Ratingen | Mit Edith Feltgen verliert Ratingen eine Persönlichkeit, die über Jahrzehnte gezeigt hat, wie wirksam beharrliches, sachkundiges Ehrenamt sein kann. Feltgen, geboren am 6. März 1927, ist am 22. Januar 2026 kurz vor ihrem 99. Geburtstag verstorben.
Wer sie kannte, beschreibt sie als fördernde und fordernde Kraft: freundlich im Ton, klar in der Sache. Besonders sichtbar wurde dieses Wirken im Ratinger Klimabeirat: Dort war Edith Feltgen Mitbegründerin, über 25 Jahre aktiv, später Ehrenmitglied und blieb „immer noch mit voller Motivation dabei“. Im Klimabeirat wurde sie zudem Ehrenvorsitzende – ein Titel, der nicht nach „Ruhestand“, sondern nach Verantwortung klingt, vor der sie sich Ihr Leben lang nicht gescheut hat diese zu übernehmen.
Der Weg bis zum heutigen Status quo des Klimabeirats begann lange vor dem heutigen „Klimaschutz als Pflichtprogramm“. In den 1980er Jahren, als lokale energiepolitische Debatten das Thema in Ratingen schärften, gehörte Feltgen zu denjenigen, die daraus eine Bürgerinitiative formten: Gemeinsam mit Siegfried Leittretter und Jürgen Lindemann gründete sie die Initiative „Klimabündnis Ratingen“ – aus diesem Umfeld ging später der Klimabeirat als städtische Institution hervor.
Dass der Klimabeirat heute in der Stadtgesellschaft verankert ist, hat viel mit solchen frühen, oft unbequemen Stimmen zu tun, die nicht lockerlassen, wenn es um langfristige Ziele und vorausschauende Entwicklung geht.
Bis zuletzt war Feltgen nicht nur Symbolfigur, sondern präsent. Protokolle und Veröffentlichungen zeigen sie über Jahre hinweg als feste Größe in den Beratungen und in der fachlichen Auseinandersetzung.
Und auch außerhalb kommunaler Gremien blieb sie aktiv: In der BUND-Ortsgruppe Ratingen blieb Sie bis zum Schluss eine Frau, die den „Unruhestand“ wählte, sich einbrachte, widersprach und – entscheidend – bis zum Lebensende dranblieb.
Für den Klimabeirat bedeutete das: Rückenwind und Reibung zugleich. Feltgen war eine, die Menschen zusammenbringen konnte – und gleichzeitig eine, die Ergebnisse einforderte. Nicht als Selbstzweck, sondern aus dem Gedanken heraus, dass Klimaschutz lokal beginnt: mit konkreten Entscheidungen, praktikablen Konzepten und einem langen Atem.
Ihr Vermächtnis ist damit nicht nur biografisch, sondern strukturell: Wer heute über Klimaanpassung, Energieeffizienz oder nachhaltige Stadtentwicklung in Ratingen diskutiert, tut das auf einem Fundament, das Edith Feltgen über Jahrzehnte mit Herz und Hand aufgebaut hat.
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