Durchfahrt am Marktplatz in Ratingen, Bild: Alexander Heinz
Durchfahrt am Marktplatz in Ratingen, Bild: Alexander Heinz

Ratingen | Muttertag, blauer Himmel, glänzender Lack und das sonore Brummen alter Motoren: Die 14. Ratingen Classic wurde am Sonntag, 10. Mai, zu einer rollenden Liebeserklärung an die Automobilgeschichte. 88 Teams gingen bei Bruhy in Homberg an den Start, um mit ihren historischen Fahrzeugen bis Baujahr 1996 eine touristische Ausfahrt durch Ratingen und die Region zu absolvieren.


Veranstalter war der Bergische Touring Club Ratingen e.V. im ADAC, kurz BTC. Der Verein gehört zu den aktiven Motorsportadressen der Stadt und verbindet klassischen Automobilsport mit ehrenamtlichem Engagement. Dazu gehören unter anderem Veranstaltungen wie Rallye, Slalom, Oldtimer-Rallye und inzwischen auch SimRacing. Zudem veranstaltet der Club Clubsport- und Automobilslaloms und lädt Interessierte ein, beim Motorsport hineinzuschnuppern.

Pünktlich um 10.01 Uhr rollte das erste Fahrzeug los. Es war zugleich das älteste im Feld: ein Morris Ten Six aus dem Jahr 1935. Schon kurz nach dem Start wartete einer der Höhepunkte auf Teilnehmer und Zuschauer. Die Oldtimer fuhren über die Oberstraße in die historische Ratinger Altstadt und weiter zum Marktplatz. Dort empfing Lance David Arnold, TV-Moderator und Rennfahrer, die Teams unter dem großen gelben ADAC-Bogen.

Fast zwei Stunden lang wurde der Marktplatz zur Freiluftbühne für Chrom, Charakter und kleine Geschichten. Arnold verstand es, den Fahrerinnen und Fahrern nicht nur technische Daten, sondern auch Anekdoten über ihre Fahrzeuge zu entlocken. So wurde aus der Durchfahrt weit mehr als ein Programmpunkt: Sie wurde zum lebendigen Schaufenster einer Szene, in der Leidenschaft, Pflege und handwerkliches Verständnis zusammengehören.

Anschließend ging es sportlich präzise weiter. Bei cleanline car wash stand eine Sollzeitprüfung an. Dabei zählt nicht Geschwindigkeit, sondern Genauigkeit. Ein Parcours muss in einer vorgegebenen Zeit möglichst exakt absolviert werden, oft entscheiden Hundertstelsekunden. Danach führte die Strecke nach Ratingen-Hösel zum Oberschlesischen Landesmuseum, wo eine Quizaufgabe auf die Oldtimerfahrer wartete.

Über landschaftlich reizvolle Straßen rund um Velbert erreichten die Teams die Mittagspause bei Gottfried Schultz in Mettmann. Dort wurden Teilnehmer und Gäste mit Livemusik, Bratwurst und der bekannten „Original“ VW-Currysauce empfangen. Frisches Wasser aus der Haaner Felsenquelle sorgte für zusätzliche Erfrischung, bevor Lance David Arnold die Fahrzeuge wieder auf die Strecke schickte.

Die nächste Prüfung folgte auf der TÜV Rheinland Prüfstelle in Velbert. Noch einmal ging es um Präzision auf die Hundertstelsekunde. Danach führte die Route durch die kurvigen Straßen der Region Niederberg bis zum Ziel am Schloss Linnep in Ratingen-Breitscheid. Ab 16 Uhr erreichten die ersten Fahrzeuge das Ziel, wo sie in einem besonderen Ambiente empfangen wurden. Künstlerinnen und Künstler der Ratinger Galerie 1880 präsentierten dort Arbeiten rund um das Thema Automobil und gaben der Veranstaltung einen zusätzlichen kulturellen Akzent.

Am Ende wurden die besten Teams geehrt. In Klasse 3, Fahrzeuge von 1971 bis 1996, siegten Bernd Schug und Elke Oehm mit einem BMW E30 320i Cabriolet. In Klasse 2, Fahrzeuge von 1946 bis 1970, gewannen Ralf Ehlen und Heike Köppel mit einem Porsche 356 Roadster aus dem Jahr 1959. Die Klasse der ältesten Fahrzeuge bis Baujahr 1945 entschieden Jens Michael und Bengt Mindermann für sich. Das Vater-Sohn-Team fuhr einen Riley 12/4 Falcon Special.

Den Gesamtsiegerpokal sicherten sich Ralf Ehlen und Heike Köppel mit einem hauchdünnen Vorsprung von nur zwei Hundertstelsekunden. Passender hätte dieser Tag kaum enden können: mit Applaus für die Besten, Dank an die vielen Helfer und dem Gefühl, dass die Ratingen Classic längst mehr ist als eine Ausfahrt. Sie ist ein Stück rollende Stadtkultur.