
Düsseldorf (dpa/lnw) – Der Mörder der sechsfachen Mutter Hanaa S. klagt gegen seine Ausweisung. Elf Jahre nach dem Mord wehrt sich der 28-jährige Iraker, der seine Jugendstrafe von neuneinhalb Jahren Haft inzwischen verbüßt hat, Deutschland zu verlassen. Das Verwaltungsgericht Düsseldorf verhandelte am Dienstag über seine Klage gegen den Kreis Mettmann. Eine Entscheidung soll innerhalb von zwei Wochen ergehen, wie der Richter zum Abschluss der Verhandlung ankündigte.
Bei dem 28-Jährigen handelt es sich um den ältesten Sohn des Opfers. Er war 17 Jahre alt, als er seine Mutter einer fragwürdigen Familienehre wegen tötete. Die 35-jährige Jesidin war von ihrem Sohn, ihrem Ehemann und zwei Brüdern des Ehemannes in einen Teppich gerollt und vermutlich im Hildener Stadtwald umgebracht worden. Ihre Leiche blieb lange verschwunden.
Der Kreis Mettmann hatte im Januar die Ausweisung des inzwischen aus der Haft entlassenen Sohnes verfügt. Die Behörde begründet dies mit der Schwere der Tat und einer möglichen Wiederholungsgefahr. Der Kläger lebe weiterhin in einem von sozialschädlichen Wertvorstellungen geprägten Umfeld und sei weder wirtschaftlich noch sozial integriert.
Seit 16 Jahren in Deutschland
Der Anwalt des Klägers argumentierte, sein Mandant lebe seit 16 Jahren in Deutschland, habe keine Kontakte mehr in den Irak und eine Ausbildung zum Maurer absolviert. Eine Rückfallgefahr bestehe nicht. Der 28-Jährige sagte, Haupttäter sei sein Onkel gewesen. Der Richter hielt dem Kläger entgegen, dass er die Tat bislang offenbar nicht aufgearbeitet habe.
Der Prozess fand unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen statt. Hintergrund waren Tumulte nach der Urteilsverkündung im Strafprozess am Landgericht Wuppertal im Januar 2018, als Angehörige des Opfers und der Täter aneinander geraten waren.
Der heute 51-jährige Vater des Klägers war wegen Beihilfe zum Mord zu zehneinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Auch er ist wieder auf freiem Fuß und sei ausreisepflichtig, sagte ein Sprecher des Verwaltungsgerichts.
Mord an sechsfacher Mutter
Der Mord an der sechsfachen Mutter Hanaa S. hatte vor elf Jahren für Entsetzen gesorgt. Die 35-Jährige aus dem Irak stammende Jesidin war als Minderjährige zwangsverheiratet worden und wurde von ihrem Ehemann oft körperlich misshandelt, wie Zeugen aussagten. Als sie 2014 mit ihrer jüngsten Tochter Schutz in einem Frauenhaus suchte, beschloss die Familie ihres Mannes ihre Tötung.
Die Tat sei zur «Wiederherstellung der Familienehre» geschehen, hatte das Landgericht nach über 100 Prozesstagen im Urteil festgestellt. Als Haupttäter erhielt ein Schwager des Opfers lebenslange Haft. Der Sohn bekam eine Jugendstrafe von neun Jahren und sechs Monaten. Die beiden waren die jüngsten Angeklagten. Sie seien ausgewählt worden, «es zu tun», erklärte das Gericht.
Leiche in Baden-Württemberg entdeckt
Erst mitten im Verfahren hatte der Schwager die Tat teilweise gestanden und Hinweise auf den Ablageort des Opfers gegeben. Bis dahin war es ein Prozess ohne Leiche. Die Tote wurde Hunderte Kilometer entfernt in zwei Metern Tiefe in einem Wald bei Bruchsal in Baden-Württemberg gefunden. Die Leiche war fest in einen Teppich verschnürt, um den Hals lag ein Spanngurt.
