Nicht sein Tag gegen Mainz: Sturm-Oldie Edin Dzeko.
Nicht sein Tag gegen Mainz: Sturm-Oldie Edin Dzeko. Foto: Bernd Thissen/dpa

Gelsenkirchen (dpa) – Angriffslustig und deutlich wurde es auf Schalke erst nach dem Spiel. Schönreden wollte das 0:1 (0:1) gegen den FSV Mainz 05 niemand. Immerhin. Dass der FC Schalke 04 auch im dritten Bundesliga-Heimspiel seit dem Wiederaufstieg ohne eigenes Tor blieb, war das Eine. Dass das gesamte Spiel einem Totalausfall glich, das Andere.


«Wir waren auf dem gesamten Platz in den Duellen unterlegen», bekannte Trainer Miron Muslic. «Wenn du 65 Minuten lang gefühlt keinen Zweikampf gewinnst, wird es natürlich schwer. Da reden wir über ein Schalke-Basic – haben wir heute leider nicht geschafft.» Und das gab nicht nur dem Trainer, der erstmals überhaupt auf Schalke zwei Niederlagen hintereinander erlebte, zu denken. In der Vorwoche hatte der Aufsteiger 1:2 in Freiburg verloren. 

Sportdirektor Mulder voller Sorge – deutliche Worte von Karaman

«Wenn du zweimal hintereinander verlierst und dir keine Sorgen machst, ist das auch nicht gut», sagte Sportdirektor Youri Mulder. «Ich finde schon, dass man da dranbleiben und sich Sorgen machen darf.» Zumal das dritte Heimspiel ohne Sieg in der Bundesliga am Samstag nicht nur laut Kapitän Kenan Karaman «das schlechteste» bislang war. «Ich denke auch, dass wir viel zu schlampig spielen», sagte der 32-Jährige. «Das Zweikampfverhalten war unterirdisch.»

Deutliche Worte, die aber gut ankamen. «Hundertprozentig» genauso so sah dies Trainer Muslic: «Das ist eine klare, aber auch ehrliche Analyse. Und das ist, wie wir hier miteinander umgehen: ehrlich.»

Wie ehrlich Muslic nun mit Stürmer-Oldie Edin Dzeko umgeht, ist unklar. Als Ersatz für den verletzten Moussa Sylla durfte der 40-Jährige gegen Mainz von Beginn an ran und wirkte wie ein Fremdkörper. Der ehemalige Bundesliga-Torschützenkönig zog sich zudem eine tiefe Platzwunde am Kopf zu, nach 60 Minuten nahm ihn Muslic vom Feld. Der eingewechselte Hee-Chang Hwang sorgte – auf überschaubarem Niveau – für mehr Gefahr.

Debatte um Dzeko hat begonnen

Dass Dzeko in erster Linie als Joker hilft, wollte Muslic so nicht stehen lassen. «Er ist ein toller Zielspieler und hat seine Qualitäten in der Box. Wir müssen ihn aber auch in Szene setzen. Das haben wir heute kollektiv nicht geschafft», meinte der enttäuschte Schalke-Coach. 

Es offenbart sich in der Tat immer mehr, dass die schlechteste Torausbeute der Liga – nur vier Treffer aus sechs Spielen – kein alleiniges Offensivproblem ist. «Für mich ist es eine Mannschaft. Wir kriegen den Ball halt von hinten auch nicht nach vorne, so dass sie damit was anfangen können», sagte Abwehrspieler Timo Becker. Bei den Aussagen des 29-Jährigen ließ sich durchaus etwas Kritik an der Herangehensweise unter Muslic heraushören.

Gesamtes Schalker Spiel Problem für die Offensive

«Ich sage mal so: Wir haben halt viele Spieler, die verteidigen müssen, weil wir halt als Mannschaft verteidigen. Dadurch auch viel aufwenden. Dann fehlt vielleicht manchmal vorn der letzte Meter», urteilte Becker. 

Muslic gab sich angesichts der vielen klaren Worte am Samstag souverän und blieb cool. «Ich weiß auch schon, was uns fehlt. Daran werden wir die nächsten Monate weiter arbeiten», sagte der 44-Jährige. «Wir haben ein sehr großes Emblem und ein großes Logo, aber wir sind immer noch ein Bundesliga-Aufsteiger.» Was für ihn daraus folgt: «Lernen, lernen und lernen. Das ist als Aufsteiger völlig normal.»

Lichtblick Karius

Einziger Lichtblick aus Schalker Sicht einmal mehr: Keeper Loris Karius, der sein Team vor einer deutlich höheren Niederlage bewahrte. Schon in den ersten 60 Sekunden rettete Karius zweimal gegen den auf ihn alleine zulaufenden Sheraldo Becker. «Wir haben einen Weltklasse-Torwart. Die Saison wird schwer, da brauchen wir genauso einen Rückhalt. Auch für die Tage, an denen wir mal nicht so gut sind. Da hält Loris uns im Spiel», sagte Schalkes Timo Becker.