
Köln/Düsseldorf/Essen (dpa/lnw) – Nordrhein-Westfalen startet mit großen Namen, selten gespielten Werken und einer spektakulären Bühnen-Heimkehr in den Theaterherbst 2026: Köln bezieht nach rund 14 Jahren Sanierungszeit wieder die Oper am Offenbachplatz.
Die vom Kölner Publikum sehnsüchtig erwartete Rückkehr ins neue alte Haus startet nach einem großen Bürgerfest künstlerisch mit Richard Strauss‘ «Rosenkavalier» – eine der bekanntesten Opern der Welt und lange ausverkauft – ein wirklicher Willkommenstusch.
Start mit Wagner in Düsseldorf
In Düsseldorf steht zum Saisonbeginn der Deutschen Oper am Rhein Richard Wagners «Die Meistersinger von Nürnberg» im Fokus. Regie führt Daniel Kramer, der sich im Haus bereits mit ungewöhnlichen Bildern einen Namen gemacht hat: In Korngolds «Die tote Stadt» arbeitete er mit lebensgroßen Schaufensterpuppen, in Donizettis «Prima la Mamma!» mit schrillen, überdimensionierten Requisiten wie riesigen Gummipenissen.
Im Theater Duisburg gibt es am 3. Oktober Alexander Zemlinskys «Der Kreidekreis» in der Regie von David Bösch. Die Oper verweist auf das durch Verfolgung und Exil beinahe verstummte Musiktheater der frühen 1930er Jahre. In der Oper geht es auch um die Härte eines Despoten-Regimes, das Stück wurde kurz nach der Uraufführung 1933 von den Nationalsozialisten von den Spielplänen verbannt.
Dystopie ohne Licht und Wasser am Aalto
Das Aalto-Musiktheater Essen setzt am 3. Oktober auf eine Rarität: «Das Wunder der Heliane» von Erich Wolfgang Korngold. Regisseurin Elisabeth Stöppler verlegt die Oper in eine dystopische Welt, in der Licht und Wasser nahezu erschöpft sind. Korngolds spätromantische, klangmächtige Partitur trifft damit auf ein Szenario von Untergang und Hoffnung. Die Aufführung dauert vier Stunden, einschließlich zweier Pausen.
Und vor Weihnachten «Hänsel und Gretel»
Beim Theater Dortmund startet die Opernsaison ausnahmsweise mit einem Musical – «Rebecca» unter der Leitung des Regisseurs und Folkwang-Professors Gil Mehmert am 19. September. Das Werk von Sylvester Levay und Michael Kunze nach dem berühmten und von Alfred Hitchcock verfilmten Roman von Daphne du Maurier ist erstmals an einem deutschen Stadttheater zu sehen. Es entsteht in Zusammenarbeit mit den Vereinigten Bühnen Wien.
Ende November bringt das Haus Humperdincks Opernklassiker «Hänsel und Gretel» in einer Neuinszenierung auf die Bühne – eher leichte Kost und eine Einladung an Familien in der Vorweihnachtszeit.
Kleist in Düsseldorf und ganz viel «Heiße Luft»
Das Düsseldorfer Schauspielhaus beginnt die erste Spielzeit unter dem neuen Intendanten Andreas Karlaganis mit einem Klassiker – Kleists «Prinz Friedrich von Homburg», inszeniert von Ulrich Rasche (18. September).
Einen ganz anderen Akzent setzt der Regisseur und Kunstpfeifer Nikolaus Habjan. Er gibt am 3. Oktober unter dem Motto «Heiße Luft» und mit Klavierbegleitung gepfiffene Arien aus drei Jahrhunderten Opern- und Operettengeschichte zum Besten. Nebenbei vermittelt er den Zuhörern dabei musikalisches Wissen zu den Stücken.
Das Schauspielhaus Bochum eröffnet seine Herbstpremieren am 2. Oktober mit «Clockwork Orange» nach Anthony Burgess. Einen Tag später folgt «Der Liebling» von Svenja Viola Bungarten. Ende Oktober ist die deutschsprachige Erstaufführung von Richard Gadds «Rentierbaby» angekündigt. Die Saison ist zugleich die neunte und letzte Spielzeit unter der Intendanz von Johan Simons.
Theater Oberhausen schafft die Könige ab
Das Theater Oberhausen knüpft mit seiner Spielzeit an das Motto der Trump-kritischen Demonstranten «No Kings» an – das Theater schafft die Könige ab. Eröffnet wird die Saison am 12. September mit einem Theaterfest und dem ausverkauften Liederabend «The King Has Left the Building» mit dem gesamten Ensemble. Auf dem Programm stehen später in der Saison unter anderem Albert Camus‘ «Caligula» und Maria Milisavljevićs «Staubfrau».
«Ende einer Dienstfahrt» in Bonn
Heinrich Bölls Nachkriegssatire «Ende einer Dienstfahrt» feiert im Schauspielhaus Bonn am 6. November in der Regie von Armin Petras die Uraufführung als Theaterfassung. Was als kleiner Akt des Ungehorsams beginnt, entwickelt sich zu einer absurden Farce über Staat, Ordnung und gesellschaftliche Anpassung.
Pinas letztes Werk in Wuppertal
Das Tanztheater Wuppertal Pina Bausch setzt in der Spielzeit 2026/27 auf elf Werke aus vier Jahrzehnten. Eröffnet wird die Spielzeit am 18. September mit dem letzten Werk der 2009 gestorbenen weltberühmten Choreographin, «… como el musguito en la piedra, ay si, si, si …» (Wie das Moos auf dem Stein). Im Januar kehrt das neu einstudierte Stück «Der Fensterputzer» (1997) nach Wuppertal zurück. Es markiert einen besonderen Moment: Mechthild Großmann übergibt ihre ikonische Rolle an die Darstellerin Melissa Madden Gray und macht damit den Generationenwechsel innerhalb der Bausch-Tradition sichtbar.
