Eine Baustelle in NRW - künftig sollen dort mehr Recyclingmaterialien eingesetzt werden. (Archivbild)
Eine Baustelle in NRW - künftig sollen dort mehr Recyclingmaterialien eingesetzt werden. (Archivbild) Foto: Robert Michael/dpa

Düsseldorf (dpa) – Beim Bau von Straßen in Nordrhein-Westfalen sollen künftig mehr Recyclingmaterialien eingesetzt werden. Bei der Vorstellung der ersten Kreislaufwirtschaft-Strategie des Landes kündigte Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) ein Regelwerk an, das bei öffentlichen Bauaufträgen eine Priorisierung von wiederverwerteten Baustoffe vorsieht. «Es soll in Zukunft darum gehen, dass nicht mehr Primärrohstoffe wie Sand und Kies bei den Projekten eingesetzt werden, sondern vor allem Sekundärrohstoffe.»


Gemeint sind Rohstoffe, die schon einmal genutzt und aus Abfall aufbereitet werden, etwa Recycling-Schotter. Primärrohstoffe werden hingegen neu der Natur entnommen.

Die Nutzung der Recyclingmaterialien solle überall da geschehen, wo es möglich ist, sagte der Grünen-Politiker. Das sei bisher nicht pauschal machbar gewesen, weil Normwerte fehlten – diese werden nun aber erarbeitet. «Wir können jetzt sagen, liebe Projekt-Verantwortliche, wenn ihr viele neue Brücken baut, dann setzt […] diese und jene Materialien ein.»

 

Der neue Erlass, an dem das Ministerium noch arbeitet, soll dazu führen, dass im Regelfall recycelte Baustoffe eingesetzt werden. Wenn Baufirmen das nicht tun, müssten sie das begründen, so der Minister. «Das Ziel ist, dass man nicht auf das Althergebrachte setzt, so wie wir es immer gemacht haben, sondern ganz gezielt auch Ersatzbaustoffe berücksichtigt.» Qualitativ soll es keine Abstriche geben.

Worum es bei der Kreislaufwirtschaft geht

Kreislaufwirtschaft ist ein weit gefasster Begriff, der alle Wirtschaftsbereiche umfasst. Es geht darum, dass Produkte am Ende ihrer Nutzung nicht weggeworfen und dann verbrannt oder auf Deponien gebracht werden, ob Klamotten, Plastikspielzeug oder Elektronik. Vielmehr sollen ihre Bestandteile getrennt gesammelt, wiederaufbereitet und im Idealfall im gleichen Produkt erneut verbaut werden. «Wir wollen Produkte, Materialien und Rohstoffe so lange wie möglich im Wirtschaftskreislauf halten», sagte Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne).

Ihr Parteikollege Krischer sagte, Kreislaufwirtschaft sei heutzutage leider immer noch eher die Ausnahme. «Wir haben lineare Wirtschaftsverläufe: Es wird etwas aus der Natur entnommen, genutzt und am Ende als Abfall entsorgt und deponiert – das ist natürlich nicht nachhaltig.» Nur 13 bis 15 Prozent aller Materialien, die Menschen nutzen, kämen aus dem Kreislauf, sind also wiederverwertet. Krischer ist auch für das Umweltressort zuständig.

Wirtschaftsministerin Neubaur betonte, dass Kreislaufwirtschaft nicht nur gut für die Umwelt, sondern auch für die Wirtschaft sei: Die Importabhängigkeit bei Rohstoffen sinke und es entstünden Arbeitsplätze. «Je mehr wertvolle Rohstoffe wir im Kreislauf halten, desto weniger müssen wir sie immer weniger neu von außen einkaufen.» Schon jetzt arbeiteten in NRW rund 240.000 Menschen in der Kreislaufwirtschaft, Tendenz steigend. Dabei geht es um Entsorgungsfirmen, Recycler und andere Unternehmensbereiche.

Ein Beispiel ist eine Recyclingfirma aus Frechen, welche Siliziumkarbid aufbereitet und besonders hochwertig wieder einsatzfähig macht, etwa für Halbleiter. Dadurch könnte die Abhängigkeit von China verringert werden, sagte Krischer. Aus China importiert Deutschland Siliziumcarbid.

In dem 84 Seiten langen Strategiepapier zur Kreislaufwirtschaft in NRW wird die Bedeutung des Themas betont – es geht um Wissensvermittlung und Vernetzung von Akteuren, die innovative Geschäftsmodelle verfolgen. «Wir wollen NRW zu einem führenden Standort und zu einer Drehscheibe der Circular Economy in Europa entwickeln», so Neubaur. Neue harte Regeln enthält das Strategiepapier nicht.