
Ratingen | Applaus, Musik und ein deutliches Signal für mehr Bildungsgerechtigkeit: Die Allianz Bildung & Lernen (ABL) hat ihre ehrenamtlichen Lesementoren, Bildungspaten und JOBcoaches zum jährlichen Ehrenabend ins Haus am Turm eingeladen. Und dabei wurde schnell klar: Die ABL ist längst mehr als ein Projekt – sie ist eine gewachsene „Familie“ aus Menschen, die Kindern und Jugendlichen ganz konkret den Rücken stärken.
Mehr als 180 Ehrenamtliche begleiten inzwischen rund 400 Kinder und Jugendliche an Ratinger Grundschulen, Realschulen und der Gesamtschule. Mal geht es ums Lesenlernen, mal um Hausaufgaben und Lernstrategien – und oft auch um die Frage: „Was kann ich eigentlich später werden?“ Genau hier setzen die JOBcoaches an, wenn Berufsorientierung und Übergang in Ausbildung Thema werden. Für viele der Engagierten findet diese Arbeit im Alltag eher leise statt: als Tandem mit einem Kind oder in kleinen Gruppen. Umso wichtiger war der Ehrenabend als große gemeinsame Bühne – als Dank, Wertschätzung und Treffpunkt.
Ein besonderer Höhepunkt: Mitsubishi Electric übergab eine Spende von 8.000 Euro. Alexandra Blechmann und Dennis Beck überreichten den Betrag im Namen des Unternehmens und unterstrichen damit gesellschaftliche Verantwortung vor Ort. Für die ABL ist die Unterstützung mehr als nur ein Scheck: Sie hilft, die Angebote zu sichern – und würdigt gleichzeitig die Verlässlichkeit der Ehrenamtlichen, die Woche für Woche Zeit, Geduld und Erfahrung einbringen.
In ihrer Ansprache fand Barbara Mühlenkamp-Jahreis (ABL-Vorstand) klare Worte. Schulen stünden angesichts sinkender Sprachkompetenzen, abnehmender Konzentrationsfähigkeit und zunehmender psychischer Belastungen vieler Kinder unter Druck. „Wir können es uns nicht leisten, einen einzigen jungen Menschen in diesem Bildungssystem zu verlieren“, betonte sie – und dankte Ehrenamtlichen, Förderern und Lehrkräften. Bildung sei ein Recht und zugleich eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Generationenübergreifende Solidarität sei dabei ein Schlüssel: Wenn Bürger und Unternehmen „gemeinsam unterhaken“, verändere das zwar nicht über Nacht das System – aber für jedes einzelne Kind könne es eine unbezahlbare Weiche in der eigenen Bildungsbiografie sein.
Für den kulturellen Teil sorgte Wolfgang Becker von der Band „Schwarzbrenner“. Er vertont seit über 30 Jahren Lyrik aus Barock, Romantik und Expressionismus und nahm das Publikum mit Blues, Rock und Balladen auf eine Reise durch die Jahrhunderte – mit Texten unter anderem von Paul Fleming, Clemens Brentano, Joseph Eichendorff und Georg Heym. Für das leibliche Wohl sorgte Alexander Bös, und in entspannter Atmosphäre wurde viel gesprochen – ganz passend zu einem Abend, der vom Miteinander lebte.
Aktuell steigt nach den Halbjahreszeugnissen die Nachfrage nach Bildungspatenschaften, besonders in den Klassen 5 bis 7. Gesucht werden Menschen mit Herz und Geduld, die einem Kind regelmäßig Zeit schenken – beim Stoff, bei Grundlagen in Sprache und Mathe, aber auch als Beziehungsangebot, das Mut macht.
Kontakt: Maymol Devasia-Demming, Tel. 02102 3058020, devasia-demming@abl-ratingen.de
