Vollmarcant räumt bei den «VideoDays Awards» gleich vier Preise ab.
Vollmarcant räumt bei den «VideoDays Awards» gleich vier Preise ab. Foto: Henning Kaiser/dpa

Köln (dpa) – Der politische Webvideoproduzent Vollmarcant ist der große Abräumer der VideoDays Awards. Der Streamer aus Frankfurt am Main wurde bei der selbst ernannten «Oscar-Verleihung der Social-Media-Branche» zum Creator des Jahres gekürt. Außerdem bekam er bei einer Gala in Köln die Preise in den Kategorien Kurzvideos («Best in Shortform»), Nachrichten («News & Commentary») und soziale Verantwortung («Social Responsibility»).


Die 50-köpfige Jury würdigte insbesondere, dass Vollmarcant «politische Auseinandersetzungen mit Argumenten, Fakten und direktem Dialog gerade für ein junges Social-Media-Publikum zugänglich» mache.

«Ich finde es schön, wie viel Rückhalt er von der Gesellschaft bekommt, und zwar altersübergreifend», sagte Tobias Schiwek, Geschäftsführer des Medienunternehmens We Are Era, das den Branchentreff organisiert. «Sicher hat er viele Kämpfe zu kämpfen. Aber alle sind froh, dass es jemand tut.»

Das ist Vollmarcant

Der Livestreamer wurde vor allem durch Interviews bekannt, in denen er auf Demonstrationen und Veranstaltungen mit AfD-Anhängern und Rechtsextremen über ihre Überzeugungen spricht – und häufig so lange nachfragt, bis Widersprüche sichtbar werden.

Der 2002 geborene Jura-Student startete ursprünglich mit Gaming-Inhalten, verlagerte seinen Fokus aber zunehmend auf politische Aufklärung. Innerhalb kurzer Zeit erreichte er auf YouTube und TikTok jeweils mehr als eine halbe Million Follower sowie Millionen Aufrufe. Für seine Arbeit erhielt er die Theodor-Heuss-Medaille und den Publikumspreis «Blauer Panther».

Wegen massiver Bedrohungen tritt Marcant, der mit Vornamen Marc heißt und Mitte 20 ist, ausschließlich unter seinem Künstlernamen auf und verbirgt seinen Wohnort sowie Details zu seiner Identität. Er beschreibt seine Arbeit als Versuch, vor allem junge Menschen aus rechtsextremen Milieus zum Hinterfragen zu bewegen.

Appell an Creator: Haltung zeigen

Der Webproduzent ermutigte bei einer seiner Dankesreden auch die anderen Creators im Saal, sich zu positionieren. «Es ist nie zu spät. Es hat gerade erst begonnen. Ich kann jedem nur empfehlen: Fangt an, seid laut, sprecht mit eurem Umfeld, äußert euch auf Social Media, es lohnt sich immer.»

Auch Schiwek sieht die Branche in der Pflicht, politisch Haltung zu zeigen. «Wenn ich mein Geschäftsmodell auf Reichweite aufbaue, darf ich mich dann nicht als einflusslos darstellen, wenn es verlangt ist. Gerade die letzten Monate haben gezeigt: Nur weil du schweigst, bist du nicht neutral. Und es ist nicht mehr die Zeit zu schweigen.» Reichweite sei politisch.

Das wurde auch auf dem roten Teppich vor der Zeremonie im Kölner E-Werk deutlich: Aktivistin Theresia Crone machte mit einem weißen T-Shirt und der Aufschrift «Mein Körper, kein Porno» auf digitale Gewalt aufmerksam. Die Jurastudentin entdeckte als 21-Jährige selbst gefälschte pornografische Bilder von sich im Netz.

Das sind die weiteren Gewinnerinnen und Gewinner

Bei den VideoDays Awards wurden insgesamt 19 Trophäen verliehen, unter anderem an den Berliner Extremsportler Arda Saatçi («Sports»), Selfiesandra («Vlog»), Vince («Best in Longform», «Storytelling») und maraamharaam («Comedy»).

Vor der Preisverleihung hatten sich beim VideoDays Festival tagsüber etwa 800 Content Creators mit rund 700 Akteuren der Kreativ- und Medienbranche vernetzt – wie Produzenten, Medienhäuser und Agenturen. Es gab mehrere Diskussionsrunden.

«Es gibt sonst keinerlei Begegnungsstätte im physischen Leben. Was jede Creator-Karriere ausmacht, ist Kooperation. Damit die Menschen sich treffen und gemeinsam Projekte angehen können, ist so eine Fläche wie hier ideal», sagt Schiwek.

Die Creator-Szene ist auch wirtschaftlich ein bedeutender Faktor. Deutschland zählt laut Landesmedienanstalt NRW mit geschätzten 7,7 Milliarden Euro Marktvolumen im Jahr zu den größten europäischen Märkten.