
Ratingen | Eine Reise mit historischem Gewicht und aktuellem Anspruch führt Ende April von Ratingen nach Oberschlesien. Unter dem Titel „Auf den Spuren von Leo Baeck und des jüdischen Erbes in Oberschlesien“ reisen der Vorsitzende des Jüdischen Kulturvereins Schalom Ratingen, Vlad Ilstein, und der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Haus Oberschlesien, Sebastian Wladarz, vom 21. bis 24. April in die Region. Die Fahrt ist das Ergebnis erster Gespräche beider Institutionen und zugleich Auftakt für eine vertiefte Zusammenarbeit.
Im Mittelpunkt steht die Würdigung des jüdischen Lebens in Oberschlesien sowie die Erinnerung an Leo Baeck, einen der bedeutendsten Rabbiner und Gelehrten des europäischen Judentums. Sein Name steht bis heute für geistige Klarheit, Dialogbereitschaft und Verantwortung in schwierigen Zeiten. Dass sich sein Todestag in diesem Jahr zum 70. Mal jährt, verleiht der Reise zusätzliche Symbolkraft.
Die Initiatoren wollen mit dem Programm nicht nur historische Spuren sichtbar machen, sondern auch den Blick auf die Gegenwart richten. Gerade in einer Zeit, in der jüdisches Leben in Europa wieder verstärkt Schutz, Aufmerksamkeit und Solidarität benötigt, soll die Reise ein Zeichen setzen. Es geht darum, jüdische Geschichte in ihrer Tiefe wahrzunehmen, grenzüberschreitende Verbindungen zu stärken und neue Impulse für Dialog und Erinnerungskultur zu geben.
Oberschlesien bietet dafür einen besonders eindrucksvollen Rahmen. Die Region gilt als Brückenraum zwischen Polen und Deutschland und verfügt über ein reiches jüdisches Erbe. Jüdische Familien und Persönlichkeiten prägten dort über Generationen hinweg Kultur, Wissenschaft, Wirtschaft und das gesellschaftliche Leben. Gleichzeitig gehört es zur historischen Wahrheit, dass ausgerechnet diese Heimatregion mit ihren vielen Auschwitz-Außenlagern auch ein Ort von Entrechtung, Ausbeutung und Vernichtung wurde. Gerade dieser Widerspruch macht deutlich, wie wichtig eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Geschichte bleibt.
Zu den vorgesehenen Stationen gehören unter anderem Oppeln mit dem Museum des Oppelner Schlesiens und einer Gedenktafel für Leo Baeck, Gleiwitz mit dem Gedenkhaus Oberschlesischer Juden, dem alten jüdischen Friedhof sowie dem Denkmal für die Opfer des Todesmarsches durch Schönwald, außerdem Beuthen und Kattowitz mit weiteren historischen und aktuellen Begegnungsorten.
Geplant sind Gespräche mit Vertretern jüdischer Gemeinden, kultureller und wissenschaftlicher Einrichtungen sowie der Zivilgesellschaft. Die Reise soll bestehende Kontakte vertiefen und eine größere Fahrt der jüdischen Gemeinschaft aus dem Kreis Mettmann vorbereiten. Damit wird sie nicht nur zu einer Begegnung mit der Vergangenheit, sondern auch zu einem Schritt in Richtung künftiger Zusammenarbeit.
