Blick auf das Schuldorf von der Tribüne des Sportplatzes, auf dem jetzt rund 600 Container stehen.
Blick auf das Schuldorf von der Tribüne des Sportplatzes, auf dem jetzt rund 600 Container stehen. Foto: Fabian Strauch/dpa

Erkrath (dpa/lnw) – Auf den Umzugskartons im neuen Schuldorf liegen einige der erhaltengebliebenen «Schätze». Hausmeister Sascha Sommer entrollt eines der Schulwandbilder am Holzstab aus dem alten Gebäudekomplex, der von einem Feuer zerstört wurde. Das Rollbanner zeigt keine Orchideen oder andere exotischen Pflanzen – so schön sehen also die Blüten von Erbsen aus. «Teilweise sind die Karten 70, 80 Jahre alt», erklärt der Hausmeister. 


Besonderer Schulstart

Für insgesamt 1.200 Schüler zweier Schulen in Erkrath bei Düsseldorf beginnt nach den Sommerferien nicht einfach ein neues Schuljahr. Für sie startet der Unterricht in einem extra errichteten zweigeschossigen Containerbauwerk. Es wird Schuldorf genannt. Kleine Farbstreifen an den Glastüren sollen den Schülern eine Orientierungshilfe sein: Grüne Streifen stehen für die Realschule und blaue Streifen für das Gymnasium im Erkrather Stadtteil Hochdahl. 

Verheerendes Feuer 

Mitte Mai vergangenen Jahres zerstörte ein verheerendes Feuer den alten Schulkomplex mit den beiden Schulen. Die schwarze Rauchsäule stand weithin sichtbar über dem Standort. Schüler waren glücklicherweise zu der Zeit nicht mehr vor Ort. Ein Kurzschluss in der Photovoltaik-Anlage auf dem Dach löste den Brand aus, wie die Polizei ermittelte. Demnach breitete sich das Feuer dann von dort aus innerhalb weniger Minuten aus und entfachte zum Vollbrand.

Abriss für Neubau

Der Abriss der Ruine ist schon weit fortgeschritten, wie Schuttberge zeigen. Eine Fassadenseite steht dahinter noch. An anderer Stelle baggern Bauarbeiter im Boden. Ein Minion auf dem Mülleimer neben der Treppe schaut besonders traurig aus. Er ist von Unkraut und Büschen praktisch umzingelt. Hier ist schon lange kein Kind mehr vorbeigekommen, denn hier ist weiterhin Baustelle. Das neue Schuldorf ist nur wenige Meter weiter auf dem Sportplatz entstanden. 

Schuldorf auf Sportplatz mit Millionenaufwand

Da, wo die Rasenfläche war und Fußball gespielt wurde, steht jetzt ein riesiges Puzzle aus rund 600 Einzelcontainern. Die ovale Laufbahn des Stadions ist asphaltiert für die Feuerwehr. Die Kosten für Aufbau, Containermiete und Wiederherstellung des Sportplatzes werden laut Stadt auf 25 Millionen Euro veranschlagt. Das Schuldorf steht nur auf Zeit. Ein Schulneubau ist geplant. Angedacht ist, dass der neue Schulkomplex zum Schuljahr 2029/2030 steht. 

Lange Zeit Pendelbetrieb in die Nachbarstadt 

«Wir sind voller Energie», sagt Simone Richter, stellvertretende Leiterin der Realschule Hochdahl mit Blick auf die neuen Räume. «Die Kinder können von zu Hause aus dann direkt hierhin laufen und müssen nicht mehr so früh aufstehen», verdeutlicht sie einen Unterschied zum bisherigen Pendelbetrieb. Busse der Rheinbahn fuhren die Schüler 216 Schultage zum Ausweichquartier hin und zurück, einem Schulkomplex in Benrath der Nachbarstadt Düsseldorf. 

Wichtige Angebote fehlten 

Aber auch das Betreuen und Fördern von Schülern am Nachmittag in der Schule sei jetzt wieder möglich. Der wichtige Ganztag «hat uns sehr gefehlt», sagt Richter und fügt hinzu: «Die ganzen schönen Dinge, das Leben hat so ein bisschen gefehlt.» AGs, Lernzeiten, Klassenlehrerstunden, «alles, was so die Interaktion nochmal am Rande des Unterrichts anbietet», zählt sie auf. Es habe keinen Einbruch bei den Schülerzahlen gegeben, «wir sind sogar gewachsen».

Alte Schulmöbel in neuen Räumen

Ein Stück Benrath ist auch in dem neuen Schuldorf zu finden: Die Tische und Stühle in der Mensa des Gymnasiums etwa stammen aus dem Schulzentrum in der Nachbarschaft. Das gelte auch für weiteres Mobiliar am Gymnasium, wie Hausmeister Sommer erzählt. Andere Tische, Stühle und auch einige interaktive Tafeln konnten aus dem abgebrannten Schulkomplex geborgen werden. Nach einer Reinigung kamen sie zum Ausweichstandort und jetzt wieder zurück.

Willkommensfest geplant 

Mehr als 200 Blas- und Streichinstrumente des Gymnasiums waren wegen einer Brandschutzsanierung des alten Schulkomplexes schon ausgelagert und fielen somit nicht den Flammen zum Opfer. «Glück im Unglück», meint Sommer. Er freut sich auf die Schüler und wieder richtiger Hausmeister sein zu dürfen. Nach ein paar Tagen Ankommen und Gestalten der Klassenräume wird im Schuldorf das «Comeback» gemeinsam mit Eltern gefeiert, wie Richter sagt.