
Marl (dpa) – Das Grimme-Institut hat die diesjährigen Nominierungen für die begehrten Grimme-Fernsehpreise vorgestellt – und spart dabei neben allem Lob nicht mit kritischen Anmerkungen. Wichtige Themen erhielten in den TV-Medien zu wenig Raum, so die Preis-Chefin Lucia Eskes. Grimme-Geschäftsführerin Çiğdem Uzunoğlu: «Es mangelt beispielsweise an hochkarätigen Auseinandersetzungen mit dem Thema Krieg.»
Die Kommissionen für die Preis-Kategorien Information&Kultur, Fiktion, Unterhaltung sowie Kinder &Jugend vermissten unter anderem eine angemessene Auseinandersetzung mit der Klimakrise und der aktuellen politischen Situation in den USA unter Donald Trump. Die Kommission Unterhaltung vergab nur zehn von 18 möglichen Nominierungen – unter anderem, weil es aus ihrer Sicht an Mut zu innovativen Formaten und an Diversität fehlt.
Ende Januar entscheiden die Jurys
Insgesamt wurden unter mehr als 750 Einreichungen 71 Produktionen und Einzelleistungen nominiert – Produktionen, die Haltung zeigten und neue Perspektiven eröffneten, wie Uzunoğlu betonte. Die Preisjurys kommen Ende Januar in Marl zusammen, im März werden die Trägerinnen und Träger der 16 Grimme-Preise sowie zweier weiterer Preise bekanntgegeben.
Nominiert wurden unter anderem die Dokumentation über den Rapper Haftbefehl («Babo – Die Haftbefehl-Story» – Netflix) und unter der Rubrik besondere journalistische Leistung die ARD-Korrespondentin Sophie von der Tann für ihre «hochpräzise und menschennahe Berichterstattung über Israel und die palästinensischen Gebiete».
Fußpflegerin in Marzahn, Millennial in Duisburg
Eine Nominierung unter «Spezial» bekam die Schauspielerin Jordis Triebel für ihre Rolle in der Serie «Marzahn, mon amour» (UFA Fiction für ARD Degeto) über skurrile Begegnungen einer Fußpflegerin in Berlin mit ihren Kunden. Die ZDFneo-Serie «Chabos» erhielt ebenfalls eine Nominierung – die Reise eines Mittdreißigers in seine eigene Vergangenheit im Ruhrgebiet. Unter den Produktionen für Kinder erhielt unter anderem die Sendung mit der Maus (WDR) eine Nominierung.
Herausragende Produktionen befassten sich unter anderem mit Rechtsextremismus und Rassismus und der Geschichte der DDR. In der Kategorie Fiktion würden aktuelle Themen wie Polizeigewalt, Antisemitismus und Faschismus abgebildet, resümierte das Grimme-Institut. Insgesamt elf Nominierungen gehen an Privatsender und Streaminganbieter, davon zwei in der Kategorie Information & Kultur, vier in der Fiktion, drei in der Unterhaltung und zwei in der Kinder & Jugend-Kategorie.
