Siegen (dpa/lnw) – Mehrere tausend Menschen haben am Abend in Siegen für den Erhalt von Stahlarbeitsplätzen beim Unternehmen Deutsche Edelstahlwerke (DEW) demonstriert. Dazu aufgerufen hatte die IG Metall. Sie sieht mehrere hundert Arbeitsplätze in der Region bedroht, nachdem der Mutterkonzern Swiss Steel vor zwei Wochen eine Teilschließung des Werks angekündigt hatte. An dem Demonstrationszug im Stadtteil Geisweid nahmen nach Angaben der Polizei rund 3.500 Menschen teil, darunter auch Familien der Werksangehörigen.
Swiss Steel will die DEW-Kapazitäten in Witten und Siegen bündeln und im Gegenzug die Werke in Hagen und Krefeld verkaufen oder schließen. Die Stahlproduktion soll in Witten konzentriert werden. Das Stahlwerk in Siegen soll «pausieren», so die Ankündigung. Bei einer Verbesserung der Marktlage soll es unter Umständen wieder in Betrieb genommen werden. Davon betroffen sind laut Firmenangaben rund 220 Menschen. Das Siegener Walzwerk mit rund 700 Beschäftigten soll dagegen «integraler Bestandteil» des künftigen Produktionsverbunds bleiben. Das Unternehmen begründet die geplanten Maßnahmen mit einem schrumpfenden Markt.
Bürgermeister: «Ein Stahlwerk ist kein Lichtschalter»
Die Demonstration stand unter dem Motto «Verstummt der Puls des Stahls, verliert Geisweid sein Herz». Siegens Bürgermeister Tristan Vitt (SPD) kritisierte das angekündigte «Pausieren» des Stahlwerks. «Ein Stahlwerk ist kein Lichtschalter, den man einfach ausknipst und Jahre später wieder einschaltet», sagte er laut vorab veröffentlichtem Redetext. Wer sich über Generationen auf die Arbeit und Loyalität der Beschäftigten habe verlassen können, schulde mehr als eine Videobotschaft und die Erklärung, ihre berufliche Zukunft werde jetzt pausiert, sagte der 29-Jährige. Er erwarte von Swiss Steel, dass sämtliche Möglichkeiten zum Erhalt der Stahlproduktion ernsthaft geprüft würden.

