
Düsseldorf/Lippetal (dpa) – Die nordrhein-westfälische Landesregierung hofft, dass die angekündigte amerikanische Investition in ein Rechenzentrum im westfälischen Lippetal Hunderte Arbeitsplätze in der Region schafft. «Es sind 100 Arbeitsplätze, die direkt dort entstehen könnten», sagte NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur (Grüne) in Düsseldorf. «Nachgelagert wird davon gesprochen, dass es noch ungefähr 600 Arbeitsplätze sein können.»
Der US-amerikanische Investor Blackstone hatte am Donnerstagabend angekündigt, er plane eine Milliardeninvestition in ein Rechenzentrum im Lippetal. Laut Mitteilung des börsennotierten Unternehmens wurde ein Kaufvertrag für ein Grundstück in einem Industriegebiet unterschrieben. Finanzkreisen zufolge beläuft sich die Projektgröße auf etwa vier Milliarden Euro; mit einer Fertigstellung der Anlage wird erst in den frühen 2030er Jahren gerechnet.
Die Blackstone-Gruppe gilt als eine der größten im Bereich alternativer Investments. Nach eigenen Angaben verwaltet Blackstone Vermögenswerte in Höhe von 1,2 Billionen US-Dollar.
Rechenzentrum für Cloud und KI
In trockenen Tüchern ist das Vorhaben allerdings noch nicht: Der Vertrag tritt erst in Kraft, wenn bestimmte Konditionen erfüllt sind. Das Planverfahren soll zeitnah beginnen. Das Rechenzentrum soll für Cloud-Dienste und Anwendungen der Künstlichen Intelligenz (KI) genutzt werden.
NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) sprach von einer tollen Nachricht insbesondere für den westfälischen Landesteil. «Das zeigt einmal mehr, dass unser Land attraktiv ist für Investoren.» Die Gebäudekomplexe für das Rechenzentrum sollten mit Strom aus erneuerbaren Energien versorgt werden, sagte er.
Die Milliardeninvestition sei der Leistung der kommunalen Kräfte vor Ort zu verdanken. Die Landesregierung sei aber stets informiert und beteiligt gewesen und habe das Vorhaben nach Kräften unterstützt. Auch Neubaur zollte der kommunalen Ebene Respekt, «die das wirklich sehr gut mit vorbereitet hat und sehr kompetent und professionell auch einem großen Investor wie Blackstone gegenüber agiert hat».
Blackstone-Manager sieht NRW als attraktiven Standort
Jetzt seien zahlreiche Detailfragen zu klären. «Das heißt, es ist erst eine Absichtserklärung», unterstrich die Wirtschaftsministerin. «Jetzt geht es weiter und da unterstützen wir dann eben auch nach Kräften, das geländegängig zu machen.»
Das Vorhaben ausführen wird der Rechenzentrumsentwickler Quality Technology Services (QTS) – diese Firma gehört Blackstone. «Wir glauben, dass Deutschland und insbesondere Nordrhein-Westfalen attraktive Standorte für die Entwicklung von state-of-the-art Rechenzentren sind», sagte Blackstone-Manager James Seppala.
Eine der größten Rechenzentrum-Investitionen in Deutschland
Das jetzt ins Auge gefasste Grundstück wird von der Firma Industriegebiet Westfalen GmbH betrieben. Die habe das Projekt hervorragend vorverhandelt, lobte die IHK Dortmund. «Das Projekt hätte das Potenzial, mehrere hundert direkte und indirekte Arbeitsplätze entlang der gesamten Liefer- und Wertschöpfungskette zu schaffen und damit nachhaltige Impulse für Beschäftigung, regionale Wertschöpfung und Innovationskraft zu setzen.»
Sollte das Vorhaben tatsächlich umgesetzt werden, wäre es eine der größten Rechenzentrum-Investitionen in Deutschland. Microsoft gibt mehrere Milliarden Euro aus für zwei Standorte im Rheinischen Revier westlich von Köln. Die Schwarz-Gruppe, Muttergesellschaft von Lidl und Kaufland, hat im vergangenen Jahr eine Elf-Milliarden-Euro-Investition in ein neues Rechenzentrum in Lübbenau im brandenburgischen Spreewald angekündigt.
