Verabschiedete sich mit Tränen: Markus Krösche. (Archivbild)
Verabschiedete sich mit Tränen: Markus Krösche. (Archivbild) Foto: Florian Wiegand/dpa

Frankfurt/Main (dpa) – Es gab Zeiten, da schwebten Max Eberl und Borussia Mönchengladbach gemeinsam durch die Bundesliga. Inzwischen ist Eberl als Sport-Vorstand des FC Bayern ganz oben und der Traditionsclub vom Niederrhein ganz unten angekommen. Auch Markus Krösche und Eintracht Frankfurt haben eine Ära geprägt und diese – anders als Gladbach – sogar mit einem europäischen Titel gekrönt.


Kramer: «Nicht das nächste Gladbach werden»

Doch während Krösche nach seinem tränenreichen Abschied am Main auf dem Sprung Richtung AC Mailand zu sein scheint, stellen sich für die Hessen vor und nach dem Gastspiel bei Borussia Dortmund an diesem Samstag (18.30 Uhr/Sky) viele Fragen: Wer folgt auf Krösche? Wie geht es weiter? Und: Droht der Eintracht national sukzessive der Niedergang, den Gladbach seit dem Abschied von Marco Rose und Eberl hinter sich hat?

«Es ist nur ein Gefühl, aber die Eintracht muss aufpassen, dass sie nicht das nächste Gladbach werden», sagte Ex-Weltmeister Christoph Kramer kürzlich im Podcast Copa TS. Der Mann, der in Frankfurt einen Fall wie bei Borussia verhindern soll, heißt Axel Hellmann und trägt seit knapp einer Woche den Titel Vorstandsvorsitzender. Bis ein Nachfolger gefunden ist, soll der Funktionär übergangsweise auch den Job von Krösche übernehmen.

Hellmann hat seine «sehr eigene Wahrnehmung»

Mit Kramers Theorie konfrontiert, antwortete Hellmann bei seiner ersten Pressekonferenz als Vorstandsboss: «Diese Ansicht teile ich natürlich nicht. Es gehört auch in solchen Veränderungsprozessen dazu, dass landauf landab sehr viele Experten ihre Einschätzung dazu liefern. Das sei auch jedem gegönnt. Ich habe meine sehr eigene Wahrnehmung.»

Und die lautet: Mit dem Fall Gladbach hat der Fall Frankfurt nicht viel zu tun. Viele Argumente geben dem 55-Jährigen recht. Die Mainmetropole (laut Hellmann «ein super Einfallstor für fußballerisch qualifizierte Menschen») ist ein viel kräftiger und robusterer Markt als das kleine Mönchengladbach. Und gerade einen starken Mann wie Hellmann haben sie bei Borussia vermisst, als sich Eberl Anfang 2022 verabschiedet hat.

Zwei Trainer und ein Sport-Vorstand weg

Rückblick: Im Herbst 2025 spielte Frankfurt in der Champions League gegen den FC Liverpool und Atlético Madrid, mit Trainer Dino Toppmöller und Manager Krösche als den beiden führenden Strategen. Seitdem folgte ein Seuchenjahr mit der Trennung von Toppmöller, dem Trainerflop Albert Riera – inklusive der verpassten Europapokalteilnahme – und nun dem Abgang von Krösche, der über fünf Jahre erfolgreich bei der Eintracht wirkte.

Hellmann verwehrt sich gegen die Extreme. Man sei weder im Vorjahr auf dem Weg zur deutschen Nummer drei hinter Bayern und Dortmund gewesen. Noch habe man seither die Konkurrenzfähigkeit eingebüßt, weil man ein paar Fehler gemacht hat.

«Man muss daraus nicht Gladbach 2.0 machen und man muss auch nicht der Meinung sein, dass die Welt für uns innerhalb von einem Jahr eine andere ist», sagte Hellmann. Es gehe um eine sportliche Krise, nicht aber um eine Unternehmenskrise.

Wer wird Frankfurts Virkus?

Doch nach berauschenden Jahren mit großen Endspielen und immer neuen Multimillionenverkäufen befindet sich die Eintracht an einem entscheidenden Punkt. Gemeint ist die Suche nach einem neuen strategischen Hirn im sportlichen Bereich. Mönchengladbach ließ damals Roland Virkus auf Eberl folgen und erntet als Tabellenletzter derzeit das, was in den vergangenen Jahren schiefging.

Die Eintracht verfügt mit Vorstandsboss Hellmann und einem gestärkten Aufsichtsrat unter Vorsitz des mit 99 Prozent wiedergewählten Präsidenten Mathias Beck über ein intaktes Machtzentrum. «Das Ganze wird zeitnah funktionieren. Das wird keine Entscheidung von Monaten sein, sondern eher von Wochen», sagte Hellmann zur Suche eines Sport-Vorstandes. Mit einer Reihe von Kandidaten fänden Gespräche statt.

Bobic, Spycher und Chatzialexiou gehandelt

Namen nannte Hellmann zwar nicht, aber die sind längst im Umlauf. Krösches Vorgänger Fredi Bobic ist ebenso eine Option wie Ex-Eintracht-Profi Christoph Spycher und Joti Chatzialexiou von Zweitliga-Aufstiegskandidat 1. FC Nürnberg. Beck und sein Gremium planen, einen Manager von einem anderen Verein abzuwerben. Attraktiv genug ist die Eintracht mit ihrer in den vergangenen Jahren erworbenen Strahlkraft allemal.

Bei der Transferpolitik kündigte Beck bereits einen Strategiewechsel an. «Wir wollen auch in Zukunft um internationale Plätze mitspielen, aber der Weg dorthin wird im Sinne der wirtschaftlichen Vernunft Anpassungen erfahren müssen. Das werden wir dem Nachfolger von Markus mit auf den Weg geben», sagte der Präsident bei der Jahreshauptversammlung.

Präsident beobachtet «brutal gestiegene Preise»

In den vergangenen Jahren hatte die Eintracht wiederholt günstig eingekauft und extrem kostspielig weiterverkauft. Alleine die vier Stürmer Randal Kolo Muani, Omar Marmoush, Hugo Ekitiké und Luka Jovic brachten den Hessen Transfererlöse von über 320 Millionen Euro ein. In diesen Sphären hat Gladbach niemals Spieler verkauft.

Zwar wollen die Hessen auch künftig Spieler entwickeln und internationale Top-Talente nach Frankfurt holen. «Dabei müssen wir aber beobachten, ob die großen Transfers für uns noch möglich sein werden. Zum einen, weil die Preise für junge Talente brutal gestiegen sind. Zum anderen, weil die Abnehmer sich am Markt stark reduziert haben», erklärte Beck.