
Köln (dpa/lnw) – Der Kölner Stadtrat hat im jahrelangen Streit um den Ausbau des Trainingsgeländes am Geißbockheim vom 1. FC Köln im Stadtteil Sülz einen Lösungsansatz in die Wege geleitet. Eine Mehrheit der Ratsmitglieder stimmte für eine von der SPD-Fraktion eingebrachte Initiative zur Zukunft des Trainingszentrums.
Der Lösungsansatz soll dem Fußball-Bundesligisten drei bestehende städtische Sportplätze in der Nähe des Geißbockheims zur Verfügung stellen, die der 1. FC Köln zu Teilen auf eigene Kosten sanieren und nutzen soll. Konkret geht es dabei um städtische Sportplätze am Fort Deckstein, die der Bundesligist als sogenannte «Satellitenplätze» verwenden kann. Die Initiative wird nach der Zustimmung im Rat nun im nächsten Schritt von der Kölner Stadtverwaltung ergebnisoffen geprüft.
1. FC Köln: «Win-win-Situation»
Der Bundesligist hatte den Lösungsvorschlag der Kölner SPD-Fraktion im Vorhinein begrüßt. «Er ist ein pragmatischer Kompromiss und schafft eine echte Win-win-Situation: Wir nehmen als 1. FC Köln eigenes Geld in die Hand, um veraltete städtische Sportanlagen zu ertüchtigen», sagte Philipp Türoff, Geschäftsführer des 1. FC Köln in einer Vereinsmitteilung.
«Für uns bietet dieses Konzept nach jahrelangen Hängepartien endlich eine Perspektive, um unsere drängende Platznot spürbar zu lindern», sagte Türoff. Außerhalb der Nutzungszeiten des 1. FC Köln könne demnach der Kölner Breitensport von den neuen Sportanlagen profitieren.
Naturschützer klagen
Darum geht es: Der von der Stadt Köln im Jahr 2020 beschlossene Bebauungsplan mit dem Titel «RheinEnergieSportpark in Köln-Sülz» ist umstritten. Der Verein will die bestehende Sportanlage rund um das im Stadtteil Sülz gelegene Geißbockheim aus Platzgründen erweitern, um mit einem ausgebauten Trainingszentrum im Profifußball konkurrenzfähig zu sein.
Als Ausgleich sollen laut des Bebauungsplanes von 2020 im Grüngürtel der Stadt auf der sogenannten Gleueler Wiese Kleinspielfelder für die Öffentlichkeit entstehen. Naturschützer kritisieren die dadurch entstehende Vollversiegelung und den Verlust für die Allgemeinheit der unter Denkmal- und Landschaftsschutz gestellten Grünfläche.
Gerichtstermin kurzfristig verschoben
Das nordrhein-westfälische Oberverwaltungsgericht (OVG) hatte den Bebauungsplan im Jahr 2022 deshalb gekippt. Der Verein ging daraufhin in Revision. Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hatte diese Entscheidung im April 2024 aufgehoben und den Streit zu einer weiteren Verhandlung und neuen Entscheidung zurück zum Oberverwaltungsgericht in Münster verwiesen.
Das Gericht in Münster hatte zuletzt den Gerichtstermin im Juni kurzfristig von der Tagesordnung genommen. Ein neues Gutachten zu streng geschützten Arten wie Tagfaltern, Grashüpfern und Libellen hatte am Vortag des Termins im Juni für eine Verschiebung der Verhandlung in Münster gesorgt. Naturschützer hatten das Gutachten zum Bebauungsplan kurzfristig an das Gericht gegeben. Das Verfahren am Oberverwaltungsgericht in Münster soll am 14. August wieder aufgenommen werden.
Auch die Fanszene des 1. FC Köln hatte sich in der Vergangenheit in den Streit um das Geißbockheim eingebracht und sich für den Verbleib am traditionellen Trainingsstandort starkgemacht. Anfang 2027 möchte der 1. FC Köln mit dem Bau eines neuen Nachwuchsleistungszentrums beginnen. Dadurch würde ein Platz auf dem Trainingsgelände wegfallen.
