Vortrag und Präsentation bei der Mitgliederversammlung von Aktiv für Ratingen, Bild: Alexander Heinz
Vortrag und Präsentation bei der Mitgliederversammlung von Aktiv für Ratingen, Bild: Alexander Heinz

Ratingen | Die Idee ist nicht neu, aber sie bekommt ein neues Gesicht: Ratingen als Hochschulstandort. Was in Wirtschaft und Politik seit Jahren immer wieder diskutiert wurde, soll nun unter dem Arbeitstitel Campus Plus konkreter werden. Bei der Mitgliederversammlung von Aktiv für Ratingen stellte eine junge Gründungsinitiative ein Konzept vor, das weit mehr sein will als eine klassische Fachhochschule. Es geht um einen Bildungscampus, der Studium, Weiterbildung, berufliche Entwicklung, Unternehmensnetzwerke und gesellschaftliche Teilhabe miteinander verbindet.


Hinter der Initiative stehen Nicole Geldmacher, Alexandra Schüller, Falk Leisgen und Sam Tahery. Die Präsentation zeigte deutlich: Hier treten keine Träumer ohne Fachbezug auf. Die Initiatoren bringen Erfahrung aus Bildung, Berufspädagogik, Unternehmenspraxis und Weiterbildung mit. Zugleich wurde aber ebenso deutlich, dass das Projekt noch am Anfang steht. Campus Plus ist bislang kein fertiger Hochschulstandort, sondern ein ambitioniertes Konzept, das nun Partner, Vertrauen und tragfähige Strukturen braucht.

Der zeitliche Kontext ist für Ratingen interessant. Die Stadt verfügt über eine starke Unternehmenslandschaft, liegt verkehrsgünstig zwischen Düsseldorf, Ruhrgebiet und Bergischem Land und besitzt Büro- und Gewerbestandorte, die sich grundsätzlich für Bildungsnutzungen eignen könnten. Gleichzeitig verlassen junge Menschen Ratingen häufig zum Studium. In der Präsentation wurde auf einen negativen Bildungswanderungssaldo verwiesen. Die Botschaft dahinter: Wer junge Talente dauerhaft an Ratingen binden will, muss ihnen auch vor Ort akademische Perspektiven bieten.

Geplant sind zum Start Studiengänge in Betriebswirtschaft, Entrepreneurship, AI & Data Science sowie Sozialpädagogik. Damit zielt die Initiative auf Bereiche, die sowohl für die lokale Wirtschaft als auch für gesellschaftliche Aufgaben relevant sind. Gerade die Verbindung aus Wirtschaft, Digitalisierung und sozialer Arbeit macht deutlich, dass Campus Plus nicht allein als Kaderschmiede für Unternehmen gedacht ist. Der Campus soll nach Vorstellung der Initiatoren auch ein Ort für Weiterbildung, Begegnung, Inklusion und lebenslanges Lernen werden.

Ein besonderer Baustein ist das eigentliche „Plus“. Gemeint sind ergänzende Angebote wie Zusatzqualifikationen, Soft-Skill-Trainings, Mentoring, ein Karriereportal, Recruiting-Formate und flexible Studienmodelle. Studierende sollen nicht nur Vorlesungen besuchen, sondern früh mit Unternehmen, Fachleuten und möglichen Arbeitgebern in Kontakt kommen. Unternehmen wiederum könnten Nachwuchs gewinnen, Mitarbeitende weiterqualifizieren und sich stärker in Bildungsprozesse einbringen.

Der aktuelle Stand zeigt Fortschritte, aber auch offene Baustellen. Nach Angaben der Initiative gab es bereits Kontakte zur Stadt, zum Unternehmensverband Ratingen, zu InWest, zu Unternehmen, Hochschulen, Ministerium, Wissenschaftsrat, Banken und möglichen Förderpartnern. Auch Standortoptionen und Raumkonzepte wurden geprüft. Gleichzeitig stehen zentrale Entscheidungen noch aus: ein endgültiger Standort, Finanzierung, Anerkennungsfragen, konkrete Kooperationsverträge und der offizielle Projektstart.

Genau deshalb wird der weitere Weg entscheidend. Ein Hochschulcampus lässt sich nicht allein durch Begeisterung gründen. Er braucht Akzeptanz in der Unternehmerschaft, Rückhalt in Politik und Verwaltung, Offenheit in der Stadtgesellschaft und verlässliche Partner im Bildungsbereich. Um diese breite Unterstützung bemüht sich die junge Initiative nun.

Für Ratingen wäre Campus Plus ein starkes Signal: Die Stadt würde nicht nur über Fachkräftesicherung reden, sondern selbst Bildungsstandort werden. Noch aber steckt das Projekt in den Kinderschuhen. Seine Stärke liegt in der Idee, seine Zukunft hängt davon ab, ob aus dem Konzept ein gemeinsames Ratinger Projekt wird.