Müll verschwindet nicht nur weil man ihn aus der Stadt nicht mehr sieht, Bild: Alexander Heinz
Müll verschwindet nicht nur weil man ihn aus der Stadt nicht mehr sieht, Bild: Alexander Heinz

Ratingen | Für Barbara Hecker und ihren Mann sollte der Umzug in die Wallhöfe ein Aufbruch in einen neuen Lebensabschnitt sein: barrierearm wohnen, zentral leben, kurze Wege, ein modernes Umfeld, dazu der Blick auf einen geplanten Mehrgenerationenpark mitten in der Stadt. Heute schaut das Ehepaar stattdessen auf eine abgesperrte Brachfläche, neuerdings eingefasst von einem massiven Holzzaun, der das Gefühl der Enge nach Angaben der Bewohnerin noch einmal verstärkt. Ein neuer Wall in Form eines städtischen Bretterzauns als Bauzaun “de Luxe”.


Blick auf die Rückseite des Zauns, Bild Alexander Heinz
Blick auf die Rückseite des Zauns, Bild Alexander Heinz

Der Fall wirft ein Schlaglicht auf ein Innenstadtprojekt, das seit Jahren nicht zur Ruhe kommt. Nach Darstellung der Stadt war die Tiefgarage an der Wallstraße ausdrücklich als flankierende Maßnahme zum Bau der Wallhöfe gedacht. In einer städtischen Erklärung heißt es, auf Wunsch der Stadt seien in den Wallhöfen große Einzelhandelsflächen geschaffen worden, während auf Stellplätze im ersten Untergeschoss verzichtet worden sei. Die notwendigen Stellplätze für die Mieterinnen und Mieter sowie für Besucher der Innenstadt sollten stattdessen in der städtischen Tiefgaragenerweiterung an der Wallstraße entstehen.

Genau darin liegt heute der politische und menschliche Sprengstoff. Denn der Rat hob den Baubeschluss für die Tiefgarage Ende 2024 wieder auf, während der geplante Mehrgenerationenpark weiter nur Zukunftsmusik blieb. Noch Anfang 2025 war öffentlich von einem möglichen Baubeginn des Parks erst im Frühjahr 2026 die Rede. Zugleich stellte das Land im August 2025 erneut Fördermittel für den innerstädtischen Mehrgenerationenpark und die Aufwertung der Wallstraße bereit. Das Projekt existiert also auf dem Papier weiter, in der Lebenswirklichkeit der Anwohner aber dominiert weiter der Stillstand.

Für Frau Hecker hat das ganz konkrete Folgen. Weil der versprochene Stellplatz in der geplanten Tiefgarage fehlt, musste sie nach eigener Schilderung einen anderen Parkplatz in der Nähe anmieten. Für ihren im Rollstuhl sitzenden Mann bedeutet das eine zusätzliche Hürde im Alltag. Die Wege sind länger, die Rampe des Parkhauses ist für sie mit Rollstuhl kaum sicher zu bewältigen, der unmittelbare barrierefreie Zugang, der mit einer benachbarten Tiefgarage möglich gewesen wäre, fehlt. Aus einer Komfortfrage wird so ein gravierendes Problem der Teilhabe.

Blick auf die Wallhöfe, Bild Alexander Heinz
Blick auf die Wallhöfe, Bild Alexander Heinz

Die entscheidende Frage drängt sich daher mit neuer Schärfe auf: Wie konnte ein Wohnprojekt dieser Größenordnung entstehen, wenn die Stellplatzfrage offenkundig an ein kommunales Folgeprojekt ausgelagert war, das später politisch wieder ins Wanken geraten konnte? Die Wallhöfe umfassen nach Angaben der Stadt 67 Wohnungen. Für die Menschen, die dort eingezogen sind, ist das kein abstrakter Verwaltungsvorgang, sondern eine tägliche Realität.

Und nun steht dort auch noch ein neuer Holzzaun, für dessen Austauschgrund öffentlich bislang keine klare Erklärung vorliegt. Was nach außen vielleicht wie bloße Einfriedung wirkt, ist für viele Bewohner rundherum längst ein Symbol geworden: für ein festgefahrenes Verfahren, für verlorene Lebensqualität und für das Gefühl, mit den Folgen einer politischen Fehlkalkulation alleingelassen zu werden.

Ein Gefühl der Enge entsteht, aber der Zaun kann ja noch farbig gestaltet werden, Bild: Alexander Heinz
Ein Gefühl der Enge entsteht, aber der Zaun kann ja noch farbig gestaltet werden, Bild: Alexander Heinz