Ratingen | Für viele Anwohnerinnen und Anwohner im Ratinger Westen ist es ein alltägliches Ärgernis: Man kehrt nach Hause zurück und findet den eigenen Parkplatz blockiert – besetzt von fremden Fahrzeugen, die hier nichts zu suchen haben. Jetzt haben Polizei und Zoll gemeinsam durchgegriffen. Der Einsatz war längst überfällig.
32 Fahrzeuge kontrolliert · 26 OWi-Anzeigen · 7 Shuttle ohne Genehmigung · 8 Stunden Einsatzdauer
Am Freitag, 22. Mai 2026, rückten Einsatzkräfte der Kreispolizeibehörde Mettmann gemeinsam mit dem Hauptzollamt Düsseldorf in die Stadtteile Ratingen-West und Tiefenbroich aus. Acht Stunden lang – von 8 bis 16 Uhr – kontrollierten sie Fahrzeuge und Shuttlebusse, die augenscheinlich kommerziellen Park-Service-Anbietern zugeordnet werden konnten. Das Ergebnis: ein breites Spektrum an Verstößen, das zeigt, wie weit sich einzelne Anbieter von einem seriösen Geschäftsbetrieb entfernt haben.
Das Geschäftsmodell ist an sich einfach und für Reisende verlockend: Wer zum Flughafen Düsseldorf fliegt, übergibt sein Auto kurz vor Abflug einem Dienstleister, der es für die Reisedauer gegen Gebühr auf einem vereinbarten Parkplatz abstellt und bei Rückkehr wieder bereitstellt. Was klingt wie ein praktischer Service, hat sich in Teilen jedoch zu einem echten Problem entwickelt – vor allem für die Menschen, die in der Nähe wohnen.
„Die Fahrzeuge wurden im öffentlichen Verkehrsraum abgestellt und belasteten so den Parkraum erheblich – entgegen der Vereinbarungen, die Anbieter mit ihren Kunden getroffen hatten.“
Polizei Mettmann, Pressestelle
Genau das ist das Kernproblem: 26 der kontrollierten Fahrzeuge standen nicht wie vereinbart in einem Parkhaus, sondern auf öffentlichen Straßen im Wohngebiet. Für jeden dieser Fälle wurde eine Ordnungswidrigkeitenanzeige gefertigt und an das Ordnungsamt der Stadt Ratingen übermittelt. Sieben Shuttle-Transporter hatten keine gültige Genehmigung für den Personentransport – auch hier wurden entsprechende Berichte an das Straßenverkehrsamt erstellt.
Zu weiteren Verstößen: Ein Fahrer stand nachweislich unter Drogeneinfluss – er hatte Amphetamine konsumiert und führte Cannabis mit sich. Gegen ihn wurden Strafverfahren eingeleitet. Bei einem anderen Betreiber stellten die Einsatzkräfte eine handfeste Auseinandersetzung mit einem Kunden über Zahlungsstreitigkeiten fest – die Polizei fertigte eine Strafanzeige wegen Nötigung. Zudem wurde eine Rechnung ohne ausgewiesene Mehrwertsteuer festgestellt, die an das Finanzamt weitergeleitet wurde. Der Zoll stellte darüber hinaus mehrere Verstöße gegen den gesetzlichen Mindestlohn und Meldeverpflichtungen fest.
Für die Anwohnerinnen und Anwohner in Ratingen-West ist der Einsatz ein langersehntes Signal. Die Situation hatte sich über Monate hinweg zugespitzt – besonders in Ferienzeiten, wenn das Aufkommen von Urlauberfahrzeugen sprunghaft ansteigt. Wer in bestimmten Straßen wohnt, kennt das Problem: Die Parkplätze vor der eigenen Haustür sind dicht belegt von Autos fremder Eigentümer, die Wochen lang stehen bleiben können. Für Familien mit Kindern, ältere Menschen oder Menschen mit eingeschränkter Mobilität ist das mehr als ein Ärgernis.
Der Einsatz war kein Zufall, sondern das Ergebnis systematischer Polizeiarbeit. Bereits seit einiger Zeit häuften sich Hinweise, dass Fahrzeuge ihrer Eigentümer mit erheblich erhöhten Kilometerständen oder gar Schäden zurückgegeben wurden – ein Hinweis darauf, dass einzelne Anbieter die anvertrauten Autos für private Fahrten, Shuttle-Dienste oder im schlimmsten Fall für illegale Straßenrennen nutzten. Die Kreispolizeibehörde reagierte darauf mit dem Projekt „zOOm“ – und mit einer Reihe gemeinsamer Kontrolleinsätze, die nun Früchte tragen.
HINTERGRUND: DAS PROJEKT „zOOm“
„zOOm“ steht für „Zielorientierte operative Maßnahmen“ und ist ein Projekt zur Kriminalitätsbekämpfung der Kreispolizeibehörde Mettmann. Die Idee ist angelehnt an die Zoom-Funktion einer Kamera: Bestimmte Viertel und Stadtteile werden gezielt in den polizeilichen Fokus genommen – intensiver und länger als bei einer regulären Streife. Die Behörden kündigen an, entsprechende Kontrollen auch künftig regelmäßig fortzuführen.
TIPPS DER POLIZEI FÜR REISENDE
- Zustand und Kilometerstand des Fahrzeugs bei Übergabe fotografisch dokumentieren.
- Seriöse Anbieter parken Fahrzeuge in bekannten Parkhäusern oder auf registrierten Flächen.
- Bei ungewöhnlich günstigen Angeboten oder unklaren Firmenstrukturen skeptisch sein.
- Schäden oder erhöhter Kilometerstand nach der Reise: unverzüglich bei der Polizei anzeigen.
Der Einsatz vom 22. Mai ist nicht der erste dieser Art – und er soll nicht der letzte sein. Die Behörden haben klar signalisiert, dass die Kontrollen weitergehen. Für die Bewohnerinnen und Bewohner von Ratingen-West, die sich schon lange wünschen, vor der eigenen Haustür wieder einen freien Parkplatz zu finden, ist das eine gute Nachricht.

