
Düsseldorf (dpa/lnw) – Der Solarboom hat sich im vergangenen Jahr wie bundesweit auch in Nordrhein-Westfalen etwas abgeschwächt. Landesweit wurden nach Berechnungen des Branchenverbandes LEE rund 173.000 Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von insgesamt 2.000 Megawatt neu in Betrieb genommen. Darunter seien knapp 85.000 Balkonkraftwerke, teilte der Landesverband Erneuerbare Energien NRW (LEE NRW) in Düsseldorf mit. 2024 waren es noch gut 209.000 Solaranlagen mit einer Leistung von insgesamt 2.348 Megawatt.
«Die Solarenergie hat sich zwar landesweit etabliert, der technische und wirtschaftliche Solar-Aufschwung ist allerdings vorerst gestoppt», sagte der LEE NRW-Vorsitzende Hans-Josef Vogel vor der Landespressekonferenz. Für den Rückgang machte Vogel eine «strukturelle Schwäche» des NRW-Solarausbaus verantwortlich: «Der Solarboom basierte in Nordrhein-Westfalen fast ausschließlich auf privaten Dachanlagen. Genau in diesem Segment gab es im letzten Jahr bundes- wie auch landesweit ein Minus von annähernd 30 Prozent.»
Verband: NRW hinkt beim Bau neuer Freiflächenanlagen hinterher
Diesen Einbruch habe das Plus bei Freiflächenanlagen nicht wettmachen können. «2025 sind insgesamt 218 Freiflächen-Projekte mit 380 Megawatt Leistung neu in Betrieb gegangen.» Vogel betonte, dass auf Freiflächen erzeugter Solarstrom «die absolut günstigste regenerative Energie» sei. Insgesamt hinke NRW beim Bau neuer Freiflächenanlagen aber deutlich hinter anderen Bundesländern her.
Vogel forderte vom Land NRW mehr Einsatz für die Solarenergie. So sollten etwa auf landeseigenen Gebäuden mehr Photovoltaikanlagen errichtet werden, wie es die Landesbauordnung auch vorsehe. «Das Land wird beim Ausbau erneuerbarer Energien seiner Vorbildfunktion nicht gerecht.» Er empfahl der schwarz-grünen Landesregierung, eine «Taskforce Solarenergie» einzurichten. Ein solches Gremium habe sich im Windsektor bewährt. «Die Solarenergie ist für die Energiewende in NRW unverzichtbar, weshalb sie auch mehr im Fokus von Politik und Behörden stehen muss.»
Firma Enerparc beklagt Anschlussprobleme – Netz-Gipfel gefordert
Der NRW-Regionalleiter des Solarpark-Entwicklers und -Betreibers Enerparc, Wolfgang Glahn, berichtete von Schwierigkeiten, Solar- und vor allem Batterieparks an das Stromnetz anzuschließen. Er forderte von der Landesregierung, zu einem Netz-Gipfel einzuladen. «Nicht nur im Windsektor hakt es bei den Netzanschlüssen, sondern auch zunehmend bei großen solaren Freiflächenparks und Batteriespeicherprojekten», sagte er.
Solaranlagen erzeugten 2024 in Nordrhein-Westfalen knapp 7 Prozent des eingespeisten Stroms. Insgesamt kamen erneuerbare Energien auf einen Anteil von knapp 27 Prozent. Zahlen für 2025 liegen noch nicht vor.
