
Münster (dpa) – An der Universität Münster nimmt zum 1. Juli eine Islamisch-Theologische Fakultät ihre Arbeit auf. Wie Rektor Johannes Wessels mitteilte, handelt es sich dabei um die erste Einrichtung dieser Art in Europa. Das akademische Leben beginnt demnach nach der Besetzung aller Gremien im Wintersemester 2026/2027. Laut Gründungsdekan Mouhanad Khorchide hat der Schritt eine große Bedeutung für die muslimische Community. «Das ist ein Zeichen der Anerkennung der Muslime, weil es jetzt auch eine Auseinandersetzung mit ihnen im akademischen Kontext gibt», sagte Khorchide bei einer Pressekonferenz.
Bislang gab es in Münster das Zentrum für Islamische Theologie (ZIT), das dem Fachbereich für Philologie zugeordnet war. Hier wurden bereits Religionslehrer für die Schulen ausgebildet. Mit der Neugründung hat die islamische Theologie jetzt auch die Möglichkeit, sich ein eigenes Promotionsrecht für die Vergabe von Doktortiteln zu geben. Auch können die Prüfungskommissionen eigenständig besetzt werden.
Akademische Selbstverwaltung jetzt auf dem Weg
Auf dem Weg vom ZIT zur Fakultät mussten laut Wessels Gremien gebildet und Ordnungen verabschiedet werden, damit «dann in den kommenden Monaten die finanzielle und akademische Selbstverwaltung greifen kann», sagte Wessels. Das sei ein typischer Prozess mit dem bekannten Henne-Ei-Problem. Erst wenn zum Beispiel das nötige Personal da sein, können die letzten Schritte eingeleitet werden. Die Wahl des ordentlichen Dekans steht dann im Jahr 2027 durch die zuständigen Gremien an.
Die Finanzierung von jetzt acht Professorenstellen unter anderem für islamische Geschichte, Ethik und Philosophie durch das Land Nordrhein-Westfalen ist nach Angabe von Wessels gesichert. Räumlich wird die neue Fakultät auf einem derzeit in Bau befindlichen neuen Campus der Theologien angesiedelt. Die Islamwissenschaftler teilen sich dann eine gemeinsame Bibliothek und eine Mensa mit den Vertretern der anderen an der Uni Münster vertretenen Religionswissenschaftler, wie den Katholiken und Protestanten.
Angefangen haben die Islamwissenschaftler in Münster im Jahr 2010 mit drei Mitarbeitern und 13 Studierenden. Heute sind es 450 Studierende und rund 80 Mitarbeiter.
Profil weltoffener Islam
Khorchide will der Fakultät, wie bereits bisher, ein Profil für einen weltoffenen Islam geben. Münster soll Leuchtturmprojekt sein, so der Islamwissenschaftler. «Es geht um die Normalisierung im Zusammenleben der Vielfalt.» Und die in Münster ausgebildeten Imame und Religionspädagogen seien wichtige Multiplikatoren, die diesen weltoffenen Islam in die Gesellschaft tragen würden, sagte Khorchide.
Ihm sei bewusst, dass er und seine Arbeit ständig kritisch beäugt würden. «Wir wollen aktiv Einsfluss nehmen und bestimmen, wo geht die Reise hingeht. Der Islam steht nicht im Widerspruch zur freiheitlich, demokratischen Grundordnung in unserem Land», sagte der Gründungsdekan vor Journalisten. Es gebe kein Entweder oder, sondern ein sowohl als auch. «Und es gehe auch um Gendergerechtigkeit und Frauenforschung.» Akademisch müsse auch begleitet und erforscht werden, wie die Arbeit der neuen Fakultät in den sozialen Medien begleitet werde, kündigte Khorchide an.
Die Bezeichnung Islamisch-Theologische Fakultät hat sich auch eine Einrichtung in Sarajevo in Bosnien und Herzegowina gegeben. Laut Wessels sei das aber keine Einrichtung einer öffentlichen Hochschule. Von daher sei die Uni Münster sich sicher, dass ihre Neugründung die erste dieser Art in Deutschland und ganz Europa sei.
