Ein mobiler Verkaufsstand in der Form einer Erdbeere steht am Rande eines Parkplatzes in Dortmund.
Ein mobiler Verkaufsstand in der Form einer Erdbeere steht am Rande eines Parkplatzes in Dortmund. Foto: Christoph Reichwein/dpa

Bonn/Münster/Dortmund (dpa/lnw) – Die farbenfrohen Erdbeer-Verkaufsstände kehren an die Straßen und auf Parkplätze zurück. Ein klares Signal, die neue Saison geht los. Erste Erdbeer-Höfe bieten schon ihre Ware an. «Ab Anfang Mai wird es flächendeckend in NRW Erdbeeren geben», sagt Saskia Schmitz, Sprecherin der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen in Münster. Auch in die Supermärkte sind bereits erste Erdbeeren aus Deutschland gelangt. 


Warum sind die Erdbeeren relativ früh reif?

«Wir haben ein sehr frühes Jahr, ähnlich wie bereits 2025, das für viele Betriebe die früheste Erdbeersaison ihrer Betriebsgeschichte war», sagt Schmitz. Der wesentliche Grund für den frühen Saisonstart sei die warme und sonnenreiche erste Märzhälfte gewesen. Das habe Pflanzen früh wachsen und blühen lassen. Auf vielen Höfen ließen Folientunnel und Gewächshäuser Früchte früh reifen. Beim geschützten Anbau ist NRW laut Landwirtschaftskammer ein Vorreiter.

Der Hof Mertin in Dortmund ist besonders früh dran. Dort gibt es nicht nur Reihen mit Erdbeerpflanzen in Tunneln. Zusätzlich gebe es auch Vlies, um Wärme einzufangen. So konnten am 17. April erste Erdbeeren geerntet werden, erzählt Kristina Mertin. Angesichts des hohen Arbeitsaufwandes sei gerade zu Saisonbeginn der Umsatz wichtig. Die Konkurrenz durch Ware aus dem Ausland sei bereits groß. «Deshalb versuchen wir, so früh wie möglich zu starten.» 

Friederike Greve von Schneiders Obsthof in Wachtberg bei Bonn erklärt ähnlich den Vorteil der «Sonnentunnel» in ihrem Betrieb: «Die Folie schützt vor Regen und Frost und zu starker Sonneneinstrahlung». Auf diese Weise könne man mit ausländischen Erdbeeren mithalten. So könne auch auf ihrem Hof die Ernte bald beginnen statt erst im Juni im Freiland. «Drei bis vier Wochen früher hat man damit einheimische Erdbeeren und wenig Verderb der Waren», verdeutlicht sie.

Nach Daten des Statistischen Landesamtes nimmt der Anbau unter hohen Schutzabdeckungen tendenziell seit längerer Zeit zu. Im Jahr 2025 sind in NRW auf diese Weise 13.300 Tonnen Erdbeeren und im Freiland 18.600 Tonnen Erdbeeren produziert worden. Dieser Trend dürfte sich 2026 fortsetzen.

Wann geht es mit dem Selbstpflücken vom Feld los?

Da ist noch etwas Geduld gefragt. Der genaue Zeitpunkt im Freiland hängt vom Wetter, der Lage der Felder und der Erdbeersorte ab. Der Provinzialverband Rheinischer Obst- und Gemüsebauer schätzt, dass voraussichtlich ab Mitte Mai im Freiland die Ernte bei den kommerziellen Anbietern beginnt. So geht auch der Hof Mertin davon aus, dass es auf den eigenen Feldern für Selbstpflücker Mitte Mai losgehen kann. Bei anderen Betrieben kann es auch der Juni sein.

Im kommerziellen Anbau gebe es bis zu 20 Erdbeersorten – frühe, mittlere und auch späte, erklärt der Provinzialverband. Bei einigen Sorten stehe eher die Haltbarkeit im Vordergrund. Andere Sorten gebe es hingegen nur beim Erzeuger. Die seien etwas weicher und oft auch geschmacksintensiver. 

