Ratingen | Endlich bewegt sich etwas. Ein spürbarer Wandel erfasst Ratingen – und er ist kein kurzfristiges Aufflackern, sondern hat Substanz. (Meinungsartikel von Wolfram Brecht, Kulturkreis Hösel)
Das Institut der Deutschen Wirtschaft bescheinigt der Stadt einen sehr ordentlichen Platz im oberen Viertel aller wichtigen Kriterien – von Daseinsvorsorge bis Einwohnerzufriedenheit. Aber Zahlen erzählen nur einen Teil der Geschichte. Was sich wirklich verändert hat, ist die Haltung: Man schaut nicht mehr nur auf das eigene Projekt, den eigenen Stadtteil, den eigenen Verein. Man vernetzt sich, stimmt sich ab, arbeitet zusammen – generationenübergreifend und stadtteilteilübergreifend. Nach einer Kommunalreform 1975, die viele als schmerzhafte Zäsur erlebt haben, ist das alles andere als selbstverständlich.
Woher kommt diese Energie? Wichtige Impulse gingen und gehen von den lebhaften Jubiläumsplanungen aus, die neue Identifikation gestiftet haben. Vor allem aber kommt der Antrieb aus dem Rathaus: Ein Generationswechsel in der Politik macht vieles möglich, was lange fehlte. Plötzlich bekommt die Gründerszene eine Bühne. Eine längst überfällige Diskussion über eine Hochschule in Ratingen ist endlich angestoßen. Ein neues Stadttheater entsteht. Der Marktbrunnen erstrahlt in neuem Glanz. Zwei Ratingen-Apps helfen bei der Orientierung im Alltag. Die Medienlandschaft wächst – und berichtet mit Herzblut über die Stadt.
Ratingen wird digitaler, ohne dabei ältere Generationen abzuhängen. Und trotz mancher Widrigkeiten zeigt sich die Wirtschaft äußerst robust: Die Mehrheit der Unternehmen verzeichnet Umsatzsteigerungen, die Stadt positioniert sich als Top-Kultur- und Wirtschaftsstandort unter den Top 50 in Deutschland.
Es gibt Städte in Deutschland, die sich nahezu aufgegeben haben. Ratingen gehört nicht dazu. Hier herrscht Aufbruchstimmung – und die darf nicht enden. Das Bessere bleibt der Feind des Guten. Es ist noch Luft nach oben.

