Immer häufiger sind Jugendliche und Kinder Tatverdächtige, wenn es um Gewalttaten geht.
Immer häufiger sind Jugendliche und Kinder Tatverdächtige, wenn es um Gewalttaten geht. Foto: Stefan Sauer/dpa

Berlin (dpa) – Wenn bei Mord oder Totschlag ein Kind unter Verdacht gerät, ist das Aufsehen groß. Insgesamt ist der Anteil Minderjähriger unter den Tatverdächtigen bei solchen schweren Gewalttaten zwar niedrig. Die polizeiliche Kriminalstatistik weist für 2024 aber einen deutlichen Anstieg aus: Bei Kindern stieg die Zahl der Verdächtigen um 11,3 Prozent auf 13.755 Fälle, bei Jugendlichen um 3,8 Prozent auf 31.383. Das Bundeskriminalamt (BKA) meldet außerdem, dass der Anteil von Kindern und Jugendlichen an allen Tatverdächtigen bei Gewalttaten einen neuen Höchststand erreichte: Kinder haben demnach einen Anteil von 7,0 Prozent an allen Tatverdächtigen der Gewaltkriminalität, bei den Jugendlichen sind es 15,9 Prozent.


Auswahl von Fällen

Von Zehntausenden Fällen der letzten Jahre bleiben einige Schlagzeilen in Erinnerung:

– Ein 16-Jähriger aus dem nordrhein-westfälischen Dorsten soll vergangenen Sommer seine Nachbarin und deren 19 Monate alte Tochter durch Tritte und Schläge getötet haben.

– Eine damals 13-Jährige aus Leipzig soll im Oktober 2024 auf ihre sieben Jahre alte Schwester eingestochen und diese tödlich verletzt haben. Verschiedene Medien spekulieren über einen Zusammenhang zu der Online-Gruppe 764, in welcher zur Tat aufgerufen worden sein könnte. Die Ermittlungen diesbezüglich sind jedoch bisher nicht abgeschlossen.

– Ein damals 14-Jähriger aus Pragsdorf in Mecklenburg-Vorpommern hat 2023 ein sechs Jahre altes Kind in einem Gebüsch misshandelt und erstochen. Im Jahr darauf verurteilt ihn das Landgericht Neubrandenburg zu sieben Jahren und neun Monaten wegen heimtückischen Mordes. Der zum Zeitpunkt des Prozesses 15-Jährige gestand seine Tat.

– Ein damals 14-Jähriger hat 2023 im fränkischen Lohr am Main einen Gleichaltrigen erschossen. Im August 2024 wurde der Junge wegen Mordes zu einer Jugendstrafe von achteinhalb Jahren verurteilt. Er hatte gestanden.

– Ein damals 14-Jähriger hat im Januar 2023 einen gleichaltrigen Jungen in Wunstorf bei Hannover erschlagen. Mit einer zehnjährigen Jugendstrafe erhielt der Junge später die Höchststrafe im Jugendstrafrecht für den Mord.

– Eine damals 12-jährige aus Freudenberg in Nordrhein-Westfalen wurde im März 2023 durch zahlreiche Messerstiche getötet. Zwei Mädchen im Alter von 12 und 13 Jahren haben die Tat gestanden.

Psychische Belastung bei Kindern und Jugendlichen nimmt zu

Das BKA erklärt im Rahmen der Kriminalstatistik, dass die psychische Belastung bei Kindern und Jugendlichen seit einigen Jahren zunehme. In Zusammenhang mit anderen Faktoren könne dies die Wahrscheinlichkeit für Gewaltstraftaten erhöhen, heißt es weiter. Weitere Risikofaktoren seien wirtschaftliche Unsicherheiten, mit Gewalt verbundene Männlichkeitsnormen sowie familiäre Faktoren wie etwa häusliche Gewalt.

Laut Strafgesetzbuch ist schuldunfähig, wer bei Begehung der Tat noch keine 14 Jahre alt ist. Zuletzt wurde immer wieder darüber diskutiert, das Alter für Strafmündigkeit abzusenken. Hintergrund waren auch besonders extreme Fälle, in denen Kinder als Täter beziehungsweise Tatverdächtige galten.