Wenn die Dorfgemeinschaft ruft sind alle da, Bild: Nestocom
Wenn die Dorfgemeinschaft ruft sind alle da, Bild: Nestocom

Ratingen | Eggerscheidt ist klein, aber keineswegs nebensächlich. Mit rund 920 Einwohnern ist der Ort der kleinste eigenständige Stadtteil Ratingens, ein Dorf mit eigener Prägung, eigener Erinnerung und einer politischen Eigenwilligkeit, die weit über seine Größe hinausreicht. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Eggerscheidt im Jahr 1254. Damit steht der Ort nicht nur in der langen Geschichte des Angerlandes, sondern auch für eine gewachsene dörfliche Identität.


Gerade deshalb berührt das Dorfentwicklungskonzept einen empfindlichen Punkt. Offiziell soll es bis 2035 die gestalterische und funktionale Weiterentwicklung beschreiben. Es geht um Wege, Straßen, Plätze, Treffpunkte, Mobilität und Aufenthaltsqualität. Auf dem Papier klingt das richtig. In Eggerscheidt aber reicht gute Planung allein nicht aus.

Denn das Dorf trägt bis heute die Erinnerung an die massiven Eingriffe der 1960er bis 1980er Jahre. Viele historische Gebäude mussten damals der Idee eines neuen Dorfes weichen. Für Außenstehende mag das Vergangenheit sein. Für alteingesessene Eggerscheidter ist es ein Verlust, der bis heute nachwirkt.

Die CDU hat das Dorfentwicklungskonzept zuletzt positiv begleitet und unter anderem sichere Wege, bessere Aufenthaltsqualität, den Festplatz, Grünflächen und die Verkehrssituation in den Blick genommen. Auch die aktuelle Anfrage zu einem Zebrastreifen an der Eggerscheidter Straße zeigt, woran sich Dorfentwicklung messen lassen muss: an Alltagstauglichkeit.

Dazu gehört auch der Nahverkehr. Die Bürger-Union fordert eine weitergehende Taktverdichtung der Buslinie 773, besonders abends und an Wochenenden, sowie bessere Anschlüsse an die S6 in Hösel. BU-Fraktionschef Rainer Vogt bringt es auf den Punkt: „Dorfentwicklung in Eggerscheidt bedeutet mehr als neue Häuser – sie muss im Alltag funktionieren. Dazu gehört vor allem ein verlässlicher Nahverkehr. Wer Menschen für Bus und Bahn gewinnen will, braucht gute Verbindungen auch abends und am Wochenende sowie funktionierende Anschlüsse an die S-Bahn in Hösel. Genau dafür setzt sich die Bürger-Union ein. Eggerscheidt darf verkehrlich nicht abgehängt werden.“

Politisch ist Eggerscheidt ohnehin ein besonderer Ort. Hier formierte sich einst die Bürger-Union unter Lothar Diehl als Alternative zur Ratinger CDU. Wer die Stimmung im Dorf verstehen will, darf deshalb nicht nur auf kumulierte Wahlergebnisse mit Hösel schauen. Eggerscheidt braucht Entwicklung, aber mit Respekt vor dem, was diesen Ort bis heute ausmacht.