An den Verkaufsständen am Feldrand werden dann die Früchte gewogen, die die Selbstpflücker zuvor auf den dafür ausgewiesen Feldern geerntet haben. Laut Provinzialverband kann es je nach den Erfahrungen des Landwirtes unter Umständen auch vorkommen, dass einzelne Betriebe Eintritt auf das Feld nehmen, um den Direktverzehr während des Pflückens zu kompensieren. 

Warum ist das Selbstpflücken so beliebt?

Das Erlebnis bei schönem Wetter auf dem Feld kann im Vordergrund stehen. Gerade für Familien kann das Pflücken ein Wochenendausflug sein. Für manche ist ein günstiger Preis der Punkt. «Wenn das Wetter schön ist, ist das ein kleines Freizeitevent», beschreibt Kristina Mertin. Die Leute kämen raus aufs Feld und könnten Geld sparen. Für das Pflücken fallen keine Personalkosten an. Zudem suchen sich die Pflücker die Früchte aus, die ihnen gefallen, ob groß oder klein. 

Wie sind die Felder zum Selbstpflücken zu finden?

Da kann genaues Hinschauen wie bei der Suche nach reifen Früchten auf Feld gefragt sein. Der Provinzialverband bittet eine Übersicht von Höfen, die ihr Obst und Gemüse selbst vermarkten, also direkt vor Ort auch etwa in Hofläden anbieten. Unter https://www.provinzialverband.de/direktvermarkter-suchen können die Betriebe nach Postleitzahl sortiert werden. Was der jeweilige Hof anbietet, ob Eier, Kartoffeln oder auch Erdbeeren, kommt beim nächsten Klick. 

Die Landwirtschaftskammer bietet ebenfalls eine Übersicht von Bauernhöfen unter https://www.landservice.de/bauernhoefe. Zuerst das Thema «Einkaufen» auswählen. Anschließend gibt es die Möglichkeit, Suchergebnisse zu filtern. So können «Obst zum Selbsternten» und «Erdbeeren» ausgewählt werden. Neben dem «Einkaufen» können auch weitere Angebote wie «Genießen & Tagen», «Übernachen» oder «Pferde & Reiten» auf dieser Plattform abgerufen werden. 

Gibt es weitere Wege, einen Erdbeer-Hof zu finden?

Viele weitere Höfe informieren direkt auf ihrer Homepage. Die Landwirte nutzen auch die sozialen Medien, um auf ihre Erzeugnisse oder auch den Start der Ernte hinzuweisen. Hier helfen die Suchmaschinen im Internet weiter. In ganz Nordrhein-Westfalen bauen etwa 330 bis 340 Betriebe Erdbeeren an.

Welche Erdbeeren gibt es in den Supermärkten?

«In den frühen Anbaugebieten Deutschlands ist die Erdbeerernte in den Tunneln gestartet», sagt Michael Koch, Bereichsleiter Gartenbau bei der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft  in Bonn. Diese Mengen reichten noch nicht, um den Lebensmitteleinzelhandel flächendeckend zu bestücken. Daher dürfte zumindest in dieser Woche das Angebot aus dem Mittelmeerraum – überwiegend Spanien – noch die Oberhand haben. Inzwischen ergänzten auch Erdbeeren aus dem Benelux-Raum das Angebot in den Supermärkten. 

«Einige Ketten im Lebensmitteleinzelhandel haben das Angebot bereits durch deutsche Erdbeeren ergänzt.» Das Angebot an deutschen Erdbeeren werde in den kommenden Wochen zunehmen. In der vergangenen Woche hätten die Verbraucher durchschnittlich 3,78 Euro je Kilogramm für importierte Erdbeeren im Handel bezahlt. Das seien fast 10 Prozent weniger als zur selben Zeit 2025.