Siegen (dpa/lnw) – Nach einem Suizidversuch der Angeklagten ist der Strafprozess gegen eine Mutter, die ihre kleine Tochter fast deren ganzes Leben in einem Haus im Sauerland versteckt haben soll, vertagt worden. Wie die Vorsitzende Richterin des Landgerichts Siegen erklärte, habe die 49-Jährige versucht, sich das Leben zu nehmen. Ihr Zustand sei lebensbedrohlich und sie befinde sich in intensivmedizinischer Behandlung. Die Verhandlung wurde daraufhin für den heutigen Prozesstag unterbrochen.
Die Staatsanwaltschaft wirft der Frau unter anderem Misshandlung von Schutzbefohlenen und Freiheitsberaubung vor. Sie soll ihr Kind sieben Jahre lang im Haus der Großeltern in Attendorn in NRW völlig abgeschottet und ihm ein normales Leben verwehrt haben. Wegen Beihilfe sind auch die Großeltern angeklagt, die die Mutter unterstützt haben sollen.
Polizei findet Frau in kritischem Zustand
Der Prozess war in der vergangenen Woche gestartet und sollte an diesem Donnerstag mit der Verlesung der Anklage fortgesetzt werden. Allerdings waren alle drei Angeklagten am Morgen nicht vor Gericht erschienen. Die Polizei war daraufhin ausgerückt, um sie vorführen zu lassen. Wie ein Sprecher der Polizei berichtete, war die Frau von Einsatzkräften in ihrem Haus in einem medizinisch kritischen Zustand gefunden worden. Ein Rettungshubschrauber brachte sie in eine Klinik.
Die Richterin verzichtete daraufhin auch auf eine Vorladung der angeklagten Großeltern. Auch für sie sei die Situation extrem belastend, so die Richterin. Die Verhandlung soll – nach Prüfung der Umstände – frühestens am 4. Februar fortgesetzt werden.

