
Paderborn (dpa/lnw) – Nach dem Tod eines Frühchens auf der Intensivstation für Neugeborene einer Kinderklinik in Paderborn sieht die Staatsanwaltschaft keinen Anfangsverdacht der fahrlässigen Tötung. Ein Strafverfahren gegen Pflege- und Reinigungspersonal oder weitere Menschen werde daher nicht eingeleitet, teilte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft mit. Wie die Darmkeime in die Räume des Klinikums gelangt seien, lasse sich nicht aufklären.
Im August waren zwei Säuglinge auf der Intensivstation für Neugeborene der Kinderklinik St. Louise an einer schweren Sepsis erkrankt. Eines der Frühchen starb, das zweite ist inzwischen wieder gesund. Bei beiden wurde ein Enterobacter-Bakterium nachgewiesen.
Keine Übertragung des Darmkeims von Säugling zu Säugling
Nun vorliegende Untersuchungsergebnisse des Gesundheitsamtes zur Ursache der Infektion und zu den möglichen Übertragungswegen hätten gezeigt, dass beide Säuglinge an unterschiedlichen Stämmen des Darmkeims erkrankt seien, teilte die Staatsanwaltschaft mit.
Auch ein mikrobiologisches Gutachten der Rechtsmedizin bestätige dies. Entsprechend habe es weder eine Ansteckung zwischen beiden Säuglingen gegeben noch sei auszuschließen, dass etwa Besucher den Keim auf die Station gebracht hätten, so der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Damit sei eine «straflose Ansteckung der Säuglinge» nicht auszuschließen.
Untersuchung zur genauen Todesursache dauert an
Noch nicht abgeschlossen ist dagegen das Todesermittlungsverfahren. Zwar wird nach einer vorläufigen Einschätzung der Rechtsmediziner davon ausgegangen, dass ein Darmkeim ursächlich für den Tod des Säuglings war. Es stünden aber noch weitere Untersuchungsergebnisse an, so die Staatsanwaltschaft Paderborn.
Bakterien der Gattung Enterobacter gehören laut Bundesamt für Risikobewertung zur normalen Darmflora, einige Spezies können aber beim Menschen Infektionen auslösen. Manche wurden in den vergangenen Jahren als wichtige Ursache für Krankenhausinfektionen identifiziert. Gefährdet seien vor allem immungeschwächte, erkrankte oder aus anderen Gründen empfindliche Menschen.
