Ratingen | Wenn zum traditionellen Fischessen am Aschermittwoch in der Weißen Villa der AWO der Duft von geschmorten Kartoffeln, frischen Zwiebeln und Heringsvariationen durch die Räume zieht, dann ist das mehr als „nur“ eine Tradition – es ist ein Stück gelebte Nachbarschaft. Beim Fischessen, zu dem das Team der AWO-Begegnungsstätte an der Düsseldorfer Straße eingeladen hatte, wurde genau das spürbar: Hier wird nicht einfach ausgegeben, hier wird Willkommen gemacht.
Rund 40 Gäste waren angemeldet – und sie kamen auch. Viele kannten die Villa bereits, einige waren sogar schon am Vortag da, als das Team den zweiten Termin der neu gestarteten Suppenküche anbot. Seit Februar 2026 lädt die AWO in der Weißen Villa „jeden ersten Dienstag im Monat“ zu einer frisch zubereiteten warmen Mahlzeit für 1 Euro ein – ohne Anmeldung, ohne Voraussetzungen, „ein Ort der Wärme und Begegnung“.
Menschen, die’s einfach machen
Hinter dem Ganzen stehen Haupt- und Ehrenamtliche, die sich mit Herz reinhängen. Als Ansprechpartnerinnen der Weißen Villa sind Irena Steinjan und Manuela Remberg vor Ort.
Und am Herd wirkt unter anderem Christoph Klein: seit 2019 ehrenamtlicher Koch der AWO in der Weißen Villa – und seit März 2025 auch 2. Vorsitzender der AWO Ratingen, zuständig für Mittagstisch und kulinarische Veranstaltungen.
Beim Fischessen gab es den „Bunten Teller“ mit Heringsvariationen – ein eigenes Rezept – dazu Schmorkartoffeln und frische Zwiebeln. Und weil es in Ratingen nach Karneval gern noch einmal gemütlich wird, gehörten auch ein Abschlussbierchen und ein Berliner dazu: ein kleiner Moment zwischen „Jetzt wird gefastet“ und „Vorfreude auf die nächste Session“.
Mehr als eine Mahlzeit
Besonders beeindruckend ist, wie klar die Weiße Villa ihre Idee beschreibt: Die Suppenküche soll nicht nur satt machen. Sie soll auch Menschen zusammenbringen – und zwar bewusst generationen- und lebenslagenübergreifend. Steinjan freut sich, dass nicht nur diejenigen kommen, die auf eine günstige Mahlzeit angewiesen sind, sondern auch Menschen, die das Projekt gut finden und es unterstützen möchten. Das zeigt sich manchmal ganz schlicht in der Spendendose: Neben dem symbolischen Euro landet dort eben auch mal ein Fünfer oder Zehner – wichtig für die soziale Arbeit vor Ort.
Und dann ist da noch dieser zweite, oft unterschätzte Effekt: Die Weiße Villa ist für viele eine Art Kommunikationsinsel – ein Ort, an dem man nicht „funktioniert“, sondern sich begegnet. Gerade Menschen, die sich in der schnellen, digitalen Alltagskommunikation nicht wohlfühlen, finden hier wieder etwas, das fast schon retro wirkt – aber eigentlich hochmodern ist: echte Gespräche, Blickkontakt, ein kurzer Austausch am Tisch. Oder, wie Jüngere sagen würden: „richtig gefeiert“ – weil es gut tut.
Christoph Klein bringt es sinngemäß auf den Punkt: Essen ist hier Hebel und Brücke zugleich, hin zu Gemeinschaft, hin zu neuen Kontakten, hin zu weniger Einsamkeit.
Einladung an alle Neugierigen
Wer die Weiße Villa noch nicht kennt, sollte sich trauen: einfach mal hingehen, schauen, Hallo sagen. Die AWO-Begegnungsstätte Weiße Villa findet man an der Düsseldorfer Straße 141 in Ratingen, geöffnet ist sie montags bis donnerstags 9 bis 16 Uhr, freitags 9 bis 12 Uhr (und nach Vereinbarung).
Die Suppenküche läuft jeden ersten und dritten Dienstag im Monat von 12:00 bis 13:30 Uhr.
Man muss dort niemand „kennen“, um willkommen zu sein. Genau das ist ja die Idee.

