Paderborn (dpa) – Mit einem Spiel beim FSV Mainz 05 startet der SC Paderborn an diesem Samstag in seine dritte Saison in der Fußball-Bundesliga. Anders als nach den beiden ersten Aufstiegen ist der Club mittlerweile schuldenfrei und investierte bereits knapp zehn Millionen Euro in die Verpflichtung neuer Spieler. Trotzdem sind die Ostwestfalen auch diesmal das, was sie bereits 2014 und 2019 waren: ein krasser Außenseiter. Der erste Paderborner Aufstiegstrainer André Breitenreiter (52) sprach mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) über die Entwicklung und über die Chancen des SCP.
Über die Unterschiede zwischen dem SC Paderborn 2014 und dem SC Paderborn heute:
«Als wir 2014 zum ersten Mal in die Bundesliga aufgestiegen sind, wurde das noch als „Wunder von Paderborn“ bezeichnet. Wir waren ein absoluter Underdog, der im Jahr zuvor noch um den Klassenerhalt in der zweiten Liga gekämpft hat. Aber ich glaube: Dieser Bundesliga-Aufstieg damals hat die Weichen für eine sehr erfolgreiche Zukunft bis zum heutigen Tag gestellt. Für eine stetige Entwicklung, für einen total solide geführten Verein, in dem es immer viel Vertrauen für die handelnden Personen gibt.
Der leider mittlerweile verstorbene Präsident Wilfried Finke hat damals nach dem Aufstieg jedem klar vermittelt, was jetzt der Weg des SC Paderborn ist: Es ging darum, den Verein zu entschulden, ein Trainingsgelände zu bauen und eine Infrastruktur zu entwickeln, die ganz entscheidend für die tolle Arbeit der letzten Jahre war. In neue Spieler wurden die Gelder nur minimal eingesetzt. Aber diesen Weg ist der SC Paderborn so konsequent weitergegangen, dass er jetzt vielleicht die Chance hat, mal in der Bundesliga zu bleiben.»
Über die Chancen des SC Paderborn in dieser Saison:
«Wir sind damals sehr unglücklich abgestiegen – erst am letzten Spieltag mit 31 Punkten. Mit dieser Punktzahl wären wir in einigen anderen Saisons dringeblieben. Was man daraus aber ablesen kann, ist: Wir hatten damals einen unglaublichen Saisonstart, weil wir die Euphorie des Aufstiegs mit in die neue Saison nehmen konnten. Und dieser Start wird auch dieses Jahr von entscheidender Bedeutung sein. Denn wenn der Saisonstart misslingt, so wie nach dem zweiten Bundesliga-Aufstieg mit Steffen Baumgart, dann steigt man wahrscheinlich auch sang- und klanglos wieder ab.
Ich glaube aber schon: Dieser Verein hat sich in den letzten Jahren permanent weiterentwickelt. Es gibt dort eine Menge toller Menschen, die den SCP auf ein Niveau gehoben haben, auf dem er mittlerweile auch ein Bundesliga-Jahr überstehen kann.»
Über die Abgänge von wichtigen Spielern wie Mika Baur und Filip Bilbija:
«Natürlich sind das große Verluste für eine Mannschaft. Aber damit muss man in kleineren Vereinen immer leben. Top-Leistungen und Erfolge wecken Begehrlichkeiten. Und gerade an diesem Standort ist das für alle eine Win-Win-Situation. Paderborn bildet junge Spieler aus, erzielt Transfererlöse und investiert die in die Weiterentwicklung des Vereins. Das weiß dort auch jeder. Und gerade deshalb hat dieser Verein ja auch über viele Jahre eine so fantastische Arbeit geleistet.»
Über die Philosophie des Vereins
«Warum habe ich mich damals für den SC Paderborn entschieden? Als erste Profistation als Trainer? Weil das damals schon ein Verein war, der Trainertalente entwickelt und eine klare Identität vorgelebt hat. Schon vor mir war Roger Schmidt da, war André Schubert da, war Jos Luhukay da. Sie haben dort ihre ersten Schritte unternommen. Das ging später mit Steffen Baumgart, Lukas Kwasniok und Ralf Kettemann so weiter.
Dieser Verein hat eine klare Vision und Identität. Und er kann in der Bundesliga völlig frei aufspielen. Selbst in der zweiten Liga gab es nicht den Aufstiegsdruck, unbedingt hoch zu müssen.
Grundsätzlich glaube ich, dass jeder Verein in der ersten Liga so aufgestellt ist, dass er seine Augen überall hat. Aber Paderborn bietet jungen Spielern tatsächlich eine Art Durchlässigkeit, sie auch einzusetzen. Das haben sie über Jahre entwickelt und etabliert. Und das wissen junge Spieler. Das macht den Verein attraktiv.
Im Grunde stellen sich junge Spieler immer nur die gleichen drei Fragen: Gibt es eine gute Kommunikation mit dem Trainer? Habe ich eine Chance auf Einsätze? Und kann ich mich weiterentwickeln? Irgendwann kommt sicher auch das Geld dazu. Aber diese drei Fragen kann man in Paderborn oder Elversberg immer mit Ja beantworten. In vielen Traditionsvereinen haben es junge Spieler schwerer.»

