
Köln (dpa/lnw) – Brutale Misshandlungen, Explosionen und Geiselnahmen – der «Kölner Drogenkrieg» hat überregional für viel Aufsehen gesorgt. Als Auslöser gilt der Raub von rund 350 Kilogramm Marihuana aus einer Lagerhalle in Hürth. Nun hat vor dem Kölner Landgericht der Prozess gegen die mutmaßlichen Täter im Alter von 36 bis 48 Jahren begonnen. Sechs Männer sind unter anderem wegen besonders schweren Raubes, gefährlicher Körperverletzung und Freiheitsberaubung angeklagt, ein Mann wegen Beihilfe zum illegalen Cannabishandel.
Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass eine vom Kölner Stadtteil Kalk aus operierende Bande im Juni 2024 rund 700 Kilogramm Marihuana in der Lagerhalle aufbewahrte. Davon sollen die Angeklagten Wind bekommen und sich zu einem Raubüberfall entschlossen haben.
Bewacher mit Maschinenpistole bedroht
Laut Anklage drangen vier der Männer mit mindestens einer Maschinenpistole bewaffnet in die Lagerhalle ein, schlugen und traten auf einen der Bewacher ein und fesselten ihn. «Sodann führte jedenfalls einer der Angeklagten den Lauf der mitgeführten Maschinenpistole in den Mund» des Bewachers ein und drohte ihm mit dem Tode, sollte er versuchen zu fliehen oder die Räuber zu behindern.
Dann sollen die Angeklagten gut die Hälfte der Drogen in einen Transporter geladen und damit geflüchtet sein. Am ersten Prozesstag schwiegen die Angeklagten zu den Vorwürfen.
Mutmaßlichem Anführer droht Sicherungsverwahrung
Als Folge soll der Anführer der beraubten Bande alle Hebel in Bewegung gesetzt haben, um das verschwundene Marihuana zurückzubekommen. Unter anderem mit Geiselnahmen, Folterungen und Sprengstoffanschlägen sollte Druck auf mögliche Mitwisser ausgeübt werden, um Informationen über den Verbleib der Drogen zu erhalten. Gegen den mutmaßlichen Drogen-Boss läuft seit mehreren Monaten der Prozess – dem 24-Jährigen drohen lange Haft und Sicherungsverwahrung.
Im Zusammenhang mit dem «Kölner Drogenkrieg» gab es inzwischen zahlreiche Prozesse und auch Verurteilungen. Insgesamt mussten sich bislang mehr als 40 Angeklagte vor dem Kölner Landgericht verantworten, wie ein Sprecher sagte. Der Prozess gegen die sieben nun angeklagten Männer ist bis Januar 2027 terminiert.
