Bei den von der Gruppe «Gen Z regelt» angestoßenen Protesten ging es unter anderem um Bildung, ein bezahlbares Leben, Klimaschutz und die Ablehnung einer Einführung der Wehrpflicht.
Bei den von der Gruppe «Gen Z regelt» angestoßenen Protesten ging es unter anderem um Bildung, ein bezahlbares Leben, Klimaschutz und die Ablehnung einer Einführung der Wehrpflicht. Foto: Max Lametz/dpa

Köln (dpa) – In Nordrhein-Westfalen haben am Samstag nach Polizeiangaben mehrere Tausend Menschen an Jugend-Demonstrationen teilgenommen. Bei den von der Gruppe «Gen Z regelt» angestoßenen Protesten ging es unter anderem um Bildung, ein bezahlbares Leben, Klimaschutz und die Ablehnung einer Einführung der Wehrpflicht. Die Versammlungen in mehreren NRW-Städten verliefen weitgehend friedlich, mancherorts wurde allerdings Pyrotechnik gezündet. In Köln kam es zu Zusammenstößen gewaltbereiter Demonstranten mit der Polizei.


«Die Hauptbotschaft ist: Hört den jungen Menschen zu, aber setzt ihre Themen und ihre Anliegen auch um», sagte Marie Hacker von der Landesschülerinnenvertretung NRW in einem WDR-Interview am Rande der Demo in Köln. Nach dem Protest brauche es politisches Handeln, forderte die 17-Jährige.

Polizei setzt in Köln Wasserwerfer ein

In Köln kamen am Rande der Gen-Z-Demo Wasserwerfer zum Einsatz, nachdem laut Polizei Demonstranten Einsatzkräfte angegriffen hatten. Aus den Reihen der Demonstrierenden seien Pyrotechnik und Steine auf Einsatzkräfte geworfen worden, berichtete eine Polizeisprecherin. Ein Beamter sei an der Hand verletzt worden und habe seinen Dienst nicht fortsetzen können. Ein Demo-Teilnehmer sei festgenommen worden. Ermittelt werde wegen schweren Landfriedensbruchs.

Die Demo fand an einem Abschnitt des Rheinufers statt. Dort waren nach Angaben der Polizei am Abend rund 700 Demonstranten festgesetzt worden. Nach und nach würden die Personalien aufgenommen, sagte die Sprecherin.

An der Demonstration in Köln beteiligten sich laut Polizei mehrere tausend Menschen, aber weniger als die angemeldeten 15.000. Ein Gen Z-Vertreter bezifferte die Zahl der Teilnehmenden mit 15.000.

Polizei berichtet von randalierenden Gruppen im Kölner Stadtgebiet

Der Polizei wurden den Angaben zufolge außerdem aus verschiedenen Bereichen des Stadtgebietes dunkel gekleidete Gruppen mit teilweise 30 oder 40 Personen gemeldet, die randalierend unterwegs gewesen seien. Sie hätten gegen Wände getreten, geschrien und auch Pyrotechnik verwendet. «Das ist öfter gemeldet worden», sagte die Sprecherin. Auch ein Container soll angezündet worden sein.

Am frühen Abend setzte die Polizei eine weitere Gruppe von etwa 50 Personen auf der Einkaufsmeile Hohe Straße fest. Die Situation löste sich später wieder auf.

Am späten Abend spitze sich die Lage in der Innenstadt zeitweise durch etwa 200 teils randalierende Personen zu, wie ein dpa-Reporter berichtete. Auf der Domplatte kam es zu Angriffen auf Polizisten, Flaschen wurden geworfen, Fahrräder flogen, ein Mensch erlitt Verletzungen. Randalierer wurden festgesetzt. Es gab nach Polizeiangaben fünf Ingewahrsamnahmen.

In einer Nebenstraße ging demnach eine Fensterscheibe durch einen geworfenen E-Scooter zu Bruch. Eine Polizeisprecherin sprach von einem dynamischen Lagebild. Zuvor hatte die Polizei mitgeteilt, an mehreren Stellen im Stadtgebiet komme es zu Einsätzen aufgrund von Störern, die Böller und Raketen zündeten.

