Auf der Treppe am Unglücksort stehen 21 Holzkreuze, für jede verstorbene Person ein Kreuz. (Archivbild)
Auf der Treppe am Unglücksort stehen 21 Holzkreuze, für jede verstorbene Person ein Kreuz. (Archivbild) Foto: Christoph Reichwein/dpa

Duisburg (dpa/lnw) – 16 Jahre nach dem tödlichen Gedränge beim Technofestival Loveparade findet das Gedenken in Duisburg erstmals ohne die Opferstiftung statt. Im vergangenen Jahr hatte sich die Stiftung aufgelöst. Die seit Jahren etablierten Gedenkveranstaltungen am Jahrestag sollen trotzdem weitgehend unverändert stattfinden – ab diesem Jahr erstmals unter Regie der Stadt Duisburg. Lediglich die Nacht der 1.000 Lichter wird es nicht mehr geben.


Bei der Loveparade am 24. Juli 2010 war es zu einer Massenpanik am einzigen Ein- und Ausgang zum Festivalgelände gekommen. Viele hundert Menschen wurden in dem Gedränge verletzt, 21 junge Menschen im Alter von 17 bis 38 Jahren starben. Obwohl Experten zahlreiche Mängel bei der Planung und Genehmigung der Großveranstaltung aufzeigten, wurde juristisch nie jemand zur Verantwortung gezogen.

Angehörige der Opfer werden nach Duisburg eingeladen

Wie in den vergangenen Jahren würden die Angehörigen der Opfer zum Jahrestag nach Duisburg eingeladen, sagte ein Stadtsprecher. Sie kommen am Freitag zunächst zu einer nicht-öffentlichen Andacht zusammen. Anschließend gibt es eine öffentliche Gedenkfeier in dem Straßentunnel, in dem sich das tödliche Gedränge damals ereignete.

 

Eine besonders emotionale Veranstaltung, die immer am Vorabend des Jahrestags stattgefunden hat, wird es hingegen nicht mehr geben: die Nacht der 1.000 Lichter am Unglücksort. Sie sei immer aus dem Kreis der Betroffenen organisiert worden, sagte der Stadtsprecher. In diesem Jahr werde die Tradition aber nicht fortgeführt.

Stadt sucht neuen Umgang mit der Katastrophe

Ohnehin sucht Duisburg nach einem neuen Umgang mit der Katastrophe. Der 15. Jahrestag im vergangenen Jahr war ein Wendepunkt. Denn damals hat sich satzungsgemäß die «Stiftung Duisburg 24.7.2010» aufgelöst, die jahrelang den teils traumatisierten Opfern und Hinterbliebenen beigestanden hat. Außerdem hat die Stiftung auch die Gedenkstelle und die Veranstaltungen zum Jahrestag maßgeblich geprägt.

Viele Eltern der Opfer konnten in den vergangenen Jahren aus gesundheitlichen Gründen schon gar nicht mehr zu den Veranstaltungen nach Duisburg kommen. Trotzdem versichern alle Beteiligten, dass die Stadt weiterhin an das Unglück und die Opfer erinnern werde.

 

Festivalgelände soll modernes Stadtquartier werden

Auch für das damalige Festivalgelände, eine Brachfläche südlich des Hauptbahnhofs, gibt es neue Pläne: Die Stadt will dort ein modernes und nachhaltiges Quartier errichten. Weil die Nachfrage nach Büroräumen seit der Corona-Pandemie deutlich zurückgegangen ist, werden die Pläne im Moment aber noch einmal komplett überarbeitet. Wann die Bauarbeiten beginnen, ist noch völlig unklar.

Die Unglücksstelle von damals soll dabei nicht aus dem Stadtbild verschwinden – im Gegenteil. Die Rampe, die ein Investor zwischenzeitlich umgebaut und deutlich schmaler gestaltet hatte, soll wieder in ihren damaligen Zustand versetzt werden. Nach Fertigstellung des Quartiers soll sie ein Teil einer ruhigen Parkanlage sein.