbedingungen. Weniger Bürokratie, wettbewerbsfähige Kosten und mehr Spielraum für Investitionen sind entscheidend, damit der Handel seine Rolle als wichtiger Arbeitgeber und Wirtschaftsfaktor in Nordrhein-Westfalen auch künftig erfüllen kann.“
Positive Signale aus den Innenstädten
Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen gibt es Anlass für vorsichtigen Optimismus. Die aktuelle Deutschlandstudie Innenstadt 2026/27 zeigt, dass die Menschen ihre Innenstädte weiterhin schätzen. 83,3 Prozent der Befragten wollen ihre Innenstadt künftig mindestens genauso häufig besuchen wie heute – der beste Wert seit sechs Jahren. Der Einkauf bleibt dabei mit knapp zwei Dritteln der wichtigste Grund für einen Innenstadtbesuch.
„Diese Zahlen machen Mut. Sie zeigen, dass die Menschen attraktive Innenstädte wollen und der stationäre Handel dabei eine zentrale Rolle spielt“, so Radau. „Jetzt müssen wir diese positive Entwicklung nutzen. Gleichzeitig dürfen wir die bestehenden Probleme nicht aus den Augen verlieren. Leerstände, Erreichbarkeit und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bleiben wichtige Herausforderungen.“
Aus Sicht des Handelsverbandes NRW braucht es deshalb ein gemeinsames Engagement von Politik, Kommunen, Immobilienwirtschaft und Handel. Attraktive Innenstädte entstehen dort, wo Einkauf, Gastronomie, Kultur, Dienstleistungen und Aufenthaltsqualität zusammenspielen. Entscheidend sei zugleich, dass Handelsunternehmen die wirtschaftlichen Möglichkeiten erhalten, in ihre Standorte und Geschäftsmodelle zu investieren.
Projektverlängerung: Digitalcoaches gehen in die nächste Runde
Die NRW-Digitalcoaches sind ein Erfolgsprojekt, das inzwischen Schule gemacht hat, und das nun in die Verlängerung geht. Das NRW-Wirtschaftsministerium hat das geförderte Projekt bis Ende 2028 verlängert. Damit werden die Einzelhändlerinnen und Einzelhändler in NRW weiterhin auf ihrem Weg durch die Digitalisierung bestens begleitet. Bis zur Bekanntgabe der Verlängerung im Mai 2026 wurden bereits über 10.000 individuelle Beratungsgespräche für kleine und mittelständische Handelsunternehmen durchgeführt. Händlerinnen und Händler in NRW erhalten weiterhin kostenfreie, praxisnahe Coachings und Webinare zu Themen wie Online-Marketing, E-Commerce, Social Media und Webentwicklung. Ziel ist es, den stationären und digitalen Einzelhandel im Zuge der digitalen Transformation direkt vor Ort und bedarfsorientiert zu unterstützen.
Nachwahlen für wichtige Verbandsgremien
Neben den wirtschaftspolitischen Themen standen in diesem Jahr bei der Landesdelegiertenversammlung des Branchenverbandes auch wichtige personelle Entscheidungen an. So gab es Nachwahlen für das Präsidium des Handelsverbandes NRW und den Sozialpolitischen Beirat. Der Verband begrüßt: Denis Brüggemeier, EDEKA Brüggemeier, Kevelaer und Rainer Höppner, RH Consulting, Willich, als neue Präsidiumsmitglieder sowie Sebastian Mohr, EDEKA Minden-Hannover
Zentralverwaltungsgesellschaft mbH, Minden, als neues Mitglied im Sozialpolitischen Beirat.
„Eine starke Interessenvertretung braucht engagierte Vertreter aus der Praxis. Mit den Nachwahlen stellen wir die Weichen für die weitere Arbeit unseres Verbandes und können die Interessen des Handels in NRW auch künftig mit einer starken Stimme vertreten“, erklärt Radau.