Der Kölner Polizeipräsident Johannes Hermanns verurteilte die Gewalt am Rande der Gen-Z-Demo. «Es ist traurig und trifft mich sehr, dass junge Menschen, die friedlich für ihre Zukunft demonstrieren wollten, heute von Extremisten unterwandert wurden, die nichts anderes als Gewalt im Sinn hatten», teilte Hermanns der Deutschen Presse-Agentur mit.

Demos in Essen und Düsseldorf überwiegend friedlich

In Essen zog die Polizei am Abend ein positives Fazit. 3.500 Personen hätten sich an dem Aufzug beteiligt. Die überwiegende Mehrheit der Teilnehmer habe sich friedlich verhalten. Fünfmal sei allerdings Pyrotechnik gezündet worden. Es habe drei Strafanzeigen wegen Beleidigung gegeben.

In Düsseldorf verlief der Protest ebenfalls weitgehend ohne Probleme – bis auf eine kurze Unterbrechung auf der Luxusmeile Königsallee, bei der der Zug kurzzeitig ins Stocken kam. Grund dafür: Die Spitze war in eine falsche Straße eingebogen. Wenig später wurde der Weg zum Rheinufer fortgesetzt. Mehr als 2.500 Menschen nahmen nach Polizeiangaben an dem Protestzug teil. Ein Polizist sei mit Pyrotechnik beworfen worden.

In Aachen nahmen nach Polizeiangaben etwa 1.500 Personen an der Demonstration teil. Gegen einen Mann, der Pyrotechnik aus der Menge heraus gezündet hatte, wurde Strafanzeige gestellt. Ein anderer Teilnehmer soll Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen verwendet haben, wie es hieß. Grundsätzlich sei die Lage in Aachen aber friedlich gewesen. 

In Bielefeld blieb die Teilnehmerzahl laut Polizei unter der angemeldeten Anzahl von 3.000. Die Menschen protestierten friedlich und ordnungsgemäß, sagte eine Polizeisprecherin. Am Rande kam es aber zu einem Notfall, bei dem ein Mann verletzt wurde. Die Polizei schloss einen Zusammenhang mit gezündeter Pyrotechnik nicht aus. Der Verletzte kam ins Krankenhaus. Vermummte zündeten noch weitere Pyrotechnik. Im weiteren Verlauf verschafften sich etwa 20 Menschen Zugang zu einem leerstehenden Kasernengebäude. Sie zeigten Banner mit der Aufschrift «Wohnraum schaffen statt Waffen». Strafbares Verhalten habe es nicht gegeben, so die Polizei.

Pyrotechnik und Böller in NRW-Städten

In Bonn kamen rund 500 Menschen im Hofgarten zusammen. Laut Polizei war dort vorab keine Versammlung angemeldet worden. Im Zuge der Veranstaltung sei später Pyrotechnik aus einer Gruppe von etwa 20 Personen heraus gezündet worden. Polizeibeamte kontrollierten sechs Personen, drei erhielten Strafanzeigen und einen Platzverweis.

In Dortmund zogen rund 700 Menschen bei den Protesten mit. Im Nachgang hätten Jugendliche Pyrotechnik gezündet und seien anschließend geflohen. Die Polizei griff sie aber wenig später auf. Bei der Durchsuchung wurden noch weitere Böller gefunden. An anderer Stelle wurden zwei Kinder im Alter von 14 und 15 Jahren von mehreren Personen angegriffen. Wie die Polizei mitteilte, erlitt der 14-Jährige eine Kopfverletzung. Der 15-Jährige wurde an der Hand verletzt. Beide kamen ins Krankenhaus.

In Wuppertal endete ein Zug einer Mitteilung der Polizei zufolge friedlich und störungsfrei. Rund 500 Menschen hatten daran teilgenommen. 

In Münster zogen rund 1.700 Demonstrierende vom Hafen durch die Innenstadt. Dabei kam es auch zu einem Vorfall mit Pyrotechnik. Menschen kamen aber nicht zu Schaden. Der Verursacher wurde nach Angaben der Polizei nicht gefunden.